Literatur

Michalowitz: Lobbying in der EU

Michalowitz, Irina (2007): Lobbying in der EU. facultas.wuv, Wien. 240 Seiten. ISBN: 978-3-8252-2898-9
Rezension von Gerda Füricht-Fiegl, MSc

Irina Michalowitz ist Politologin und nähert sich dem Thema Lobbying mit der politikwissenschaftlichen Brille. Sie geht zu Beginn ihres Werkes auf den aktuellen Stand der Forschung vor allem im Bereich der Interessensvermittlungsforschung ein. Ein eher vernachlässigter Bereich in der politikwissenschaftlichen Forschung, im Gegensatz zur Erforschung der Verbände. Der Terminus Lobbying und Public Affairs ist in der wissenschaftlichen Sprache ein junger, und er ersetzt zunehmend den Begriff Interessensvermittlung (vgl. Michalowitz 2007: 23).

Michalowitz nähert sich dem Thema in angenehmer Objektivität und beschreibt nicht nur die Mechanismen und Funktionsweisen des Lobbyismus und seinen Beitrag in der Partizipation am EUGesetzgebungsprozess, sondern die Autorin beleuchtet auch die demokratiepolitische Auswirkung von Lobbyismus. Sie geht berechtigterweise davon aus, dass Partizipation in demokratischen Systemen nur über formelle und informelle Repräsentationsmechanismen zu erreichen ist. „Im Falle der informellen Repräsentationsmechanismen entsteht jedoch ein Ungleichgewicht in der Interessensvermittlung zugunsten jener, die die Ressourcen besitzen, sich zu organisieren oder anderweitig vertreten zu lassen.“ (Michalowitz 2007: 24) Das daraus entstehende Dilemma ist ein wichtiger Punkt in der Debatte.

Durch die Darstellung der Lobbyingmöglichkeiten in den verschiedenen EU-Politikfeldern wird klar, dass Verallgemeinerungen hier an ihre Grenzen stoßen. „Der Charakter eines Politikfeldes – ob es nun vor allem redistributiv, distributiv oder regulativ wirkt – sowie seine europarechtliche Grundlage […] in der Anwendung wirken sich auch auf die Rolle und die Art der Interessenvermittlung aus.“ (Michalowitz 2007: 197)

Die Autorin schafft es in ihrem Werk nicht nur, den Begriff des Lobbyings zu definieren und zu beschreiben, sondern auch eine Einschätzung der Bedeutung für das Zusammenspiel der EUInstitutionen abzugeben.

Dem Werk zuträglich wäre es gewesen, neben den politikwissenschaftlichen Erkenntnissen auch einen interdisziplinären Ansatz einfließen zu lassen. Denn vor allem dann, wenn es darum geht, verschiedene Stakeholder in den Entscheidungsgremien anzusprechen, kommen kommunikationswissenschaftliche Erkenntnisse zum Einsatz. Das Thema Kommunikation kommt kurz im Kapitel 4.1 („Lobbyingfunktionen“) vor, könnte aber durchaus einen höheren Stellenwert einnehmen und damit letztendlich auch eine größere Leserschaft ansprechen.

Insgesamt bietet das Werk einen kompakten Überblick über den Stand der Forschung in der Interessensvermittlung. Es ermöglicht aber auch durch die kundige Beschreibung der AkteurInnen auf dem Brüsseler Parkett und deren Möglichkeiten, auf den EU-Gesetzgebungsprozess einzuwirken, einen sehr praxisnahen Einblick. Das Buch ist damit – wie die Autorin eingangs beschreibt – ein Lehrbuch, das die wesentlichen Bereiche aus dem Forschungsgebiet herausgreift und einen nachvollziehbaren Überblick darstellt (Michalowitz 2007: 5). Es bietet aber auch all jenen, die ihre berufliche Zukunft im Lobbyismus sehen, einen kundigen Einstieg.

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