Schebens Karriererat
Senf: Ritterspiele
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Mittwoch, 07. Februar 2007 22:06
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
Ritterspiele sind der Edelleute Sache, nicht des gemeinen Mannes und haben den Zweck, die Edlen von den Nichtedlen zu scheiden und diesen Unterschied öffentlich auszuloben. Zum Behuf dieser Auslobung unter Aufbietung von Pomp und Klotz ist ein Herold vonnöten (schriftkundig, des Trompeteblasens mächtig und gewohnt, im Sattel zu sitzen), der in klingender Münze zu honorieren ist.
Anno 2006 nun wurde vom Herold wieder ein solcher Event avisieret, avisieret für die Führenden unter den Edlen - die Gralshüter Publizistischer Reiterei, Amen. Solch öffentlich Spiel war gar dringend geboten, denn immer mehr Edelleute waren den Gralshütern in der Vergangenheit abhanden gekommen oder hatten sich mit dem sonstig agierenden Volk gemein gemacht. Herr, lass es sie büßen!
Die hochmögenden Gralshüter verkündeten zuvörderst mit feierlichen Trompetenstößen das Zeitalter einer re-reformierten Ritterethik und baten den auch in der Breite voll ausgewachsenen Zauberer Hagen von Worth um scientistischen Sukkurs. Der Herold wusste darüber gleich mehrfach, stets sehr authentisch und immer wohlwollend, zu berichten: Die besten 100 sollten sich im Wettkampf messen, den Siegern winkte Lob, Preis und Ehr – so tönte es zu den Iden des März landauf, landab. Alle Welt harrte des glänzenden Treffens, das da avisieret war.
Doch dann ereignete sich zweierlei übles Geschick: Bei den Ritterspielen hatten sich, durch eherne Rüstung getarnt, auch Reisige und Gemeine in das Turnier eingeschlichen und, noch vielfältig übler und ganz und gar verderblich: ein geharnischtes Weib trug den Sieg davon. Ein Weib!!! Die Edlen waren gar unflätig verstört, das Wettspiel wurde abruptens intermittiert, so dass nur ganze 10 statt der zugesagten 100 Sieger nominiert werden konnten – trotz vieler vollmundiger Trompetensignale des Herolds und des großen Zauberers gar reichlich gemehreter Versteckspiele.
Zum zweiten meldete sich ein Unbefugter, ein landfahrender Frevler gar, der von Lug und Trug, von Manipulation, sprach. Fürst Edler von Lohengrin, des illustren Gremiums Oberer, ließ ihn flugs für vogelfrei erklären, Reiterei ausschwärmen. Doch bei der Verfolgungsjagd stürzte einer der Hauptleute, ein Edler aus dem Stamm des Reichskanzlers, dessen Namen er auch trug, vom Pferd und musste hügelabwärts begraben werden. Zudem erhielt – groß Wunder ist geschehen – besagter Frevler den Schutz des Reichskammergerichts (Az. 12 O 442/06) und konnte daher als Ketzer nicht, wie an sich opportun, flugs verbrannt werden. Die Edlen waren verstört, die großmütig zugesagten Silbertaler wurden kleinlaut abgesagt.
Auf dem letzten Treffen, in des Herolds Kastell zu Rigomagus vor etlichen Tagen, verkündeten die Edlen empört, dass sie fürderhin nicht gedächten, gegen ein gemeines Weib anzutreten, wenn nicht besser zu sichern sei, dass sicher sei, dass sie die Besseren seien und der Herold vermerkte später voll Bitterkeit in seinen Editorien, dass man, item, von solcherlei Treffen nun fürwahr geziemend und in dero Angelegenheiten reichlich frustrieret Abstand nehmen müsse.
Nikos Martinidakis



