Literatur
Rusch/Schanze/Schwering: Theorien der Neuen Medien
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Montag, 03. März 2008 15:11
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
Rusch, Gebhard / Schanze, Helmut / Schwering, Gregor (2007): Theorien der Neuen Medien. Kino – Radio – Fernsehen – Computer. Stuttgart: UTB (W. Fink). 420 Seiten. Preis: 19,90 Euro. ISBN: 978-3-8252-2840-8. Das Buch hier bei amazon.de bestellen.
Rezension von Katja Bickelhaupt, PR-Beraterin (DPRG), Frankfurt am Main
Das 2007 erschienene materialreiche Kompendium zur Theorie der Neuen Medien der beiden Professoren Helmut Schanze und Gebhard Rusch sowie des wissenschaftlichen Mitarbeiters Gregor Schwering wurde von den Autoren in drei Kurse unterteilt. Der einleitende erste Kurs befasst sich ausgiebig mit Begriffsbestimmungen. Im zweiten Kurs stellen die Autoren insbesondere anhand von Kino und Radio die Kulturumbrüche und die Veränderung der Kommunikation mit einem Massenpublikum dar. Der dritte Teil versucht, anhand der Theorien des Fernsehens und Computers als jüngste neue Medien die Begrifflichkeit der Neuen Medien in Theorie und Gebrauch zu bestimmen.
Auch die Umbrüche durch Veränderungen einzelner Medien (beispielsweise vom Stumm- zum Tonfilm, Einführung privater Fernsehsender, Internet) werden im Detail untersucht. Die kritische Analyse von Film und Kino erfolgt von der Urszene des ersten Kurzfilms der Gebrüder Lumière bis zur Bedeutung des Films als Propagandamittel der Politik. Die Radiotheorien von Brecht und Arnheim formulieren, dass es sich bei dem Radio um einen Unruheherd handele, der sowohl nach der demokratischen als auch nach der autoritären Seite ausschlagen kann. Letztere Gefahr wurde im Zuge der Gleichschaltung der Medien im Dritten Reich deutlich.
Das Fachbuch bietet einen fundierten theorie- und rezeptionsgeschichtlichen Überblick zu den Neuen Medien. Es gibt einen breiten Überblick über Theorie, Methodik und Gegenstandsbereiche der international vergleichenden Mediensystemforschung. Die Betrachtung der gesellschaftlichen Debatten und die Verarbeitung der neuen medialen Erfahrungsmöglichkeiten im Werke von Künstler und Literaten sind aufschlussreich.
Die Orientierung innerhalb des Kompendiums fällt mitunter schwer. Auch wenn die Autoren betonen, dass jedes Kapitel für sich lesbar und abgeschlossen sei, mutet ein Quereinstieg eher mühsam an. Die Überschriften der einzelnen Kapitel erscheinen zudem bisweilen irreführend. Als Beispiel sei Kapitel 5.3 „Digitaler Kapitalismus“ genannt. Hier geht es um die Ängste, die in der Politik durch die Informationsfreiheit des Internets ausgelöst werden. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte am Ende des jeweiligen Kurses würde das Lehrbuch abrunden.
Die Idee der fett gedruckten Stichworte an den Seitenrändern zum Auffinden bestimmter Sachverhalte ist gut. Praktisch wird sie mangels eines Stichwortverzeichnisses leider nicht umgesetzt. Bei dem sehr ausführlichen Verzeichnis weiterführender Literaturhinweise fällt auf, dass wenig sehr aktuelle Quellen enthalten sind. Das Layout ist angenehm lesbar. Die eine oder andere Grafik, Tabelle oder hier und da ein passendes Foto würde bewirken, dass man das Werk noch etwas lieber in die Hand nimmt und es der Leser weniger als Textwüste empfindet. Studierende der Kommunikationswissenschaften können von dem Handbuch profitieren, für Praktiker ist es etwas weniger geschrieben.



