Die schlechte Botschaft vorab: So werden die GPRA-Agenturen keine motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen, PR-Absolventen schon einmal gar nicht. Mit den gestern veröffentlichten Mindeststandards für Trainees und einer Mindestvergütung von 1.600 Euro im Monat hat die Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA) einen der Grundsätze im Personalmanagement missachtet. Dieser lautet: Das Gehalt muss als angemessen empfunden werden. Was angemessen ist, das beurteilen nicht die Arbeitgeber, in diesem Fall die Agenturen oder der Verband, sondern die Bewerber.

Deren Reaktion war ausgesprochen deutlich. Heute veröffentlichten die Studierendeninitiativen campus relations e.V. (Münster), kommoguntia e.V. (Mainz), LPRS e.V. (Leipzig) und PRSH e.V. (Hannover) eine Stellungnahme, die es in sich hat. Zitat: "Allerdings kritisieren wir insbesondere Dauer der Ausbildung und die Höhe der Vergütung, die wir auf eine fehlende Differenzierung unterschiedlicher Ausbildungshintergründe zurückführen." An anderer Stelle ist die Rede von "die Leistung wertschätzen".

Warum ist das Gehalt so wichtig?
Warum ist das Gehalt so wichtig, wann spielt es eine Rolle und wann eher nicht? Es gibt viele Studien zu den Fragen, was Bewerber bei einem Arbeitgeber schätzen, warum Mitarbeiter bei einem Unternehmen bleiben und warum sie gehen. In manchen Studien belegt der Gehaltswunsch eine Spitzenposition, in anderen eher nicht. These: Für Bewerber und Jobsucher ist ein angemessenes Gehalt eines der entscheidenden Argumente für einen Arbeitgeber. Für Mitarbeiter hingegen rückt das Gehalt nur dann in den Vordergrund, wenn es als unzureichend empfunden wird.

Die StepStone Trendstudie 2015 bringt Licht in das Verwirrspiel. Für 84 Prozent der befragten 17.000 Fachkräfte mit Berufserfahrung ist das Gehalt an einem Job wichtig. Das ist kein Spitzenplatz, weiche Faktoren wie ein harmonisches Arbeitsumfeld und spannende Arbeitsinhalte sind höher platziert. Wohlgemerkt, hier antworten Mitarbeiter von Unternehmen, nicht aber Bewerber und Jobsucher. Diese sehen das Thema "Gehalt" ganz anders. Wozu hätten Kandidaten gerne in Stellenanzeigen mehr Informationen, fragte StepStone. Mit 64 Prozent steht der Wunsch nach Gehaltsangaben an erster Stelle.

Das Gehalt kann schnell zum entscheidenden Argument für oder gegen einen Arbeitgeber werden. Der Gehaltswunsch ist ein sogenannter "Hygienefaktor" nach Herzberg. Sprich: Gehalt ist nicht alles – aber ohne (ausreichendes) Gehalt ist alles andere nichts. Wird das Gehalt als branchenüblich und angemessen empfunden, dann zählen die weichen Faktoren stärker.

Flauschige Arbeitgeberkommunikation allein reicht nicht
Und noch eine bittere Wahrheit, diesmal zur Arbeitgeberkommunikation der Agenturen: Guter Kaffee, knackiges Obst, Pflanzen im Büro oder tolle Büromöbel sind nette Benefits für die Bewerber, mehr aber auch nicht. Wenn das Gehalt als zu gering wahrgenommen wird, dann können sich die Agenturen die Werbung mit einer flauschig-innovativen Atmosphäre und Latte Macchiato & Schoki am Arbeitsplatz sparen. Gerade heute früh hatte ich über das Thema "Everybody's Darling in der Arbeitgeberkommunikation" geschrieben. Hier spielen die kleinen Benefits und die wirklich wichtigen Dinge eine Rolle.

Wertschätzung ist gefragt
Die Studierenden-Initiativen fordern, dass die Agenturen die Leistungen der PR-Absolventen wertschätzen. Dies solle sich auch im Gehalt widerspiegeln. Das ist aus meiner Sicht ein äußerst wichtiges Stichwort. Wertschätzung - in der Personalführung geht es um genau das. In der Arbeitgeberkommunikation auch. Denn wer möchte schon in einem Unternehmen arbeiten, wo die Leistungen der Mitarbeiter nicht wertgeschätzt werden? Dieser Vorwurf der Studierendeninitiativen ist gravierend und die GPRA sollte sich damit auseinander setzen. Über das Thema "Wertschätzung" hatte ich ebenfalls vor einiger Zeit in meinem Blog geschrieben.

Die GPRA hat den Agenturen mit der Mindestvergütung keinen Gefallen getan. Hier sollte der Verband ganz schnell nachbessern.

Über den Autor: Helge Weinberg ist Berater und Journalist aus Hamburg. Seine Agentur Strategie & Kommunikation ist spezialisiert auf Arbeitgeberkommunikation und Employer Branding. Über diese Themen schreibt er in seinem Blog sowie als Korrespondent Hamburg / Norddeutschland des "PR-Journals" und in anderen Medien.

Kommentare

 
#2 Wolfgang Griepentrog 2015-12-14 16:30
Das Gegenteil von gut ist gut gemeint, sagt man.

Die Initiative zur Einführung von Mindeststandard s für Trainees in GPRA-Agenturen demonstriert ein Problem unserer Branche: So meisterhaft PR-Profis anderen helfen können, sich am Markt durchzusetzen, Produkte zu verkaufen, sich gekonnt zu profilieren, so unbeholfen sind sie in eigener Sache. Wer es versäumt, seine Initative angemessen zu erklären, die Vorteile aus Sicht der betroffenen Stakeholder auch nur im Ansatz darzustellen und überhaupt Sinn und Bedeutung der Aktion zu argumentieren, muss sich nicht wundern, wenn die Rakete nach hinten losgeht und die Debatte auf einige wenige Aspekte verkürzt wird.

Ist doch klar, dass das Gehalt als Signal zu gering empfundener Wertschätzung thematisiert wird, wenn sonst nirgends die Wertschätzung gegenüber dem Nachwuchs als angehende Leistungsträger im Agentur-Busines s und als künftige Gestalter unserer Branche formuliert wird. Ein kurzes positives Intro, ein „kommunikatives “ Zeichen ernsthafter Verantwortung, ein klarstellender Satz, warum sich GPRA-Agenturen mit dieser Initiative um die Leistungsfähigk eit und den persönlichen Erfolg des Nachwuchses bemühen, hätte der Sache gut getan.

So aber erzeugen karge Informationen und falsche Signale Ratlosigkeit. Und man fragt sich: Wie ist es wirklich gemeint? Warum macht wer wem Vorschriften? Wer profitiert davon (irgendwer hat berechtigterwei se gefragt, zu welchem Tagessatz die 1.600-€-Starlet s den Kunden weiterberechnet werden)? Auch fachlich fragt man sich: Gibt es da Prioritäten? Die „fachspezifisch en Inhalte“ reichen immerhin von „Grundlagen praxisrelevante r strategischer Planung / Konzeption“ (gibt´s eigentlich auch „praxisferne“ strategische Planung?) bis zur „Erstellung von Präsentationen“ . Um „Storytelling“ geht es und um „Umgang mit Texten“ auch. Aha. Es geht also um irgendwie alles und irgendwie nichts. „Von Kommunikation bis Kaffekochen“ hätte man vielleicht einfacher formuliert. Und am Ende geht es, wie immer im Agenturgeschäft , ums Geld. Daher wird am Schluss die Vergütung festgelegt. Man hätte schreiben können: „Vergütung: je nach Talent und Vorkenntnissen, mindestens aber 1.600 €“. Da hätte sich niemand aufgeregt. Aber das wollte man offenbar nicht.

Wie kommt die GPRA da wieder heraus?
 
 
#1 Sinan 2015-12-13 18:38
Sehr geehrter Herr Weinberg,
dann mal Butter bei die Fische: Wie hoch ist das Trainee-Einstie gsgehalt in Ihrem Hause?
Sollten Sie über dem liegen, was die GPRA festgesetzt hat: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben die Mindeststandard s erfüllt. Denn genau darum ging es: Um die Verhinderung von Dumping-Löhnen und nicht um die Festlegung einer Gehalts-Stufe für Trainees.
Die Stellungnahme der Studenten zeigt eigentlich nur eins - nämlich, dass Anspruch und Realität extrem auseinander klaffen.
Beste Grüße!
 

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