Schebens Karriererat
Von wegen Haudegen wählen
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Donnerstag, 30. Juli 2009 19:00
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
Freiherr von Guttenberg ist kein Obama, eher ein Obatzda. Er bedient alle Sinne. Beliebt ist er derzeit wie sonst niemand auf der Berliner Bühne, der Pfiffikus. Ist ein geringer cw-Wert gut für die CSU? Steinmeier ist auch kein Prolet, aber auch ohne Profil. Steinbrück schert zuweilen rhetorisch aus, und wird zurückgepfiffen. Die Frau, die wirklich den Rambo macht, trotz ihrer Rundungen Ecken und Kanten hat, lässt sich den Dienstwagen rauben und macht sich in unserer pepitagemusterten Neidkultur obendrein auch deswegen noch unbeliebt, weil sie ihre Privilegien nutzt.
Merkel werkelt an ihrer Marke, aber uni-bunte Hosenanzüge alleine machen sie nicht wählbarer. Die anderen, ob Jung oder Sonstwiewer, die erkennt auf der Straße kaum jemand. Wen nun wollen die Deutschen demnächst in den Bundestag wählen: den Redekünstler, Langeweiler, Choleriker, Arbeitstiere, die Mutter der Nation, den Niemand?
Niemand auf der Bühne der Blassen und Blasierten ist eine Marke, niemand polarisiert, niemand wagt die Pflege eines Feindbildes, keiner hat einen umwerfenden Slogan, niemand bedient Emotionen, niemand steht für etwas, was von Interesse wäre. Von Guttenberg ist nicht Strauß, Steinmeier weder Schmidt noch Schröder, Merkel nicht Kohl. Wer ist Westerwelle? Otto Graf Lambsdorff jedenfalls nicht. Gysi hat sich zerredet, Lafontaine gleich mit. Die parteipolitische Ochsentour spült nicht die Markantesten nach oben, eher den kleinsten gemeinsamen Nenner. Vom Nichts angeödet, wirken die Wahlberechtigten wie ruhiggestellt.
Irgendwann gehen nur noch die zur Wahl, die zur Wahl stehen. Übrigens in der Schweiz, im Land der allerlangweiligsten demokratischen Harmoniegesellschaft, heißt der zerdrückte Käse „Gemanschter“. Irgendwie ist das erdrückend treffender.
Mathias Scheben, Kommunikationsberater, Andernach



