Schebens Karriererat
Pfeffer: Bürger-Kommunikation und TV-Duelle
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Samstag, 13. August 2005 02:00
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
Die nächsten Wochen werden publizistisch grausam (ein Glück, dass der Wahlkampf nur kurz sein wird): wir bekommen zwar nur ein Spitzenduell - aber dafür eine "Elefantenrunde" und viele andere Polit-Diskussionen. "medienhandbuch.de" fragte am 4. August NPP-Chefredakteur Gerhard A. Pfeffer u.a. nach seiner Meinung zu den TV-Duellen. Hier einige Auszüge:
medienhandbuch.de: Verstehen Sie die jeweiligen Einstellung der beiden Kontrahenten bei der TV-Duell-Vereinbarung und die Vorgeschichte aus PR-Sicht?
Gerhard A. Pfeffer: Nein. Mir kommt das langsam vor wie bei kleinen Kindern im Sandkasten beim Sandkuchenkaputthauen. Wir haben Riesenprobleme mit Gesundheit und Steuern, Beschäftigung und Arbeitslosigkeit, sozialer Gerechtigkeit und internationaler Sicherheit - und die (ihre "Sprecher") kloppen sich um Termine. Und bei der früher unsäglichen "Elefantenrunde" dürfen auch Stoiber, Fischer und Westerwelle mitmischen. Das geht dann wie früher bei Johannes Groß' (guter) Moderation, der treffend aber wirkungslos sagte: "Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von allen.".
medienhandbuch.de: Das letzte TV-Duell Schröder gegen Stoiber hat angeblich nicht viel bzw. nichts bewirkt auf die tatsächliche Wahlentscheidung. Stimmt das? Welche Macht haben TV-Duelle heute?
Gerhard A. Pfeffer: Eine überschätzte "Macht". Niemand wird beweisen können, dass die Schröder-Stoiber-Duelle für die rot-grünen 6.000-Mehrstimmen 2002 verantwortlich waren. Ohne die konsequente, weil für Deutschland gute, Irakpolitik hätte Schröder nicht gewonnen (den Sieg hat er erst danach "vergeigt"). Die für Bush verlustreichen Rededuelle mit Kerry haben diesem auch nicht genützt. Und auch Heide Simonis konnte nicht gewinnen (trotz schlechter Vorbereitung) und selbst Peer Steinbrücks gute Auftritte gegen Jürgen Rüttgers brachten dem Unverbindlichen den Wahlsieg. Es ist mir zu wenig, wenn die TV-Duelle zumindest keinen Schaden anrichten. Eine von Frank Plasberg (WDR) moderierte "Hart aber fair"-Bundes-Diskussion würde mehr bringen, da hätten übercoachte In-diesem-unserem-Lande-Schwätzer (sowohl als Fragende als auch als Antwortende) keine Chance.
medienhandbuch.de: Was würden Sie Schröder bzw. Merkel jeweils für die TV-Auftritte empfehlen?
Gerhard A. Pfeffer: Weniger Rituale, mehr Spontaneität. Das liegt aber nicht nur an den Politikern sondern auch an unseren überperfektionierten Sendern - wehe da knallt mal eine Birne durch oder ein Stuhl fällt um. Diese Fragerunden (ob öffentlich-rechtlich oder privat) sind viel zu formal. Fragen und Antworten wirken wie einstudiert - die ganze Studio-Atmosphäre ist viel zu steril. Bloß keine Fehler machen - scheint die oberste Maxime zu sein. Die beiden sollten sich mal wie im normalen Leben, z.B. bei einer "Stammtischrunde", mit den Moderatoren oder Wählern unterhalten. Und dann bitte einfache verständliche, ehrliche Antworten. Und Fakten, Fakten - kein Versprechungs-Repetitorium.
medienhandbuch.de: Wie wichtig ist heute in der so genannten Mediendemokratie das visuelle Auftreten der Politiker im Vergleich mit den eigentlichen, kommunizierten Inhalten?
Gerhard A. Pfeffer: Leider ist das Drumherum wichtiger geworden als die Inhalte - noch. Daran sind aber auch die vielen Berater mitschuldig. Jeder muss ja seine Existenzberechtigung und Wichtigkeit nachweisen. Merkel und Schröder sollten sich besser selbst "darstellen" - sie sind doch keine Marionetten. Weniger Spin-Doktoren-Reinschwätzerei wäre besser. Die Bürgerinnen und Bürger merken das und lassen sich nicht mehr "vorführen". Man mag es beklagen, aber Gysi und Lafontaine finden auch deswegen Zulauf, weil sie sich selbst glaubwürdig präsentieren - auch wenn (oder weil) sie nicht für das einstehen müssen, was sie versprechen. Trotz aller Medienmacht: das Internet und vor allem die Weblogs werden verstärkt zu mehr Demokratie beitragen. Das ist die große Chance - und Hoffnung. Ich finde das prima! Die Menschen informieren sich direkt, artikulieren sich auch selbst online und suchen halt dort den Dialog - und die Glaubwürdigkeit
Anmerkung:
In der Kolumne "Pfeffer & Salz" werden in unregelmäßiger Folge Unternehmensberater Mathias Scheben und NPP-Chefredakteur Gerhard A. Pfeffer ihre Meinung zu (PR-)Themen und Ereignissen der Zeit und unseres Kommunikationslebens veröffentlichen. Scheben liefert das Salz (in der Suppe) und Pfeffer halt seine Pfeffer(eien). Die beiden wollen damit auch zum Nachdenken anregen. Gerne können auch andere Autoren mitmachen, die sich berufen fühlen, auch noch ihren Senf (dann könnten wir ja den Kolumnentitel noch erweitern) dazu zu geben.



