Schebens Karriererat
Journalismus à la Peking: Distanz ad acta - schneller, dümmer, lauter
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Montag, 18. August 2008 14:07
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
Die Samstag-Sportschau im Ersten und das Sportstudio im Zweiten sind schon seit Jahren distanzlose Lobhudeleien mit sparsam dosierter kritischer Distanz als Verzierung. Dito die Bundesliga-Reportagen im Rundfunk der ARD. Zu viele Reporter und Moderatoren wirken nicht nur „embedded“ wie die CNNler im Irakkrieg, sie geben sich hin, vollumfänglich „embraced“.
Ein noch beklemmenderes „Mittendrin, nicht nur dabei“ bieten in diesen Tagen deutsche Radau-Reporter beim umstrittenen Sportevent in Peking. Manch einer – als wäre er mit Dezibel gedopt und am Start sein Saufkumpan - beschreit und bebrüllt während der Wettkämpfe sein Mikrofon, dass es allenfalls für Schwerhörige eine Freude sein mag.
Die Entwicklung des nachdenklichen und erläuternden, kritischen Journalismus hin zur programmatischen Rampensau-Rhetorik mit Duz-Tendenz ist wohl auch öffentlich-rechtlich nicht aufzuhalten. Von der emotionalen bis zur physischen Anbiederung ist es nur eine kleine Kletterei: Wann reitet der erste Sport-Reporter backstage gestikulierend auf dem Dressurpferd mit, wann sitzt der erste Schreihals kreischend auf der Hantel des Gewichthebers, wann kommentiert jemand aus dem Tennisball oder aus dem Sportschuh?
Felder außerhalb des Sports, auf denen sich proletarisches Reportertum à la Peking zusätzlich austoben könnte, gibt es reichlich – wann endlich verbrüllt ein politischer Journalist das Geschehen im Parteienstreit und im Bundestag, wann mischt sich ein Reporter aktiv ins Unwetter ein oder in einen Waffengang? Wer in Radio und TV verfremdet künftige Katastrophen, Krisen und Kriege zu skurrilem Klamauk? Auch Berichte aus Kultur, Technik und Wissenschaft müssen nicht leise und langweilig bleiben, und der Tagesschau würden weniger Text und mehr Phon ohnehin gut tun. Das sollte man meinen, dass die Verantwortlichen des Fernsehens das meinen, wenn beim Zappen die Fernbedienung klemmt und man verzagend bei „Peking“ verharrt und sich die Ohren zuhalten muss.
Mathias Scheben, Kommunikationsberater Andernach



