Literatur
Pozsgai: Der Preis der Wende Gorbatschows Masterplan für den Systemwechsel
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Samstag, 07. Oktober 2006 21:38
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
Buchbesprechung Political Affairs von Wolfgang Reineke, Heidelberg
Joseph Pozsgai: Der Preis der Wende. Hardcover. Olzog Verlag, München. 2006. 246 Seiten. 24,90 Euro. ISBN: 3-7892-8152-2.
Ein Aufsehen erregendes,ein spannendes Buch: Der aus Ungarn stammende deutsche Journalist Joseph Pozsgai belegt dem Leser eindrucksvoll, daß die Fakten und Prozesse der Weltpolitik nun einmal nicht in den Medien, den öffentlichen politischen Verlautbarungen und der im Zeitgeist geronnenen Findung neuer „Wahrheiten“ durch akademische Geschichtsschreibung zu finden sind.
Schon früher hat sich der Autor neben seinen politischen Analysen in zwei großen deutschen Tageszeitungen und mehreren Studien bekannt gemacht, obwohl er bei der Kurzsicht der im Tagesgeschäft tätigen Publikationen vieles nicht veröffentlichen konnte. Der „ Preis der Wende“ kann als glänzendes Alterswerk bezeichnet werden und wird deshalb auch von Staatsminister a.D. Imre Pozsgay, einem der Väter der Wende in Ungarn bei der Auslösung der Ereignisse in Ost-Mitteleuropa entsprechend gewürdigt: „Es gibt noch einige von uns, die ihre Sache gemacht haben, aber wir waren uns nicht ausreichend der Tragweite unserer Taten bewußt…Wenn ich es mir richtig überlege, dann ist die Klärung von Sachverhalten auch eine Tat. Und wie jede Tat so birgt auch diese gewisse Risiken. Diese Risiken einzugehen zeugt von Mut…Hätte er den Mut verloren, hätte er im Zuge seiner Forschungen angefangen zu überlegen, ob es nicht besser wäre, das zusammengetragene Wissen, die gesammelten Informationen zu verschweigen, dann wäre dieses Buch nicht entstanden. Besonders viel hat er sich aufgebürdet, als er herausfand und in diesem Buch beschrieb, welcher Handel der Großmächte und der kommunistischen Machthaber hinter dem Systemwechsel steht.“
Nach seiner Einführung über das Messen des Westens mit zweierlei Maß geht der Autor auf die drei Aufteilungen Osteuropas im 20ten Jahrhundert, die Krisen, Aufstände, Revolutionen im kommunistischen Osteuropa, die Ostpolitik des Vatikans und die Macht der Machtlosen ein. Im Mittelpunkt des Buches aber stehen die Aktivitäten Gorbatschows, der Zwang zum Systemwechsel in der UdSSR, seine Positionierung im weltpolitischen Mächtekonzert, seine Westreisen, seine innenpolitische Macht und Entmachtung, die Auflösung der Sowjetunion und die Gewinner der Privatisierung, die Mafia als der neue Machtfaktor.
Die Wende in Osteuropa mit den Zentren Ungarn, Polen und Tschechoslowakei werden in ihrer Dramatik plastisch dargestellt, wobei den Formen der Privatisierung, der Präsenz der Mafia in Osteuropa und der mißlungenen Privatisierung der DDR-Wirtschaft breiter Raum eingeräumt wird. Interessant ist auch eine vorsichtige Faktensammlung über den “unbekannten Putin“.



