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Billigableger haben Hochkonjunktur - Warum nicht auch im Agenturmarkt?

Von Julia Schweineberg, Münster*

Airlines haben es vorgemacht, Reiseveranstalter, Autovermieter und Modemarken sind mitgezogen. Jetzt ist die E-Plus-Tochter simyo als erster Mobilfunkanbieter für das kleine Portmonee gestartet. Auch wenn die "Geiz ist geil“-Mentalität nicht mehr alles beherrschend ist: Noch immer sitzt das Geld bei  Unternehmen und Konsumenten nicht so locker wie noch vor einigen Jahren. Billigableger sind mittlerweile ein bewährtes Erfolgsrezept, die Konsumlust der Kunden anzuregen und neue Zielgruppen anzusprechen. Da wundert es fast, dass noch keine der großen PR-Agenturen auf die Idee gekommen ist, einen Sprössling zu gründen, der seine Leistungen in einem deutlich preiswerteren Segment anbietet.

"So etwas funktioniert doch nur im B2C-Bereich“, könnten Zweifler einwenden. Das mag – bisher – so sein. Aber warum sollte sich dieses erprobte Konzept nicht auch auf den Agenturmarkt übertragen lassen? Potenzielle Kunden gäbe es jedenfalls genug: Noch immer regiert in vielen Firmen der Rotstift und PR-Verantwortliche müssen mit knappen Budgets planen. Trotzdem möchten Unternehmen von der Erfahrung und Kompetenz einer bekannten Agentur profitieren. Und auch bei der Akquise kleinerer Unternehmen, die sich einen Beratertagessatz von 1.000 Euro und mehr nicht leisten können, eröffnen sich neue Chancen. Zugegeben: Ein Kunde, der regelmäßig Business Class fliegt, wird kein Low-Budget-Ticket ersteigern. Das soll er auch nicht. Aber bei einer breiten Masse ist – trotz Anzeichen für ein wirtschaftliches Bergauf – noch immer Sparkurs angesagt.

Skeptiker könnten weiterhin einräumen, dass ein Billigableger dem Image der Marke schade. Das Gegenteil ist der Fall: Wer einen Spross im Sparsegment gründet, zeigt, dass er sich flexibel auf die Marktgegebenheiten einstellen kann, seine Kapazitäten bestmöglich nutzt und auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nach Wachstumsmöglichkeiten und neuen Märkten sucht. Natürlich will ein solcher Schritt wohl durchdacht sein, schließlich müssen am Ende die Zahlen stimmen. Der Spagat: Individuelle Service-Leistungen müssen durch Standard-Tools ersetzt werden, jedoch nicht auf Kosten der Qualität. Wahrlich keine leichte Aufgabe! Trotzdem ist die Idee einen Gedanken wert. Und wer weiß? Vielleicht tummeln sich demnächst "Pleon Express“, "Burson Marsteller Light“ oder “Trimedia Economy“ auf dem Agenturmarkt!?


* Julia Schweineberg arbeitet als selbstständige PR-Beraterin und ist außerdem wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kommunikationswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Hier betreut sie das PR-Weiterbildungsangebot &dbquo;PR² - Wissenschaft x Praxis“ und organisiert den &dbquo;Careers Day PR“.
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