Branche
GPRA und "Spiegel": verdrehte Verdrehungen
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 23. August 2006 um 12:09 Uhr Montag, den 07. August 2006 um 14:39 Uhr
Im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte Nils Klawitter am 31. Juli einen Beitrag "Public Relations: Meister der Verdrehung" geschrieben. Nach wochenlanger Recherche nicht unbedingt ein Meisterwerk journalistischer Arbeit: Altbackenes wurde vorurteilsbestärkend aufgewärmt - sachliche, auch berechtigte Kritik sieht anders aus (siehe dazu auch den PRR-Kommentar weiter unten). Der Präsident des PR-Wirtschaftsverbandes GPRA Gesellschaft Public Relations Agenturen, Dieter Schulze van Loon, schrieb am 4. August an Klawitter - wir zitieren:
"Es ist eine unter Journalisten beliebte Übung, Public Relations in die Nähe von „Verdrehung“ und einseitiger Beeinflussung von Meinungen in Gesellschaft zu stellen. Ihr Beitrag bemüht dafür bekannte Beispiele, vorwiegend aus dem US-amerikanischen Raum. Auch in Deutschland gibt es solche Fälle. Leider verschweigen Sie den eigentlichen Zweck von Public Relations:
Die professionelle Gestaltung von Beziehungen zwischen Unternehmen und Organisationen mit ihren Öffentlichkeiten – also dem Management von Meinungsbildungsprozessen - , die systematische Arbeit für Image und Reputation, das Artikulieren politischer Interessen, die vertrauensvolle Kommunikation mit Mitarbeitern, auch Pensionären oder Nachbarn, der Dialog mit Nichtregierungsorganisationen sowie die seriöse Information der Kapitalmärkte – all das sind legitime Vorgänge in einer pluralistischen Gesellschaft.
Entscheidend sind die Mittel und Methoden, die zur Anwendung gelangen. Die Branche hat hierfür eindeutige Kodizes hervorgebracht, und der von den Berufsverbänden getragene Deutsche Rat für Public Relations hat in jüngster Vergangenheit problematische Fälle ausführlich öffentlich benannt und dokumentiert. Beispielsweise lehnen wir bezahlte Schleichwerbung ab oder fordern Lobbyisten auf, transparent zu machen, in wessen Auftrag sie tätig sind – um nur zwei Beispiele aus diesem komplexen Feld zu nennen.
PR macht Angebote an Meinungsbildner. Es geht nicht darum, Meinungen „durchzudrücken“, sondern zunächst einmal, Meinungen zu artikulieren, Positionen zu erklären und um Vertrauen zu werben. Hier liegen die Ursprünge der Profession – gerade in Deutschland und im konsensual orientierten Europa.
Deshalb arbeiten längst nicht mehr nur Konzerne, sondern Interessengruppen jeder Art heute mit PR-Professionals – vom Pressesprecher bis zu Kommunikationsberatungen und PR-Agenturen . PR leisten damit einen entscheidenden Wertschöpfungsbeitrag für diese Organisationen.
Was „gut“ und was „böse“ ist, sollte der Markt der Meinungen entscheiden. Selbstverständlich ist es notwendig und im Interesse der seriösen PR-Fachleute, dass ethisch nicht tolerierbare Auswüchse an den Rändern deutlich werden. Hierfür brauchen wir unabhängige, kritische und mit hinreichend Ressourcen ausgestattete Medien, die Meinungen transportieren, reflektieren und einordnen. Jedoch greift es im Sinne beider Seiten zu kurz, den legitimen Versuch, Positionen öffentlich auszudrücken, per se als „Verdrehung“ verallgemeinern."

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