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Kerlikowskys Kommentar über... 4.000 Journalisten ohne direkte Informationen

kerlikowsky1Guten Tag! Woher haben die Journalisten, die zum G-8-Gipfel gefahren sind, eigentlich Ihre Informationen bekommen? 4.000 Kollegen aus dem In- und Ausland waren gekommen, um fast nur von Ferne die Staatschefs und deren Tross zu sehen. Nur wenige Ausgewählte, so Mitarbeiter vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen, hatten die Chance zu Interviews. Das gab den Befragten die Chance, sich als erfolgreiche Verhandler darzustellen. Die anderen Journalisten mussten sich mit dem üblichen Verlautbarungsjournalismus begnügen, also Pressemitteilungen umschreiben.

Wer zur Zeit des G-8-Gipfels wie ich in Berlin geblieben war, hatte es besser. Aus aller Welt machten Politiker, Wissenschaftler und Manager vor der Reise nach Heiligendamm hier Station und präsentierten sich bei Konferenzen und Pressegesprächen. Mich interessierte Muhammad Yunus, der Friedensnobelpreisträger. Den wollte ich persönlich erleben, obwohl seine Autobiographie auf Deutsch veröffentlicht ist und er in etlichen Talkshows aufgetreten war.

Das Interessanteste für mich ist der Klappentext seines Buches geblieben: „Ein Mann hat eine Vision und setzt sie in die Tat um – gegen den Widerstand internationaler Entwicklungshilfe-Organisationen und mächtiger Banken“. Das trifft ein Hauptproblem der Entwicklungshilfe. Yunus hat es fertig bekommen, mit der Idee von Kleinkrediten den Ärmsten der Armen die Möglichkeit zu geben, sich eine Existenz zu schaffen. In mehr als hundert Staaten wurde seine Idee übernommen. Sie hat mehr als 6,6 Millionen Menschen in Entwicklungsländern und Krisengebieten geholfen.

Yunus kritisierte im Pressegespräch heftig, wenn auch diplomatisch, die Industrieländer. Diese erheben Einfuhrzölle auf Produkte aus Entwicklungsländern oder begrenzen deren Einfuhren durch Quoten. Absurd ist wohl die Politik der EU-Länder und der EU-Kommission. Sie zahlen mehr als die Hälfte der weltweiten Entwicklungsgelder von 50 Milliarden $. Der Betrag soll bis 2010 verdoppelt werden. Gleichzeitig ruiniert die EU ganze Länder, so in Afrika, indem sie deren wirtschaftliche Basis, die Landwirtschaft zerstört. Das geschieht durch den subventionierten Export landwirtschaftlicher Produkte. In Heiligendamm wurde viel über die Erhöhung der Entwicklungsgelder gesprochen; doch nicht über dieses Thema oder die Geldverschwendung durch die Bürokratie beim Verteilen der Gelder.

Das ist nicht nur ein Problem der EU-Länder und der EU-Kommission. Die Weltgesundheitsorganisation hat beispielsweise ein Jahresbudget von 1,6 Milliarden $ und beschäftigt 8.000 Mitarbeiter in rund 150 Länderbüros. Dazu kommen sechs Regionalverwaltungen und die Zentrale in Genf. Die Stiftung von Bill Gates und seiner Frau gibt ebenfalls jährlich 1,6 Milliarden $, hauptsächlich für medizinische Projekte in aller Welt aus – und das mit 350 Mitarbeitern und nur drei Büros. Daß die öffentliche Verschwendung nachlässt, das wünscht uns allen Ihr

Dr. Horst Kerlikowsky
Berlin, den 15. Juni 2007

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