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3. Mail aus Manhattan: We are our most important client
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Dienstag, 15. August 2006 21:11
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
von unserer PRJ-Korrespondentin Frauke Scheben, New York/USA
Jetzt bin ich seit fast zwei Monaten im Big Apple – in der Stadt, die niemals schläft. Ähnlich wie ich! Die Arbeit bleibt weiterhin mein größter Ansporn, und ich freue mich jeden Morgen auf einen neuen Tag bei meinem Arbeitgeber, der Agentur Deussen Global Communications. Meinem ordentlich erarbeiteten Trainee-Plan zufolge war es letzte Woche für mich an der Zeit, das Team zu wechseln. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass die Arbeit mit anderen Kunden so viel Spaß macht wie im Wein Team – aber ich bin ja Trainee und kann noch nicht alles wissen. Jetzt also bin ich im PR-Team für den britischen Gin-Import Bombay Sapphire und habe einen völlig neuen Zugang zur Arbeit bekommen. Und zu Martinis, Gin & Tonic und Co. natürlich auch. Getreu meines neuen Vorgesetzten James, dem einzigen Mann bei Deussen, bestelle ich nun in Bars gerne Bombay Sapphire und sporne meine Freunde an, es mir gleich zu tun. Die Arbeit für Bombay Sapphire ist weit weniger auf Medienarbeit fokussiert als das im Wein-Team der Fall war. In meiner neuen Funktion habe ich noch keinen Pitch (so nennt man hier kurze Medien-Infos, die per E-Mail verschickt werden und journalistisches Interesse wecken sollen) geschrieben und mich an keiner Pressemitteilung versucht, aber dafür habe ich mit Designer-Universitäten in ganz Amerika telefoniert, um unsere „Designer Glass Competition“ zu promoten. Der Bombay Sapphire-Etat scheint gut ausgestattet, das schafft Raum für viele Aktionen und große Events.
In der letzten Woche war’s im Büro eher ruhig, was vor allem daran lag, dass an zwei Tagen die gesamte Firma im „Retreat“ war. Das bedeutete, dass alle Mitarbeiter außer dem Trainee (mir) und den beiden Praktikanten, gründlich über sich und die Agentur nachdachten. Deussen veranstaltet diese Art Workshop jährlich und erarbeitet dabei mit Hilfe eines externen Coaches die Ziele für die nächsten 6 bzw. 18 Monate. Wie Chefin Christine so schön sagt: „We are our most important client.” Eine wahre und wichtige Aussage, denn wenn es intern funktioniert, dann wirken das positive Image und der Erfolg nach außen, wie ganz von selbst. Der „Retreat“ bietet außerdem die Möglichkeit, sich auf einer etwas persönlicheren Ebene kennenzulernen und neue Dinge über die Menschen zu entdecken, mit denen viele mehr Zeit verbringen als mit ihren Partnern, was nicht schwer sein dürfte, denn fast jeder in New York lebt als Single. Während der beiden Workshop-Tage haben die Praktikanten und ich also die Stellung gehalten und wurden anschließend zu Drinks in die Bar um die Ecke eingeladen.
Eine weitere Philosophie meiner Chefin Christine ist, ihren Angestellten genügend Freizeit zur Verfügung zu stellen. Jeder hier arbeitet hart und oft auch am Wochenende (nicht im Büro, sondern beim Cocktail mit der High Society in den Hamptons), aber die tägliche Arbeitszeit hält sich dennoch im Rahmen. Viele meiner neuen New Yorker Freunde arbeiten täglich bis zu 14 Stunden, und das nicht nur Montag bis Freitag. Ich meine, dass unsere vergleichsweise überschaubaren Arbeitszeiten unsere Produktivität nicht mindern, sondern eher fördern. Der Knackpunkt ist: Die Leute hier kommen gerne zur Arbeit. Und als ich mich am Montag zum Lunch getroffen habe mit einem Freund von der UN (übrigens auch direkt um die Ecke von Deussen), wurde ich nach 30 Minuten Konversation auf einer Bank im Freien hibbelig genug, um wieder zurück zur Arbeit eilen zu wollen. „Aber hast du nicht auch eine Stunde Mittagspause?“ fragte mich mein Freund, und ich musste lachen, denn in den 8 Wochen, die ich nun schon in Manhattan bin, habe ich noch nie eine volle Stunde Mittagspause gemacht, und es fehlt mir an nichts. Eher im Gegenteil.
New York pulsiert wie eh und je. Diese Woche war ich mit Freunden bei einem Konzert der „Dirty Dozen Brazz Band“ im Lincoln Center. Das Konzert war kostenlos und open air, und die Stimmung war wunderbar. Da die Band aus New Orleans stammt, waren ihre Kommentare zwischen den Stücken gespickt mit kritischen Bemerkungen zum Missmanagement der Bush Regierung nach dem Hurricane Katrina. Der Applaus der Zugezogenen aus New Orleans war der Band sicher, aber auch die übrigen New Yorker sind eher liberal und kritisch-denkender gestrickt als die Menschen im Rest des Landes. Ich möchte wetten, dass kein Kopf in dieser Menschenmasse sich der Kritik entziehen, kein Fuß dem Beat widerstehen konnte.
Wie man sich für einen Abend dem Beat einer Südstaaten-Band hingibt, so bewege ich mich jeden Tag erneut im Rhythmus dieser faszinierenden Stadt. Der Rhythmus hier ist schnell, unruhig und manchmal so schwer nachzuvollziehen wie die Melodie eines Jazz Stückes. Aber am Ende des Tages stelle ich immer wieder fest: Dem New York-Beat kann man einfach nicht widerstehen. The City keeps me running!
P.S. Die amerikanische Berichterstattung zu den geplanten Anschlägen auf Flugzeuge gibt Anlass zum Denken und oft auch zum Kopfschütteln. Das Fernsehen, die populärste Quelle für Nachrichten, bombardiert sein Publikum mit großen, bunten Buchstaben. Ein griffiger Claim war schnell gefunden: „Sky Terror“. Ich bin erschrocken, obgleich nicht überrascht, über die Art der Berichterstattung im Fernsehen und die Bereitschaft, aus Sensationsgeilheit Panik zu verbreiten. Ich muss allerdings auch feststellen, dass der "War on Terror" hier eher nur im Fernsehen stattfindet und dass diese Art Journalismus den New Yorker an sich relativ unberührt lässt. Große, bunte Buchstaben hören irgendwann auf, zu beeindrucken – und vielleicht nimmt ja sogar der ein oder andere mal eine Zeitung zur Hand.



