Literatur

Wolff: Medienarbeit für Rechtsanwälte

Uwe Wolff: "Medienarbeit für Rechtsanwälte. Ein Handbuch für effektive Kanzlei-PR". Verlag: Gabler, Wiesbaden, 1. Auflage, Dez. 2009, 182 Seiten. Preis: 34,95 Euro. ISBN: 978-3834914606
Rezension von Rüdiger Teutsch, Absolvent beim Bildungsinstitut PR plus in Heidelberg.

Es gibt inzwischen für praktisch jedes Berufssparte den passenden PR-Leitfaden: für ambulante Pflegeberufe beispielsweise, für den eigenen kleinen Verein oder für Nonprofit-Organisationen. Nun gibt es also auch die individuelle PR-Beratung für Juristen: Autor Uwe Wolff, langjähriger Mitarbeiter des Nachrichtenmagazins Focus und inzwischen Kommunikationsberater, erklärt in 65 Kapiteln, was Anwälte seiner Ansicht nach über den Themenbereich Public Relations wissen sollten. Dabei konzentriert sich Wolff jedoch fast ausschließlich auf den Aspekt der Medienarbeit und stellt so die Journalisten als mögliche Multiplikatoren des juristischen Schaffens in den Mittelpunkt seines Buches.

Für den Aufbau einer ausgewogenen PR-Kampagne vielleicht etwas kurzsichtig, doch der Autor erhebt auch nicht den Anspruch darauf, dass sein Buch "Medienarbeit für Rechtsanwälte " ein Leitfaden für PR-Strategen sein soll. Nach eigenem Bekunden sollen damit Juristen, die bisher keinen Kontakt zu Medien oder einzelnen Reportern aufgenommen haben, ein erstes Grundverständnis davon bekommen, ab wann ein juristischer Fall interessant für Journalisten wird und wie eine mögliche Kontaktaufnahme mit einer Medienredaktion ablaufen kann und sollte.

In seinem Buch stellt Wolff dafür erst einmal großzügig den Unterschied zwischen dem Berufsbild des Anwalts und des Journalisten heraus und erklärt, warum sich beide Berufsgruppen üblicherweise mit Misstrauen begegnen. Wolff bietet die - in klassischen Leitfäden inzwischen leider unvermeidlichen - Checklisten für die juristische Medienarbeit und erklärt anhand gut gewählter Beispiele, wie man eine eigene Pressemitteilung erstellt und in welcher Form diese an die Medien gelangen sollte. Auch die praktischen Tipps, wie man sich im Interview mit einem Reporter verhalten sollte, sind für medienunerfahrene Juristen sicher sinnvoll und können helfen, typische Fehler zu vermeiden.

Ein wenig unfreiwillig komisch wird es allerdings, wenn Wolff in einem separaten Kapitel erklärt, mit welchen rechtlichen Mitteln sich Juristen gegen falsche Behauptungen in der Presse wehren können und wie man eine Gegendarstellung verfasst. In solchen Belangen sollten Anwälte nun wirklich auch ohne PR-Leitfaden Bescheid wissen. Diesen Platz im Buch hätte man stattdessen darauf verwenden können, ein paar ausführlichere Fakten zum Thema Litigation-PR anzubringen. Dieses spannende Thema wird mit gerade einmal sechs Seiten am Ende des Buches leider etwas zu kurz angeschnitten. Auch fehlt ein Hinweis, wo man beispielsweise im Internet die Namen und Adressen der wichtigsten regionalen und überregionalen Medienhäuser findet. Zu einem guten Praxis-Leitfaden muss so etwas dazu gehören.

Fazit: Ingesamt ist Uwe Wolffs PR-Leitfaden für Kanzlei-PR ein solides Nachschlagewerk für PR-Neulinge. Wer sich als Jurist tatsächlich bisher nur mit den eigenen Rechtsstreitigkeiten befasst hat und immer schon wissen wollte, wie er mediale Aufmerksamkeit erlangen kann, wird in seinem Buch sicherlich brauchbare Einsteigertipps finden: Anhand anschaulicher Beispiele und Kurzinterviews mit Anwaltskollegen wird deutlich, wie Anwälte aktiv Medienarbeit betreiben können. Wer sich allerdings von "Medienarbeit für Rechtsanwälte. Ein Handbuch für effektive Kanzlei-PR" theoretische Grundlagen der PR oder eine Anleitung zur Ausarbeitung einer umfangreichen PR-Kampagne erhofft, wird enttäuscht werden. Uwe Wolff hat mit seinem Titel einen leicht verständlichen Leitfaden für PR-Praktiker ohne Vorkenntnisse geschrieben - aber mehr hat der Autor nach eigenem Bekunden auch nicht gewollt. So hebt sich das Buch lediglich durch seine ungewöhnliche Zielgruppe und durch seinen Preis von fast 35 Euro von anderen PR-Fibeln ab.

Der Rezensent
Rüdiger Teutsch ist Gründer der Agentur Mittelpunkt Media. Nach einem Fernsehvolontariat arbeitete er lange Jahre in verschiedenen Positionen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Inzwischen hat er sich auf den Bereich der multimedialen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit spezialisiert.

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