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Rainforest Alliance im Visier: Rüsten Alligatoren zum Wirtschaftskrieg?

Karl May: Erzähle nicht die Wahrheit, solange Dir etwas Interessanteres einfällt.
Nun hat die Propaganda im Wettbewerb der sich für faire Nachhaltigkeit in Handelsvereinbarungen einsetzenden Organisation "FairTrade" mit der Rainforest Alliance die Kaffeebohne, und nicht nur die, erreicht. Sozusagen als alter Alligator (1970 in den Niederlanden von Max Havelaar gegründet gegen die Benachteiligung von Kleinbauern), vereinen sich heute verschiedene Organisationen unter dem Dach der Fair Trade Labelling Organisation (FLO). Kaffee wurde 1989 von dieser erstmals zertifiziert.

Vier Jahre später, 1993 begann die Rainforest Alliance in Zusammenarbeit mit anderen lateinamerikanischen NGOs ein landwirtschaftliches Nachhaltigkeitsprogramm zu entwickeln. Bereits davor, seit 1989, arbeitete die Organisation bereits an der Entwicklung von Standards zur Zertifizierung von Bananen, die erste Kaffeefarm wurde 1995 zertifiziert. Die Rainforest Alliance verbindet produktive Landwirtschaft mit dem Erhalt der biologischen Vielfalt und sozialen wie arbeitsrechtlichen Förder- und Schutzmaßnahmen.

Alte Alligatoren versuchen nach meiner Wahrnehmung, die Bemühungen neuer Kräfte zur Trockenlegung von Sumpfgebieten zu behindern oder am liebsten ganz zu unterbinden. In der Definition eines Witzboldes ist Strategie, daß man weiterschießt, auch wenn keine Munition mehr vorhanden ist. Dann bleibt nur der Weg in die Desinformation durch den Alligator begleitende mediale "Schmarotzer" oder gar Ideologen in der Maske des "objektiv" recherchierenden" Journalisten.

Nehmen wir doch einmal das Beispiel der taz und anderer linker "neutraler" Berichterstattung: Ein Hauch nicht mehr von Lenin, wohl aber von Opa Castro, weht uns bei der Verdächtigung und Bekämpfung des imperialistischen Feindes USA und seiner Füttertruppe McDonald's entgegen.

Ein Beitrag des Kollegen (?) Paul Wrusch in der werbewirksamen taz kann als medialer Start einer Alligatorenkampagne bezeichnet werden. Dieser Beitrag, erschienen am 01. März 2008, eröffnet mit Überschriften und Text wie "Mit Kaffee und Bohneneintopf – McDonald's macht auf bio" … "Der Lieblingsfeind der Ökoszene hat angesetzt, sein Burger-Image abzulegen. Doch Verbraucherschützer kritisieren den Einsatz von Gentechnik und das Kaffee-Gütesiegel." … "Weg vom Burger-Image – hin zur Regenwald-Credibility" … "Jetzt hat der Gesundheits- und Biotrend die Fastfood-Branche erfaßt: Seit Donnerstag verkauft der amerikanische Burger-Riese McDonald's in allen europäischen Filialen nur noch Kaffee, der mit dem Siegel der "Rainforest Alliance" zertifiziert ist."

Um es kurz zu machen: Selten habe ich einen so schlecht recherchierten "Fakten"-Beitrag mit eindeutiger Absicht gesehen, Rainforest Alliance im Vergleich zu Fairtrade in ein schlechtes Licht zu rücken.

Hätte der Autor auch nur den Ansatz zu einer normalen Recherche unternommen, hätte ihm die Zweifelhaftigkeit seiner Quellen aufgehen müssen. Ich komme zu dem Schluß, daß dahinter Absicht stand, das Qualitätssiegel der Rainforest Alliance zu diskreditieren. Als Quelle benutzt er ein Zitat der Pressesprecherin Claudia Brück von der selbst umstrittenen "Transfair". Die wiederum gibt sich im persönlichen Gespräch ausgewogen, zeigt aber ihrerseits eine gewisse Unkenntnis oder Wahrnehmungsresistenz, unterstellt sie doch der "anderen Partei", nach eigenem Schema zu agieren. Als säße nicht die Fair Trade Labelling Organisation FLO zusammen mit der Rainforest Alliance und weiteren führenden Zertifizierungsorganisationen in der ISEAL-Gruppe am selben Tisch mit den selben Zielen und der Übereinkunft, sich gemeinsam definierten Statuten zu verpflichten und Transparenz durch gegenseitige Kontrolle zu gewähren. Da griffe man doch ein, oder? Für aufwändige Anzeigenkampagnen ist die Rainforest Alliance übrigens auch nicht zu haben, mag dies Frau Brück auch so sehen. Zum Leidwesen sicherlich manchen Verlages, ergo Brötchengebers, sind die zur Verfügung stehenden Finanzmittel zweckgebunden und weitestgehend der Arbeit vor Ort bestimmt. Sieht man das Frosch-Siegel der Organisation im bunten Blätterwald, darf allenfalls Stolz und Sendungsbewusstsein des Produkt herstellenden Absenders unterstellt werden. Sollte dies bei Fair Trade anders sein, und die Organisation mehr für sich werben müssen?

Für seinen taz-Artikel prüft Wrusch auch nicht nach, wer die Wissenschaftler der Universität Oxford sein sollen, die angeblich die Rainforest Alliance als "billigen Ausweg für Unternehmen" bezeichnet haben sollen, "die an einem spektakulären PR-Effekt interessiert sind." Über die etwa auch gegen Fairtrade vorzubringenden Fakten liest man ebenfalls kein einziges Recherche-Ergebnis. Warum wohl?

Dafür wird aber das Instrument der PR gleich einmal mitbeschädigt. Verwirrt über die Anhäufung negativer Reizwörter gegen Rainforest Alliance unterhielt ich mich mit einem PR-Experten. Seine Antwort: "Unser PR-Motto lautet: Tu Gutes und rede darüber. Vor allem rede nicht schlecht über Dritte." Hier hat offensichtlich eine als Redaktionsleistung getarnte Desinformation stattgefunden nach dem Motto "Tu Dir Gutes und rede schlecht über andere."

Diese befremdlichen journalistischen Fehlleistungen hätten unterbleiben können, wenn sich die genannten Akteure ein einziges Mal direkt an Rainforest Alliance gewandt hätten. Ich habe jedenfalls zahlreiche interessante Informationen über die Website der Organisation www.rainforest-alliance.org erfahren und auf meine kritische Befragung sachliche Auskünfte erhalten.

Wie war das noch mit der Strategie? Taktik ist, wenn man einen Eimer Milch umstößt. Strategie ist, wenn man die Kuh töten will. Die Kuh ist in diesem Fall nicht Rainforest, sondern die gute Sache der weltweiten und nachhaltigen Aufbauhilfen für arme Regionen.

Der Vorfall ist eine Provokation. Er ist mehr als ein Kinderkramspielchen nach dem Motto "Mein Vater hat ein besseres Auto als Dein Vater." Um beim Eingangsbild zu bleiben: Für mich ist das Verhalten der alten Alligatoren und der sie begleitenden medialen "Schmarotzer" mehr als nur ein Frühwarnsignal zum zukünftigen Umgang miteinander in der entwicklungspolitischen Szene. Hier werden nach meinem Verständnis Propaganda und Desinformation als politische Waffe eingesetzt. Es kann der Beginn eines sinnlosen Wirtschaftskrieges auf Kosten der Ärmsten sein.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich finde das Anliegen beider Organisationen grundsätzlich gut, weil es einen zutiefst ehrbaren Kern enthält. Umso schlimmer kommt es mich an, dass solche kommunikativen Muskelspiele das gemeinsame Ziel aufs Stärkste verwässert, wenn nicht gar verrät. Und umso dringlicher scheint mir der Rat an die journalistischen Kollegen geboten, in Zukunft noch genauer hinzuschauen.

Pitt van Bull

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