Literatur
Trankovits: Die Obama Methode. Strategien für die Mediengesellschaft
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Montag, 17. Mai 2010 20:20
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
Laszlo Trankovits: "Die Obama Methode. Strategien für die Mediengesellschaft. Was Wirtschaft und Politik von Barack Obama lernen können". Verlag: Frankfurter Allgemeine Buch, November 2009. 224 Seiten. Preis: 24,90 Euro. ISBN: 978-3-89981-218-3.
Rezension von Sebastian Wuwer, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landtags Nordrhein-Westfalen und Absolvent von PR Plus, Heidelberg (www.prplus.de)
„Ich werde nie vergessen, wem dieser Sieg wirklich gehört“, versprach Barack Obama den amerikanischen Bürgerinnen und Bürgern noch in der Nacht der Präsidentschaftswahlen. „Er gehört Euch!“ rief er den Massen bei seinem Auftritt am 4. November 2008 in Chicago zu. Denn er wusste: Eine zuvor nie gekannte Mobilisierungswelle – ausgelöst vor allem durch die Partizipationsversprechen der Neuen Medien und eine darauf perfekt abgestimmte Kampagne – hatte seine Wahl zum 44. Präsidenten der USA ermöglicht.
Wie Barack Obama die Mechanismen der sich wandelnden Medienwelt für seinen historischen Sieg instrumentalisierte, und wie er die Möglichkeiten innovativer Kommunikationstechnologien zur Vermittlung seiner Botschaft vom gesellschaftlichen und politischen Wandel zu nutzen wusste, das analysiert Laszlo Trankovits in seinem Buch. Der Büroleiter und Korrespondent der Deutschen Presseagentur in Washington erklärt seinen Leserinnen und Lesern, wie Obamas Medienstrategie im Wahlkampf und in den ersten Monaten seiner Amtszeit funktionierte.
Erfolgsfaktoren der "24/7"-Kommunikation
Praxisnah zeigt Trankovits die Erfolgsfaktoren eben jener „Obama-Methode“ auf, die den Menschen weit über die USA hinaus Hoffnung auf eine neue, transparente und dialogisch geprägte Form politischer Teilhabe machte. Anhand zahlreicher Beispiele schildert er plastisch, wie es dem Präsidentschaftskandidaten Obama gelang, die Chancen der Neuen Medien für die Bildung von interessenspezifischen Netzwerken, für die Mobilisierung sowie für die (scheinbar) personalisierte Kommunikation mit politischen Unterstützergruppen zu gebrauchen.
Einen weiteren interessanten Fokus legt der Autor auf Obamas Anspruch, den „24/7“-Konventionen der modernen Medien eine „24/7“-Kommunikation entgegen zu halten, also möglichst permanent an 7 Tagen in der Woche über jeweils 24 Stunden kommunikativ präsent zu bleiben.
Dass sich Trankovits in seiner Analyse auf viele persönliche Eindrücke als Korrespondent in Washington stützen kann, ist die große Stärke dieses Buchs. Mit vielen Anekdoten und szenischen Beobachtungen schmückt er seine Schilderungen aus. Den Leserinnen und Lesern selbst bleibt es dabei überlassen, daraus vorsichtige Schlussfolgerungen für ihr Handeln in der Mediengesellschaft zu ziehen.
Kein Lehrbuch, sondern unterhaltsame Lektüre
Es ist allerdings davon abzuraten, die im Buch aufgezeigte Medienstrategie Obamas unkritisch und ohne Rücksicht auf kulturelle Unterschiede zwischen verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Systemen zu kopieren. Das verdeutlicht Trankovits selbst mit einem unterhaltsamen Exkurs über die bisher meist erfolglosen Versuche deutscher Politiker und Parteien, Obamas Wahlkampf zumindest in Ansätzen nachzuahmen.
Insofern ist der Titel des Buchs unglücklich gewählt, da er falsche Hoffnungen an die Lektüre wecken könnte. Das Buch ist eben nicht als Lehrbuch konzipiert und kann es auch nicht sein. Vielmehr schafft es Trankovits auf spannende Weise, den Wahlkämpfer und US-Präsidenten Obama über sein geschicktes Agieren in der sich rasant wandelnden Mediengesellschaft zu charakterisieren.
Und ein weiterer Aspekt macht das Buch lesenswert, denn Trankovits geht auch darauf ein, warum die zunächst erfolgreiche „Obama-Methode“ dem US-Präsidenten nun vielmehr zum Verhängnis werden könnte. Schon jetzt mehren sich in den USA kritische Stimmen, der ohnehin politisch angeschlagene Obama habe längst den Kontakt zu seinen kommunikativ aufgebauten Netzwerken verloren. Dies nämlich ist die Schwachstelle Obamas: Über seine innovative Medienstrategie hat er bei den Wählerinnen und Wählern große Erwartungen geweckt, die nun in große Enttäuschung umzuschlagen drohen.
Der Rezensent:
Sebastian Wuwer ist Angestellter im Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landtags Nordrhein-Westfalen und dort als Referent für die Europa-Kommunikation tätig. Zuvor studierte Wuwer im Bachelor- und Masterstudiengang Politik- und Medienwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, war erster PR-Trainee in der Verwaltung des nordrhein-westfälischen Landesparlaments und konnte sein berufsbegleitendes Studium bei PR PLUS im März 2009 als akademisch geprüfter PR-Berater abschließen. Er war außerdem als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Bundestag sowie als freier Journalist für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) tätig.



