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ADC: Begriffsscharlatanerie statt Propaganda
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Montag, 28. März 2005 02:00
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
Berlin stand vom 18. bis 21. März im Zeichen der Werbung. Im Vorfeld sorgte der Visionstag am 18. März mit dem vielversprechenden Titel "Propaganda- The new creative revolution“ für großes Interesse in der Kommunikationswelt. Der tatsächliche Ablauf war eher inhaltlich enttäuschend: Selbstgefällige Erektion statt Vision. ADC-Vorstandssprecher Michael Preiswerk sonderte einleitend ein paar müde Platitüden so gar nicht im Sinne seines Mottos "Nur die Idee integriert“ ab und sah in Ausstellung und Wettbewerb mehrfach "Großartiges“ auf dem Weg in die Welt kommunikativer Revolution. Amir Kassaei, DDB betonte die Beispiele klassischer Werbung in der Ausstellung, um anschließend die integrierte Kommunikation durch die Bemerkung zu diskreditieren, sie bediene sich der alten Instrumente. Die Zukunft liege nunmehr in der Manipulation.
Sodann sollten die Hauptreferenten aufzeigen, wie denn Revolution konkret aussehe. Machen wir es kurz: Roy Sutherland, Rolf Grauel und Lewis Blackwell waren wie immer gut bis sehr gut in Form und Inhalt und hatten sicher für die meisten jungen Teilnehmer einen hohen Weiterbildungs- und persönlichen Erlebniswert. Aber die Veranstalter hatten durch ihre unentwegte und sich selbst begeisternde Werbung für Propaganda als die neue kreative Revolution die intellektuelle Meßlatte zu hoch gelegt. Statt kreativer Spitzenküche servierten sie nicht erwartetes convenience food. Am dichtesten war dann noch Rolf Grauel in einem Teilbereich "Die fünf Pforten der Manipulation“ am versprochenen Thema. Lewis Blackwell brachte zum Schluß das Gerede von den neuen Megatrends auf den wahren Punkt, Trends seien nur Vergangenheit, die trendy gemacht würde. Authentizität sei entscheidend.
Von "Aufbruch“ konnte nur die Rede sein als der Vorstandssprecher selbst von der Bühne verschwand. Dem ADC mache ich zum Vorwurf, daß er Begriffe zum Anlocken benutzte, die er weder definieren noch differenzieren konnte. Wer den goldenen Furz ankündigt und dann nur satt rülpst macht sich unglaubwürdig. Wo blieben die Visionen? Wo blieben die Eruptionen einer neuen Revolution? Es waren voreilige Jubelschreie jenseits jeder Ankündigungstreue. Das angepackte Thema war zu groß für diesen ADC. Eine Idee allein integriert eben nicht. Sie hat oft eine hohe Säuglingssterblichkeit, wenn sie nicht gehegt und gepflegt und langfristig organisiert wird.
Die ADC Ausstellung hielt dagegen sogar mehr, als das in den Ankündigungen Versprochene. Auch die Diplomarbeiten, Semesterarbeiten und Praxisarbeiten des ADC-Nachwuchses zeigten den hohen Standard, der schon 2004 zu zahlreichen Auszeichnungen geführt hatte. Die Ausstellung selbst war auch durch die vielen jungen Besucher gekennzeichnet. Die in den Branchenblättern bereits vorher geführte Diskussion über Fakes und Doping in der Kreation, soll hier nicht unkommentiert bleiben. Als bunte Schaubühne der deutschen Kreativen ist die Ausstellung unentbehrlich und vor allem ehrlich auch dann, wenn künstlerisch umgesetzte Ideen nicht sofort zu Kundenetats führen. Auch wer nicht im Wettbewerb der besten Ideenausführungen einen goldenen, silbernen oder bronzenen Nagel errungen hat, kann bei "Wirtschaftsentscheidern“ und nicht nur bei diesen kreative Gedanken auslesen oder zukünftige Aufträge erhalten. Die Ausstellung bleibt der wesentliche belebende Faktor im integrierten Kommunikationsbereich. Sie garantiert den Erfolg einer seriösen Öffentlichkeitsarbeit des Kreativenverbandes in den Medien.
Wolfgang Reineke, Heidelberg



