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Kerlikowskys Kommentar über... Görlitz und die Subventions-Folgen

kerlikowsky1Guten Tag! Es berührt mich immer noch, wenn ich von Deutschland nach Polen fahre oder gehe und dazu nur kurz den Ausweis einem polnischen oder deutschen Grenzbeamten zeigen muß. Es irritiert mich jedoch jedes Mal mehr, wenn ich einen deutschen Grenzbeamten im Vorbeigehen frage, ob er mir auf polnischer Seite ein Lokal empfehlen kann. Egal, an welchem Übergang ich bin, ob auf Usedom, in Küstrin oder, wie jetzt in Görlitz, es kommt die Antwort, „dort kenne ich mich nicht aus“. Meine Testfrage, an Deutsche in Görlitz gestellt, wurde ähnlich beantwortet: „Ja, ich war mal drüben. Aber was soll ich da“. Dabei war es über Jahrhunderte eine deutsche Stadt, die nun auf der östlichen Neisse-Seite Zgorzelec heißt, verbunden von zwei Brücken.

Die deutschen Görlitzer kann man verstehen; denn ihre Stadt ist mit deutschen Steuergeldern und EU-Zuschüssen wieder zu einem Kleinod geworden. Jahrhunderte alte Kirchen, Barockund Renaissance-Häuser sowie sonstige prachtvolle alte Bauten, die in der DDR-Zeit verwahrlost waren und abgerissen werden sollten, sind wunderschön restauriert worden. Cafés und Restaurants in alten Gewölben begeistern die Touristen. Allerdings stehen in so manchen restaurierten Häusern Läden leer.

Auf der polnischen Seite, eben in Zgorzelec, früher der neue Ortsteil von Görlitz, fühlt man sich durch Plattenbauten und viele schmuddlige Bauten an die Ostblock-Zeiten erinnert. Allerdings gibt es einen positiven Unterschied zur deutschen Seite: fast alle Geschäfte sind vermietet, an den Häusern prangen Firmenschilder auf Deutsch und Polnisch, es gibt Märkte und Reparaturwerkstätten für Autos, natürlich hauptsächlich für deutsche Kunden gedacht.

Und noch einUnterschied: es gibt viele junge Leute und Kinder. Die fehlen im deutschen Görlitz. Die jungen, aktiven Bewohner sind abgewandert. Die Alten sind geblieben – und westdeutsche Rentner sind wegen der niedrigen Mieten und Lebenshaltungskosten zugewandert. Die geteilte Stadt ist ein Symbol, an dem deutlich wird, daß hohe Geldtransfers die Initiativen der Bevölkerung eher lähmen. In Polen, ohne diesen Geldregen, ist Eigeninitiative gefragt – und die brachte Wachstumsraten von 6 Prozent jährlich. Daß Förderung hinterfragt wird, das hofft Ihr

Dr. Horst Kerlikowsky
Berlin, den 17. Mai 2007

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