Branche
PR-Verbände nehmen zum "Netzwerk Recherche"-Papier Stellung
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 08. August 2005 um 15:18 Uhr Dienstag, den 02. August 2005 um 13:43 Uhr
Das neue PR-Portal hat die PR-Verbände Deutschlands um eine Stellungnahme zu dem prononcierten, aber auch provozierendem Positionspapier des Netzwerks Recherche zum Verhältnis "Journalismus und PR" (siehe unten stehende Meldung) gebeten. Hier sind sie die Meinungen von BdP, DPRG + GPRA:
Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP), Berlin
Der Sprachduktus des Netzwerks Recherche zeigt, welche klischeehaften Vorbehalte gegenüber PR bestehen. Da wird von "der Unterwanderung des Journalismus" gesprochen. PR und Journalismus würden zueinander stehen wie der "Teufel und das Weihwasser".
Um es klar zu sagen: Natürlich sollte die journalistische Berichterstattung objektiv sein. Dabei sind PR-Quellen im Rahmen der Berichterstattung genauso zu nutzen wie andere Quellen auch. Die Einordnung und Wertung ist Sache des Journalisten. Das höchste Gut, über das Pressesprecher und PR-Verantwortliche in Unternehmen, Verbänden und Agenturen verfügen, ist ihre Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit entsteht aber nur durch seriöse Arbeit. Das gleiche gilt im übrigen genauso für Journalisten.
Deshalb: Die Entwicklung, die das Netzwerk Recherche kritisiert, ist überhaupt nicht typisch für das Selbstverständnis und praktische Handeln der PR-Branche. Selbstverständlich müssen negative Auswüchse angeprangert werden. Aber es sollte nicht eine komplette Branche verteufelt werden.
Dr. Roland Stahl, BdP-Pressesprecher
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Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG), Bonn
&dbquo;PR und Journalismus wie Teufel und Weihwasser“ - Journalisten sehen ihre Aufgabe durch PR gefährdet. Da muss der PR-Mann (Teufel) erst einmal schlucken. Vor allem darf er nicht der Versuchung erliegen mit gleicher Münze zurückzuzahlen oder die Faktenkanone auszupacken. Nachdem sich Adrenalin und Pulverdampf gelegt haben fallen zwei Punkte auf.:
1. Wenn es um das generelle Bild von Rolle, Aufgaben und Ethik der PR geht, liegen die Wahrnehmungen der Mitglieder des Netzwerks Recherche weitab vom Selbstbild der PR-Schaffenden.
2. Ziel des Netzwerkes Recherche ist es u.a. &dbquo;versteckte PR zurückzudrängen“.
Beides bietet Anknüpfungspunkte für Kommunikation zwischen Journalismus und PR. Und die scheint dringend notwendig zu sein. Denn es ist offensichtlich, dass nicht nur die Interessen von Journalisten und PR-Schaffenden in weiten Teilen deckungsgleich sind, sondern auch die durch Verbände festgeschriebenen ethischen Grundlagen eine vertrauensvolle Kooperation ermöglichen sollten. (siehe u.a. GPRA-Stellungnahme)
Journalisten und PR-Schaffende arbeiten zusammen und das seit &dbquo;Erfindung“ ihrer Berufe. Wie sie das tun, hat entscheidenden Einfluss darauf, ob sie die an ihre Arbeit gestellten Erwartungen erfüllen können. Dabei kann es deckungsgleiche und auch unterschiedliche Ziele geben. Wir in der DPRG nehmen die Bedenken des Netzwerks Recherche sehr ernst und wollen uns damit offen und selbstbewusst auseinandersetzen. In diesem Sinne freuen wir uns auf den Austausch mit dem Netzwerk Recherche.
gez.: Ulrich Nies, DPRG-Präsident
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Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA), Frankfurt am Main
Die GPRA als Verband führender PR-Agenturen hat sich der Transparenz verpflichtet und sich, insbesondere im Zuge der Schleichwerbungsdiskussion noch einmal ganz deutlich gegen bezahlte Berichterstattung ausgesprochen. Dies ist dokumentiert im deutlichen Bekenntnis zu den Richtlinien des Deutschen Rates für Public Relations (DRPR), in denen es heißt "Der Deutsche Rat für Public Relations, getragen vom Berufsverband der PR-Leute (DPRG) und dem Wirtschaftsverband der deutschen PR-Agenturen bekräftigt daher in Übereinstimmung mit dem Deutschen Presserat das Verbot der Schleichwerbung. Diese ist gegeben, wenn für Medienkonsumenten nicht ersichtlich ist, dass sie mit einer bezahlten Werbebotschaft konfrontiert sind.“ Will heißen: Seriöse Agenturen kennzeichnen ihren Auftraggeber, machen ihren Absender deutlich.
Das Positionspapier des Netzwerks Recherche vermittelt hingegen den Eindruck, als wäre PR per se der Feind des unabhängigen Journalismus. Dem ist nicht so. PR hat die Aufgabe egal ob in Agenturen oder Pressestellen Nachrichten und Informationen aufzubereiten und zu verbreiten. Dass hier Journalisten als Multiplikatoren eine wichtige Dialoggruppe sind, steht außer Frage. Dass diese Informationen natürlicherweise geprägt sind von einer Organisation, einem Unternehmen, einem Auftrag- oder Arbeitgeber, nun, dessen ist sich wohl jeder Journalist bewusst. Welcher Redakteur ruft schon beim Regierungssprecher an und erwartet im Sinne der Objektivität, dass dieser auch gleich die Meinung der Opposition wiedergibt? Welcher Auto-Journalist verlangt vom Hersteller nicht nur die Vorzüge, sondern auch die Mängel eines neuen Modells auf dem Silbertablett geliefert zu bekommen?
Wichtig ist sicherlich, die Diskussion über die Grenzen von PR und Schleichwerbung neu zu führen. Falsch wäre jedoch, im Bestreben sie zu schützen, die Journalisten zu bevormunden.
gez.: Christina Marx, GPRA-Präsidiumsmitglied

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