Branche
Causa Wulff - was PR-Profis dazu sagen
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 13. Januar 2012 um 10:22 Uhr Donnerstag, den 05. Januar 2012 um 19:28 Uhr
Bruchstückhafte Informationen, ominöse Anrufe und ein Fernseh-Interview. Man mag von Bundespräsident Wulff halten, was man will, alleine aus PR-Sicht gibt es viel zu sagen. In der letzten Zeit haben sich PR-Profis zu Wort gemeldet und die jeweils aktuellen Geschehnisse analysiert, kritisiert und kommentiert. Lesen Sie im Folgenden unsere Zusammenstellung, wie die PR-Branche auf die Kommunikation des Bundespräsidenten reagiert:
Die Düsseldorfer Akademie für Marketing-Kommunikation (DAMK) hat eine spontane Umfrage gestartet und PR-Profis aus NRW befragt, ob Bundespräsident Wulff zurücktreten sollte. Von insgesamt 80 abgegebenen Stimmen stimmten 83,75% mit "ja" ab und 16,25% stimmten mit "nein" ab.
Norbert Bolz (Medienwissenschaftler an der TU Berlin) zum Krisenmanagement des Bundespräsidenten: "Das Amt des Bundespräsidenten ist beschädigt. Ich sehe keine Manövriermasse mehr". → tagesschau.de
Für Bundespräsident Christian Wulff wird es immer enger. Sowohl die Kommunikation seiner fragwürdigen Kreditgeschäfte als auch der Umgang mit unliebsamen Journalisten sind für den Bundespräsidenten ein einziges PR-Desaster. Nach Ansicht von Thomas Pleil, Professor für Public Relations an der Hochschule Darmstadt, kommt Wulff aus dieser Geschichte nicht mehr unbeschadet heraus. Das Interview führte Bastian Ewald. → t-online.de
Klaus Dittko, Karl-Heinz Heuser, Dirk Popp, Marco Pfohl, "Katastrophales Krisenmanagement": Wie PR-Experten die Kommunikation des Bundespräsidenten bewerten. Der Versuch von Bundespräsident Christian Wulff, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im großen TV-Interview mit ARD und ZDF aus der Welt zu schaffen, ist aus Sicht der meisten Kommentatoren gründlich in die Hose gegangen. Doch wie beurteilen Krisen-PR-Experten den Auftritt von Christian Wulff? horizont.net hat bei führenden Kommunikations-Managern nachgefragt. → horizont.net
"Kai Diekmann spielt Gott." Diesen Vorwurf macht Kommunikationsberater Hasso Mansfeld dem "Bild"-Chefredakteur im Umgang mit der Affäre Christian Wulff. Diekmann wolle mit der "Kampagne gegen Wulff" der Republik beweisen, dass man Politik ohne Bild nicht betreiben könne. "Medien sind die vierte Macht im Staat und haben damit eine sehr wichtige Aufgabe. Sie sollen aber nicht selbst Politik machen – wie es Kai Diekmann mit der 'Bild' gerade macht", kritisiert Mansfeld. → wuv.de
Michael H. Spreng: Die Regierungskoalition wird jetzt Schluss der Debatte fordern, die Opposition die offenen Fragen betonen. Und die Bürger? Die meisten werden sich mit Wulffs Auftritt zufriedengeben. So wichtig ist ihnen der Präsident dann doch nicht. Es gibt doch noch wichtigere Fragen. Immerhin hinterlässt Christian Wulff jetzt eine historische Spur: er ist der erste Präsident, der sich in eigener Sache zur besten Sendezeit gleich in zwei Fernsehanstalten rechtfertigen musste. Das bleibt. → sprengsatz.de Und in seinem Blogbeitrag "Das Schlußkapitel" am 3. Januar: "Es wird Zeit für ihn zu gehen. Und im Abgang schafft er es noch, BILD und den BILD-Chefredakteur zu Helden der Pressefreiheit zu machen. Sauber hingekriegt, Herr Präsident."
Über 20 Minuten lang musste Bundespräsident Christian Wulff am Mittwochabend in einem Exklusiv-Interview mit ARD und ZDF sein Verhalten in der sogenannten Kreditaffäre rechtfertigen – dass sich ein Staatsoberhaupt in dieser Weise der Öffentlichkeit stellen muss, ist ein bislang in der Geschichte der Bundesrepublik einmaliger Vorgang. w&v online sprach mit dem Kommunikationsexperten Klaus Dittko, Vorstand der Scholz & Friends Group und Geschäftsführer von Scholz & Friends Agenda, über Wulffs Gesprächstaktik und den möglichen Fortgang der Affäre. → wuv.de
Ginge es nach PR-Berater Joerg Weber, befände sich Deutschland gerade auf der Suche nach einem neuen Bundespräsidenten. "Christian Wulff hätte seinen Rücktritt anbieten sollen. Er hat sich, dem Amt und der Politik schon zu sehr geschadet", sagt der Geschäftsführer der Agentur Weber Networking. Mittlerweile ist jedoch klar: Der Bundespräsident will im Amt bleiben. In seinem Fernsehinterview in ARD und ZDF hat er am Mittwoch zu den Vorwürfen um die Kreditaffäre und seinen Umgang mit den Medien Stellung bezogen - die rechte Reaktion in letzter Minute, wie die meisten der PR-Experten meinen. "Er fängt endlich an, etwas Richtiges zu tun: umfangreich Stellung zu nehmen", sagt Thomas Lüdeke, Leiter der Deutschen Akademie für Public Relations. → faz.net
Sowohl für den Verlauf eines politischen Skandals, als auch für den Umgang damit gibt es wissenschaftliche Modelle. Im Fall Wulff fehlt noch die letzte Stufe für den ganz großen Skandal. Das könnte Wulff retten, obwohl sein Krisenmanagement denkbar schlecht war, sagt der Tübinger Medienforscher Bernhard Pörksen im Gespräch mit n-tv.de. → n-tv.de
Vielleicht hätte auch der Sprecher des Bundesverbandes deutscher Pressesprecher Jörg Schillinger besser zwei Mal nachdenken sollen, bevor er am 23. Dezember Olaf Glaeseker, den Wulff-Ex-Sprecher im Deutschlandfunk lobte - dessen Techtelmechtel mit Eventstar Manfred Schmidt war ja auch nicht astrein.
Und dann gab es im Branchendienst "Meedia" noch zwei nachlesenswerte Beiträge:
Am 5. Januar schreibt Christopher Lesko von der Leadership Academy über ein unfertiges Interview: "Wulff: ein Desaster an Konflikt-Kompetenz". Und am gleichen Tag ein Artikel der Redaktion: "Meedia" analysiert Widersprüche aus dem TV- Interview: Die offenen Fragen an den Präsidenten."

| < Zurück | Weiter > |
|---|




