Ausbildung + Seminare
Berufsporträt: PR-Beraterin
Montag, den 23. August 2010 um 18:02 Uhr
Auf dem Tisch stapeln sich Fachzeitschriften. Daneben steht eine kalte Tasse Kaffee. Das Telefon klingelt. Ein Journalist benötigt dringend Bilder. Eine Kollegin zeigt auf die Uhr und drängt: „Es ist schon zehn. Wir müssen unbedingt noch einmal die Planung für die anstehende Pressekonferenz durchgehen! Kommst du?“ So könnte für Nicole Merz, Linda Wunderle und Corinna Ziegler ein ganz normaler Arbeitstag beginnen. Seit diesem Jahr verstärken die drei Volontärinnen das Team der Stuttgarter PR- und Eventagentur RA&P.
„Multitaskingfähig, das sollte man auf jeden Fall sein. Und natürlich immer die Ruhe bewahren“, so Nicole Merz, eine der PR-Volontärinnen der Stuttgarter Agentur. Linda Wunderle pflichtet ihr bei: „Es gibt manchmal Tage, an denen man gleich mehrere Sachen auf einmal erledigen muss. Ein Journalist benötigt eine Info über das Unternehmen, der Pressetext muss fertig werden und eine Recherche steht auch noch an.“ Trotzdem sei das aber kein reiner Bürojob, sind sich alle drei einig. „Externe Kundentermine, PR-Fotoshootings, Messebesuche, Redaktionsreisen und Pressekonferenzen finden zwar nicht jeden Tag statt, gehören aber doch in regelmäßigen Abständen zu meinem Alltag dazu“, ergänzt Corinna Ziegler. Alle haben vor ihrem Volontariat ein Studium absolviert – allerdings mit unterschiedlichen Fachrichtungen: Kulturwirtschaft und Journalismus. „Uns kommt es vor allem auf eine gute Allgemeinbildung an, und dass sich unsere Volontärinnen intensiv mit Sprache beschäftigt haben. Das spielt in der PR-Arbeit eine wichtige Rolle, zum Beispiel wenn Pressemitteilungen formuliert oder Anfragen von Journalisten bearbeitet werden müssen“, erklärt Katrin Möllers, Geschäftsführende Gesellschafterin von RA&P.
In ihrem Volontariat lernen Merz, Wunderle und Ziegler, wie sie „ihre“ Unternehmen, Produkte oder Marken in die Medien bringen können. Erreicht wird dies auf unterschiedlichstem Wege, beispielsweise durch die Streuung von Informationen oder durch kreative Aktionen. Das war ein Grund, weswegen sich beispielsweise Corinna Ziegler für ein PR-Volontariat entschieden hat. Als einen weiteren nennt Linda Wunderle die wachsende Bedeutung von PR: „Kein Unternehmen kann es sich mehr leisten, auf PR zu verzichten. Die Firmen richten entweder eine eigene PR-Abteilung ein oder delegieren diese Aufgaben an Agenturen wie RA&P.“ Als Nachwuchskraft hat man hier sehr gute Zukunftsperspektiven, darin sind sich die RA&P-Volontärinnen einig.
RA&P legt Wert auf Weiterbildung
Das Volontariat bei RA&P dauert, wie auch bei vielen anderen Agenturen, zwischen 15 und 18 Monaten – abhängig davon, welche Berufserfahrung die Bewerber mitbringen. Diese Zeit ist wichtig, um die Basics der Öffentlichkeitsarbeit zu erlernen. „Bei RA&P arbeiten die Volontäre gemeinsam mit Senior-Beratern, die mehrere Jahre Berufserfahrung haben. Sie kennen ihr Metier und die jeweilige Branche des Kunden“, erzählt Merz. Dabei steht nicht nur „Learning by doing“ im Vordergrund, sondern auch das Lernen von anderen im Team. „Das heißt nicht, dass wir nur zuarbeiten“, wendet Ziegler ein. „Wir bekommen anfangs unsere eigenen kleinen Projekte, später dann betreuen wir die Kunden fast selbständig“, erklärt Wunderle. Auf selbstständiges Arbeiten wird bei RA&P großen Wert gelegt – genauso wie auf die Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Uns ist es wichtig, dass während des Volontariats bei RA&P Theorie und Praxis verknüpft werden. Deshalb schicken wir unsere Volontäre auch in kommunikationswissenschaftliche Seminare, wie zum Beispiel in den Kurs Grundlagen der Public Relations, der an der Uni Hohenheim angeboten wird“, beschreibt Katrin Möllers. Weitere Fortbildungsmaßnahmen finden inhouse oder bei externen Anbietern statt. Letztes Jahr stand „Corporate Publishing“ auf dem Plan, das unter anderem die Konzeption und Redaktion von Kunden- und Mitarbeitermagazinen beinhaltet. „Wir bilden uns ständig weiter und geben dabei vor allem den Volontären die Chance, viel Wissen in der Ausbildung zu sammeln“, erklärt Katrin Möllers.
Tipps für den Berufseinstieg
Das Berufsfeld der Public Relations bietet für Hochschulabsolventen attraktive Zukunftsperspektiven. Doch aufgrund der zahlreichen Mitbewerberinnen und Mitbewerber ist der Einstieg in die Branche nicht immer leicht. Was Voraussetzungen für ein PR-Volontariat sind und worauf der künftige Arbeitgeber achtet, erklärt Jochen Ansel, Geschäftsführender Gesellschafter von RA&P: „Ganz klar, ein Hochschulstudium ist Muss. Bei der Studienrichtung legen wir uns allerdings nicht fest: Geisteswissenschaftler sind genauso gerne willkommen wie Betriebswirtschaftler. Wir stellen, wie viele PR-Agenturen auch, die Anforderung ‚Praxis vor Theorie’. Natürlich sind Noten wichtig, aber kein ausschlaggebendes Kriterium. Deshalb sollten schon während des Studiums Praktika im Kommunikationsbereich absolviert werden. So lernt man nicht nur viel aus der Arbeitswelt kennen, sondern fühlt sich auch in seiner Berufswahl bestätigt.“ Mit einem Volontariat ist also der erste Schritt in die PR-Branche getan. Und danach? Ob als Berater in einer Agentur, als Pressesprecher in einem Unternehmen oder von Non-Profit-Organisationen – auf ausgebildete PR-Berater warten vielfältige Karrieremöglichkeiten.

geschrieben von Schmeichler , September 06, 2010
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