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Besser ohne DRPR: Social Web und PR

Ach, warum ist der DRPR (Deutscher Rat für Public Relations) so weit weg von dem, was passiert. Bei Pipi Langstrumpf kann ich ja verstehen, dass sie sich die Welt malt, wie sie ihr gefällt - aber bei professionellen Kommunikatoren?
Das beginnt schon damit, dass ein Gremium wie der DRPR, der eine - sagen wir mal - überschaubare Relevanz für ein - zugegeben - wichtiges Thema besitzt, eine Richtlinie veröffentlichen will. Wollte der DRPR die Debatte wirklich vorantreiben und nicht, wie bisher, vor allem PR für PR betreiben, würde er das Social Web ernst nehmen und einen Dialog initiieren. Es mag ja sein, dass man - frei nach Geisler - in Deutschland die Begriffe und nicht die Bahnsteige besetzten muss, aber es würde nicht schaden, zumindest am richtigen Bahnhof zu stehen.

Den Zug der Zeit würde der DRPR dennoch verpassen, wie die 2. These zeigt  "Generell kritisch sind alle Online Plattformen, in denen von vorneherein die beiden Geschäftsmodelle redaktionelles Angebot und Content-Plattform zusammen fließen". Fortschrittliche Unternehmen haben das Modell des Corporate Publishings noch einen Schritt weiter getrieben, wie anhand der Plattform www.nowness.com/ Thomas Knüwer recht treffend beschreibt: www.indiskretionehrensache.de/2010/03/die-neue-homepage (und andere schon vorher getan haben).

Die 3. These wünschte man sich zunächst bei professionellen Journalisten umgesetzt, am liebsten auch rückwirkend in den Archiven. Millionen von Reiseberichten und Autotests müssten ergänzt werden.

Bei These 6 wird schließlich deutlich, dass die Autoren - statt einen echten Dialog zu initiieren - versuchen, sich aus ihrer nicht hinreichenden Argumentation nach oben zu definieren und bemühen den Corporate Governance Kodex. Das dokumentiert eher Eitelkeit als ernsthaftes Bemühen.

Und bei These 1, kann man angesichts des zu Grunde liegenden Menschen- und Weltbilds nur noch weinen. Halten die Verfasser das Publikum für derart dämlich, dass es nicht in der Lage ist, (Schleich)Werbung zu erkennen? Und wo beginnt organisationelle Kommunikation, wo hört sie auf? Wer, außer wirklich hilfsbedürftigen Menschen aus dem Krawallfernsehen, legt sein tiefes Vertrauen bei wichtigen Entscheidungen in anonyme Hände? Und sind es nicht gerade die wirklich relevanten Themen, die der Anonymität des Webs bedürfen (Whistle Blowing, Wikileaks, etc.)?

Bleibt eine Forderung zur PR im Social Web, die man sich in der Praxis wirklich umgesetzt wünscht: Entweder ganz oder gar nicht – ganz sicher aber ohne den DRPR – wenn er weiterhin die alleinige Deutungshoheit beansprucht.

Sascha Stoltenow, Frankfurt am Main

Sorry + danke für den Hinweis: Hier ist der Link zum Artikel von Heiko Kretschmer, auf den sich der Kommemntar von Sascha Stoltenow bezieht: http://www.strategieblog.de/2010/02/entweder-transparent-oder-gar-nicht-6-thesen-zur-pr-im-social-web/.

Das "PR-Journal" hatte auch in zwei Sachbeiträgen zum Thema und den Vorschlägen des Dt. PR-Rates berichtet:
www.pr-journal.de/redaktion-aktuell/branche/8224-pr-rat-blogger-medien-eine-notwendige-diskussion.html
und
www.pr-journal.de/redaktion-aktuell/branche/8262-pr-rat-blogger-und-verdeckte-pr-die-offenen-fragen.html.

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