Literatur

Klenk/Hanke: Corporate Transparency

Volker Klenk, Daniel J. Hanke, Corporate Transparency – Wie Unternehmen im Glashaus-Zeitalter
Wettbewerbsvorteile erzielen. Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt 2009. 240 Seiten. Preis: 39,90 Euro. ISBN 978-3-899-81210-7.
Autorin der Rezension: Ulrike Mellenthin, Mönchengladbach

Ob Datenveruntreuung oder Kinderarbeit – beschuldigte Unternehmen sind im Sinne eines Reputation
Managements gut beraten, offen mit diesen Missständen umzugehen. Denn nicht erst seit Twitter sickern vertuschte Fakten immer wieder zu Tausenden von Rezipienten durch und verursachen einen teils irreparablen Image-Schaden. Die Herausgeber des FAZ-Buchs „Corporate Transparency“ gehen einen Schritt weiter und behaupten, dass Unternehmen durch mehr Transparenz langfristig sogar Wettbewerbsvorteile erlangen. In einem Theorie- und einem Praxisteil beschreiben renommierte Experten unterschiedlicher Branchen und Disziplinen mögliche Strategien, Umsetzungswege sowie den erwartbaren Nutzen von Transparenz.

Dem Schritt eines Unternehmens zu mehr Offenheit geht in der Regel einer der drei folgenden Auslöser voraus: ein GAU, eine Gesetzesverordnung oder – im besten Fall – ein gutes Issues Management, das es dem Unternehmen erlaubt, proaktiv zu agieren. In einem Transparenz-Prozess ist die Rolle des Kommunikationsmanagers also die eines Impulsgebers, Beraters und Moderators. Doch Transparenz ist nicht Aufgabe des Managements und der PR-Fachleute alleine – beide sind Kernzielgruppen des Buchs – sondern nahezu aller Bereiche eines Unternehmens. „Corporate Transparency“ bietet für jeden von ihnen beispielhafte Transparenz-Strategien oder - Maßnahmen sowie deren kommunikative Begleitung: Angefangen bei der Rechtsabteilung (Konfliktbereitschaft etablieren) über Human Resources (Umgang mit Arbeitgeberbewertungen), Beschaffung und Produktion
(Kontrolle von z.B. Zulieferunternehmen und Herstellungsprozessen), Kundenservice (kritische Fragen zulassen, beantworten und veröffentlichen) bis zur Finanzabteilung (Zeitpunkt und Umfang des Financial Reportings).

Die theoretischen Beiträge des Buchs beleuchten die Bedeutung von Corporate Transparency etwa für den Organisationsaufbau, die Unternehmenswerte, die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität, Krisenprävention und Finanzkommunikation. Allerdings wird die Kernfrage – nämlich die nach dem richten Maß von Transparenz – im Theorieteil nur oberflächlich angekratzt. So führen gleich mehrere Autoren banale Extrembeispiele an (z.B. radikale Transparenz vs. Vertuschung). Die Praxisbeiträge hingegen kommen auf den Punkt: Dort skizzieren Banken wie Burgerklopper, Pharma- wie Chemieriesen ihre unterschiedlichen Auffassungen, Umsetzungen und die sinnvollen Grenzen von Transparenz.

Fazit der Autoren: Wer im Glashaus sitzt, sollte versuchen, die Scheiben sauber zu halten. Transparenz koste zwar Geld und verlange bisweilen starke Nerven, doch der Nutzen – Vertrauensvorschuss, Kundenloyalität, etc. – überwiege das Investment bei weitem. Glaubwürdig? Ja.

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