Schebens Karriererat
Vom leisen Abgang einer schützenswerten Spezies
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Mittwoch, 02. Juni 2010 20:14
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
Leader müssen leiden, dann haben Looser was zu lästern. Wer nach dem Flintenwurf des leisen Horst Köhler ins Korn die angebliche Betroffenheit der vermeintlichen politischen Elite unseres Landes erlebt und ihre hechelnde Häme hört, der macht viel durch. Lauthals, aber schwach im Wort, dem feinen Manne Feigheit vor dem politischen Freund und Gegner vorzuwerfen, das lenkt gut ab von eigenen, den tatsächlichen Schwachheiten. Man darf doch durchaus seine Konsequenzen ziehen, wenn der Fall auf Dauer hoffnungslos ist.
Und der Fall der deutschen Politik ins Bodenlose ist hoffnungslos. Niccolò Machiavelli schreibt in seinem „Il Principe“, dass man schlechte Nachrichten nur einmal, dann aber schlüssig und endgültig, verkünden solle (und gute News häppchenweise und immer wieder). Da hat der Bundespräsident beim Abschied nach den Regeln der Redekunst gut kommuniziert.
Hand aufs Grundgesetz: Möchten Sie diejenigen beruflich oder privat um sich herum haben, vor denen Horst Köhler nun geflohen ist? Dem Ex-Bundespräsidenten angesichts seines wortarmen Abgangs mangelnde Achtung vor seinem Amt vorzuwerfen, ist das eine. Er hat eben Prioritäten gesetzt und hat Selbstachtung bewiesen, das ist manchem in der Berliner Bredouille wohl etwas Besonderes.
Nun muss ein Nachfolger her, und dem Volke wird wiederum wortreich zur tragisch-komödiantischen Vorführung gebracht, wie dünn und cool die Decke des politischen Personals in der Metropole ist. Besteht Hoffnung? Nein. Wer lebensklug ist und es sich leisten kann, der lässt wohl alles sein. Oder? Wer letztlich auch nicht bleibt, das sind wohl Lena und Löw. Soweit, so schlecht.
Dipl. oec. Mathias Scheben, Kommunikationsberater, www.scheben-kom.de



