Schebens Karriererat
Die drei Affen und der Vierte Mann von Duisburg
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Montag, 26. Juli 2010 14:29
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
Was sich Mizaru, Kikazaru und Iwazaru gemeinsam mit Shizaru am Sonntag nach 12 Uhr mittags bei ihrer so genannten „Pressekonferenz“ an peinlicher und wütend machender Schweigsamkeit geleistet haben, spricht für sich und gegen sie. Wer kennt sie nicht, die drei Affen, die nichts Schlechtes sehen, nichts Böses hören und nichts Schlimmes sagen. Der oft vergessene vierte Affe bedeckt seinen Unterleib und symbolisiert damit, nichts Schreckliches zu tun. Freilich haben Detlef von Schmeling vom Duisburger Polizeipräsidium, Wolfgang Rabe als Leiter des Krisenstabes, Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller und vor allem Oberbürgermeister Adolf Sauerland die Zeichensprache der vier japanischen Affen falsch verstanden: Man soll Gutmensch sein, bedeuten die Vormenschen.
Sich seiner Verantwortung zu stellen, heißt das im entsetzlichen Fall von Duisburg. Nun geht es beim Strafmaß wohl nicht nur um fahrlässige Körperverletzung und Tötung in mehreren Fällen, sondern um mehr. Und es geht darum, nicht den Panischen die Schuld zuzuweisen – jeder Mensch kann und darf jederzeit ohne objektiven Grund panisch werden – sondern darum, wie man als Verantwortlicher entstehende Panik aus der Masse der Menschen ohne Schaden für deren Leib und Leben ausleitet. Wobei es fast egal ist, dass man vorher weiß, dass die Gäste meist jung, oft unerfahren, nicht selten angetrunken und vor allem potentiell leichtsinnig sind. Wer panisch wird, ist auch alt und nüchtern wie von Sinnen, ihm muss sofort geholfen werden.
Auch den übelsten Verbrechern gebührt gemäß unserem vernünftigen Rechtsystem ein Verteidiger, und sei es ein Pflichtverteidiger. Ich hätte diesen "Verantwortlichen", die ich im Fernsehen nur als Dilletanten wahrnehmen konnte, die offenbar keinerlei Kommunikation können, einen "Pflichtberater Kommunikation" gewünscht. Der hätte sie vielleicht dazu bewegt, bei einer echten Pressekonferenz transparent und schlüssig darzulegen, was und wie sie geplant und durchgeführt haben. Es hätte wohl gereicht, alle Unterlagen offen zu legen und die diversen Geländepläne per Beamer an die Wand zu projizieren. Dann wäre auch dem gesetzlich fixierten Rechtsanspruch der Medien auf Information entsprochen worden. Ich fürchte freilich, diese Idee hätten die Vier verworfen. Retten können sie ihre Köpfe aber wohl eh nicht mehr. Auch rechtskräftige Verurteilungen machen die 19 Toten freilich nicht lebendig.
Es fehlt nur noch, dass am Ende die zerdrückten, erstickten und tot getretenen Unschuldigen und die vielen hundert Verletzten schuldig gesprochen werden: Weil sie in aller Unschuld zur Love Parade gegangen sind und denen vertraut haben, von denen sie sich auf eine fette Fete eingeladen fühlten.
Dipl. oec. Mathias Scheben, Kommunikationsberater, Rengsdorf, www.scheben-kom.de



