Schebens Karriererat
Oettingers Kommunikations-GAU
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Montag, 16. April 2007 17:08
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
Der Volksmund hat mal wieder recht: nirgends wird mehr gelogen als bei Grabreden. Und auch eine andere Weisheit hat sich bewahrheitet: irgendein blödes Rindvieh wird kommen und das Gras abfressen, das über eine Sache gewachsen ist. Die peinliche Causa Hans Filbinger war schon längst vergessen, die Konsequenzen (zwar mühsam) gezogen und der uneinsichtige schwäbische Dickkopf konnte unbehelligt altern. Nun ist er gestorben. Und sein Nach-Nach-Nachfolger Günther Oettinger musste die Totengedenkrede halten. Und die ging so was von daneben.
War die Rede aber schon schlimm genug, so wurde ihre peinliche und negative Wirkung noch übertroffen durch einen ersten Versuch der Rechtfertigung mit den üblichen Floskeln: Missverständniss, Fehlinterpretation und Aus-dem-Zusammenhang-gerissen. Als nächstes folgte eine laue Entschuldigung bei den ggf. Betroffenen. Vierter Akt? Nazi-Widerständler Filbinger wird posthum ausgezeichnet - oder Rücktritt? Die hirnlosen südwestdeutschen schwarzen Helfershelfer prügeln ja nun schon gegen die Juden. Aber das hat Herr Oettinger ja nicht gewollt!?
Oettinger hat anscheinend total unfähige Berater - wer sich aber schlecht beraten lässt, disqualifiziert sich selbst. Sein Landsmann und CDU-Parteifreund Philipp Jenninger könnte als gutes Beispiel dienen: der ist wegen einer verunglückten Kriegsenderede als Bundestagspräsident zurück getreten. Aber Anden-Paktierer kleben wohl stärker zusammen (übrigens haben seine Paktfreunde und Kollegen Koch, Müller und Wulff bisher standhaft geschwiegen).
Ganz im Gegensatz zur CDU-Parteivorsitzenden und Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Oettinger sogar aus dem Urlaub heraus anrief und ihn kritisierte, um sich anschließend öffentlich zu distanzieren. Nicht nur, weil nun hoffentlich ein Konkurrent weniger da ist - dies war eine löbliche Reaktion: Führungsqualität eben. Für meinen Landsmann Günther Oettinger muss ich mich wohl weiter schämen.
Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
P.S.: Jetzt wird gemeldet: Günther Oettinger hat sich am 16. April spätnachmittags in Berlin öffentlich entschuldigt und sich von seiner Rede distanziert (unter Mithilfe des CDU-Parteipräsidiums). Zu spät – meine ich, der Schaden ist angerichtet. So was darf einem Politiker, der Führungsambitionen hat, einfach nicht passieren!



