Antje Lüssenhop, Leiterin PR & Interne Kommunikation im Deutsche Bahn-Konzern, Berlin, führt aktuell ihren Doktortitel nicht mehr. Dort, wo sie bis vor ca. zwei Wochen noch mit dem akademischen Namenszusatz geführt wurde, steht heute nur noch ihr Vor- und Nachname. Aus ihrem Umfeld verlautete dazu, Lüssenhop sei mutmaßlich einem Promotionsbetrug aufgesessen. Wie es dazu kommen konnte, darüber würden derzeit Nachforschungen angestellt. Wie noch zu erfahren war, habe sie selbst einen Rechtsanwalt beauftragt, eine Klärung des Sachverhalts herbeizuführen und die Staatsanwaltschaft einzuschalten.

Ihren Doktortitel hatte Lüssenhop vor zehn Jahren an der Hamburger Universität erworben. Damals war die PR-Frau noch in Diensten des deutschen Energiekonzerns RWE in Essen. Neben ihrer täglichen Arbeit in der Unternehmenskommunikation, so Lüssenhop auf Nachfrage des „PR-Journals“, habe sie in ihrer Freizeit ihre Doktorarbeit verfasst und einen Promotionsberater mit der Abwicklung aller notwenigen Abstimmungsschritte mit dem Lehrstuhl von Professor Vincenz Timmermann in Hamburg beauftragt. Schließlich habe sie sich dann im Jahr 2003 nach ihrer Disputation mit ihrem Professor und der Aushändigung der Urkunde an sie, nicht mehr um dieses Thema gekümmert.

Doktorarbeit nirgends zu finden
Nach ziemlich genau zehn Jahren sah sich Lüssenhop dann vor einigen Wochen plötzlich mit anonymen Anrufen konfrontiert, die in Zweifel zogen, dass sie ihren Doktortitel rechtmäßig erworben habe. Hatte der Promotionsberater im Jahr 2003 ein böses Spiel mit ihr getrieben? Recherchen des „PR-Journals“ ergaben, dass eine Doktorarbeit von Antje Lüssenhop weder in der Bibliothek der Hamburger Universität noch in der Deutschen Nationalbibliothek auffindbar ist. Zur Erlangung eines Doktortitels ist die Veröffentlichung einer Dissertation aber eine zwingende Voraussetzung. Wie das sein könnte, wollte das „PR-Journal“ dann vom inzwischen emeritierten Professor Vincenz Timmermann von der Universität Hamburg wissen. Der gab schriftlich zu Protokoll: „… eine Frau Lüssenhop ist mir nicht bekannt, sie hat bei mir auch keine Dissertation eingereicht.“

Disputation ein Possenspiel?
Da Lüssenhop aber felsenfest behauptet, sie habe in den Räumen der Hamburger Universität bei Professor Timmermann ihre Disputation geführt, bleibt nur die Möglichkeit, dass der ominöse Promotionsberater seiner „Klientin“ ein regelrechtes Possenspiel vorgeführt hat. Schließlich habe sie ja auch ihre Arbeit zum Thema „B-to-B-Marketing“ geschrieben. Unwahrscheinlich? Auf den ersten Blick sicher, aber da es im Jahr 2009 einen weiteren ähnlichen Fall an der Universität Hamburg mit wiederum einem „falschen“ Professor Timmermann gegeben hat, liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei einem Promotionsbetrug dieser Art um keinen Einzelfall handelt. 2009 war der Kölner SPD-Politiker Hans-Georg Bögner betroffen. Der „Kölner Express“ berichtete ausführlich über den Fall.

Fragen bleiben
Was auch immer in diesem Fall noch ans Licht kommt, zu diesem Zeitpunkt bleiben eine ganze Reihe von Fragen auch an die Universität Hamburg: Wie kann es sein, dass offensichtlich mindestens zwei Personen in den Räumlichkeiten der Universität ein solches Possenspiel aufführen können? Wie kann es außerdem zu einer Wiederholung kommen? – Die Antworten der Universität auf die Fragen des „PR-Journals“ stehen noch aus.
Aber auch Lüssenhop selbst muss sich Fragen gefallen lassen, zum Beispiel wie es sein kann, dass man nach Erstellung seiner Doktorarbeit nicht kontrolliert, ob sie auch tatsächlich veröffentlicht wurde? War das grob fahrlässig oder naiv?

Trost vom Arbeitgeber
Wie auch immer dieser Fall am Ende zu bewerten ist, die Betroffene ärgert sich heute selbst am meisten über ihre Gutgläubigkeit. Trost und Rückenstärkung vom aktuellen Arbeitgeber tun da sicher gut. Oliver Schumacher, Leiter Kommunikation bei der Deutschen Bahn AG: „Frau Lüssenhop leistet hier exzellente Arbeit. Wir haben sie außerdem nicht wegen ihres Doktortitels eingestellt.“ Erst wenn alle Tatsachen auf dem Tisch lägen, könne man die Sache abschließend beurteilen, fügte er an. „Im Übrigen“, so Schumacher weiter, „hat sich Frau Lüssenhop aktuell absolut korrekt verhalten. Als die Vorwürfe gegen sie hochkamen, hat sie Transparenz walten lassen und die maßgeblichen Leute im Konzern informiert. Da gibt es von unserer Seite nichts zu beanstanden.“
Das „PR-Journal“ wird die weiteren Entwicklungen beobachten.

Kommentare

 
#22 Hauke Dorsch 2013-12-11 16:21
Wenn Frau Lüssenhop in ihren Bewerbungsunter lagen vor 2009 mitteilte, dass ihren Doktorvater Timmermann sei, dann könnte ihrer Version stimmen, denn erst im September 2009 wurde der Fall des SPD- Politikers Boegner publik und der Name von Timmermann als mutmaßlicher Doktorvater fiel erst dann.
Die Wahrscheinlichk eit, dass Frau Lüssenhop per Zufall nicht nur die gleiche Universität sondern auch den gleichen falschen Doktorvater wie Herr Boegner hatte, ist gering.
Sollte hingegen aus ihren alten Bewerbunsunterl agen, die der Deutschen Bahn ja noch vorliegen sollten, nicht vervorgehen, wer ihr angeblicher Doktorvater war, dann hat Frau Lüssenhop keinen Beweis für ihre Version der Geschichte, da ein Exemplar ihre Dissertation leider nicht mehr existiert.

Ich bin mir sicher, die Verantwortliche n der Deutschen Bahn werden die wahrscheinliche Wahrheit kennen und ihre Schlüsse ziehen.
 
 
#21 Berger 2013-11-26 21:22
http://meedia.de/print/ein-tweet-den-der-bildde-chef-lieber-loeschte/2013/11/01.html
 
 
#20 Neubauer 2013-11-06 21:15
Laut Impressum der DB Kundenzeitschri ft mobil heißt ehemals Frau Dr Antje Lüssenhop jetzt Frau Neubauer - auch eine Möglichkeit mit dem Problem umzugehen - bei dieser Geschichte wohl die einzige Chance:
www.zeit.de/studium/hochschule/2013-10/bahn-promotion-betrug-doktortitel
 
 
#19 Karen Schwuttke 2013-10-31 15:16
Dieser Artikel ist sehr wohlwollend gegenüber Frau Lüssenhop.
Die Krönung ist der Satz

"Wie auch immer dieser Fall am Ende zu bewerten ist, die Betroffene ärgert sich heute selbst am meisten über ihre Gutgläubigkeit. "

Viel Wahrscheinliche r ist doch, dass Frau Lüssenhop dem Publikum übergroße Leichtgläubigke it unterstellt. Frau Lüssenhop muss erklären, wie es möglich war zehn Jahre lang unrechtmäßig einen akademischen Titel zu führen. Wo ist der betrügerische Promotionsberat er, wo ihre angebliche Doktorarbeit?

Liegt es da nicht viel näher den Ursprung in einem verregneten Sonnabend Nachmittag mit Rechner, Scanner und Fotokopierer als Erklärung dieses Skandals zu sehen?
 
 
#18 Franz Ludwig 2013-10-24 17:39
Etwas zu offensichtliche Einflussnahme "Herr Dillmann", Sie PR-Genie!
Sie können den Leuten doch nicht ernsthaft eine Mitschuld der Uni Hamburg verkaufen!?

Professor Vincenz Timmermann, von dem Frau L. behauptet, ihr Doktorvater zu sein, hat klar ausgesagt, diese Frau nie gesehen zu haben. Und Sie schreiben allen ernstes es "stellen sich eine ganze Reihe von Fragen an die Universität Hamburg"?? Es stellt sich wohl eher die Frage, wie man als erwachsener Mensch behaupten kann, nur ein Exemplar dieser Arbeit besessen zu haben, welches für immer verschwunden ist. Und sich nicht an den Namen eines langjährigen "Betreuers" erinnern zu können. Für so dumm wird sich hoffentlich auch die Staatsanwaltsch aft nicht verkaufen lassen!
 
 
#17 Thomas Dillmann, Bad Honnef 2013-10-24 17:11
Die Unterstellung, Frau Lüssenhop habe diesen Artikel unter dem Namen Thomas Dillmann geschrieben, weist die Redaktion zurück. Diese Behauptung trifft nicht zu. Der Autor des Beitrags war Thomas Dillmann, stellvertretend er Chefredakteur des "PR-Journals". - Dies nur zur Klarstellung.
Auf die übrigen Einlassungen von #17 james gehen wir nicht ein, da wir uns nur mit Leserinnen und Lesern auseinandersetz en, die offen unter ihrem Namen schreiben. Gerhard A. Pfeffer und Thomas Dillmann
 
 
#16 james 2013-10-24 15:25
dieser kommentar von "Thomas Dillmann" ist eine frechheit!!
die uni hh traegt keine schuld. nur die betruegerin.
es wurde mich nicht wundern wenn frau luessenhop unter dem alias "Thomas Dillmann" sich hier ins rechte licht ruecken will.

so oder so, das hier veroeffentliche spottet jeder realitaet. kein wort dazu, dass sie sich nicht mehr an den namen des beraters erinnert, dass sie sich nicht selbst gefragt hat warum sie nur von einer person geprueft wird, dass angeblich keine kopien der arbeit existieren...

ich moechte mal den promotionsstude nten sehen, der in eine pruefung geht ohne auch nur einmal vorher mit seinem doctorvater zu sprechen!

ich bin persoenlich beleidigt, wenn ich so einen quatsh lesen muss.
 
 
#15 Dirk Hold 2013-10-23 14:22
Wieviele akademische Absloventen besitzen kein einziges Exemplar ihrer Abschlussarbeit ? Frau Lüssenhops Darstellung ist völlig unglaubwürdig.
Meine Prognose lautet: sie ist in ihrer jetzigen Position nicht haltbar und wird, wenn Gras darüber gewachsen ist, mit guter Abfindung, die Deutsche Bahn verlassen und dann als freie PR-Beraterin arbeiten müssen.
 
 
#14 Hans Demel 2013-10-21 21:18
Wer Frau Lüssenhop kennt, wird mir zustmmen: sie ist sehr karriere-, erfolgs-, ergebnis- und symbolorientier t. Sie ist auch eine gute PR-Frau. Außerdem sieht sie bestens aus. Eigenschaften, von denen sich Chefs gern beeindrucken lassen.
An ihrer Promotion war sie wohl nie inhatlich interessiert: sie wollte nur den Titel, und den hatte sie dann ja (scheinbar). Alles Weitere hat sie anderen überlassen..
Ich fand immer merkwürdig, wie sie "nebenbei" diese Aufgabe bewältigt haben wollte, zumal sie offenbar keinerlei Leidenschaft fürs Thema hatte.

Man kann jetzt fragen, wie sehr sie an ihrer heutigen Arbeit interessiert ist, wie hier ihre Leidenschaft und Gründichkeit über den Schein bzw. die vorweisbare Trophäe hinaus aussehen.

Noch wichtiger aber wäre die Frage, warum sich Chefs solche Fragen nicht stellen und sich trotz aller Ungereimtheiten beeindrucken lassen. Der konkrete Fall ist eine Ausnahme - das Schema der Personalbewertu ng aber die Regel.
 
 
#13 Willi Ehrlich 2013-10-19 14:38
Dieser Fall zeigt ganz detulich auf, welche Eigenschaften nötig sind, um bei der Deutschen Bahn Karriere zu machen:
Entweder Lüge, Betrug, Fälschen von Dokumenten z.B. (Promotionsurkunden).
Oder aber schlampig und schludrig "arbeiten" und so dumm sein, um auf einen Promotionsberat er hereinzufallen.

Dieser Fall zeigt ganz deutlich was für eine Firma die Deutsche Bahn ist.
 

Comments are now closed for this entry