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PKV: Die verwirrende Geschichte eines PR-Desasters
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 23. November 2006 um 16:07 Uhr Donnerstag, den 09. November 2006 um 03:10 Uhr
Seit unserer Veröffentlichung "Verhalten des PKV ist auch ein PR-Skandal" vom 31. Oktober hat sich so viel zugetragen, dass es hier nur zusammengefasst wiedergegeben werden kann. Die Sache ist aber auch bedeutend für die Ethik der PR-Branche, beispielhaft für amateurhafte Public Affairs und für überheblichen, falsch verstandenen Lobbyismus. Deshalb ist es gut, dass sich am 10. November der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) unter Vorsitz von Horst Avenarius mit der Causa Protestaktion des PKV Verband der privaten Krankenversicherung befasst.
Zunächst hatte der PKV für seine Mitgliedsunternehmen einen Muster-Protestbrief verfasst und diese gebeten, die Briefe an ihre Versicherten weiterzugeben, damit diese dann in einer massenhaften Protestaktion Post an ihre Wahlkreisabgeordneten nach Berlin schicken sollten. Am 30./31. Oktober ist nun durch Pressemeldungen und öffentliche Äußerungen der SPD-Abgeordneten Andrea Wicklein, Marlies Volkmer und Frank Schmidt der Verdacht geäußert worden, dass einige der eingegangenen Briefe zumindest in ihrer Unterschrift gefälscht waren und die angeblichen Absender nichts von "ihren" Briefen wussten. Ein gefundenes Fressen für alle Medien von der FAZ, Spiegel, Handelsblatt über Tagesschau und Ärzte-Zeitung (seltsam nur dass "Bild" noch nicht laut gegeben hat). Und auch die Bundesregierung bat in Person des Staatssekretärs Klaus Theo Schröder vom Bundesministerium für Gesundheit um Aufklärung über die Unterschriftenaktion (vielleicht sollte Michael Kris vom "Management Report Health" Nachhilfe in Staatsbürgerkunde nehmen, um zu erfahren, dass ein Staatssekretär nicht für sich spricht, sondern immer für die Regierung - die Kanzlerin kann ja nicht alles machen).
Solchermaßen eingeheizt, meinte der PKV gegensteuern zu müssen - und verschlimmbesserte alles nur noch mehr. PKV-Direktor Volker Leienbach sprach zunächst am 1. November noch von authentischem und berechtigtem Unmut der Privatversicherten. Von Selbstkritik keine Spur. Auch die PKV-Pressestelle unter der Leitung von Ulrike Pott ließ keine Zweifel an Art und Inhalt der PR-Aktion erkennen. Leider scheint diesen Meinungsamateuren nicht klar zu sein, dass schon ein gefälschter Brief ein Brief zuviel ist. Professionelle Öffentlichkeitsarbeit und ethisch korrekte Public Affairs (Lobbyarbeit/Interessenvertretung) sehen anders aus. Es soll hier keineswegs unterstellt werden, der PKV hätte Briefe gefälscht - es waren letztendlich Mitarbeiter der Mitgliedsunternehmen. Verantwortlich, weil Urheber, ist und bleibt aber der PKV in Berlin und Köln.
Um sich selbst ins rechte Licht zu rücken, verschickte man am 3. November eine weitere Pressemeldung (soll einem bloß niemand vorwerfen, man wäre nicht noch steigerungsfähig) - mit der Überschrift: "Fälschungsbehauptung nicht bestätigt - Parlamentariervorwurf widerlegt". Als Zwischenbericht - mit den "Beweisen", die SPD-Politiker hätten Belege für vermeintlich gefälschte Briefe nicht vorgelegt. Gemach Herr Leienbach: unsere Recherchen haben ergeben, dass von über hundert bei MdB Wicklein eingegangenen Briefen mindestens drei gefälscht waren (Empfänger und Unterschrift wiesen zudem ähnliche Handschriftmerkmale auf). Da das Abgeordnetenbüro den Datenschutz ernst nimmt, mussten die Informanten gefragt werden, ob ihre offenbarenden Briefe an den PKV weitergegeben werden dürften. Sie durften und seien an den PKV unterwegs. Eine der Brief-"Mißbrauchten" will klagen.
Im leicht kriminellen Bereich dürfte sich aber der Fall mit dem hessischen SPD-Abgeordneten Frank Schmidt bewegen. Er fand zwei Briefe von Bekannten unter den Massenprotesten, bei denen ihm die Handschriften seltsam vorkamen (er kannte die Betreffenden - einer war sogar sein Versicherungsvertreter). Nachgefragt, warum diese sich nicht direkt an ihn gewandt hätten, sagte der eine, er möge nicht böse sein, aber seine Frau sei bei einem privaten Versicherer und die Mitarbeiter hätten Namenslisten einreichen müssen.
Der andere war Mitarbeiter der Debeka-Versicherung (im hessischen Schmidt-Wahlkreis). Und dieser wird von PKV-Leienbach als Zeuge gegen MdB-Schmidt angeführt, weil er dem PKV mitgeteilt habe, dass er zwar den Brief nicht abgeschickt und auch nicht unterschrieben hätte, sich aber mit dem Inhalt identifiziere. Peinlich nur, dass er zu diesem Brief von seinem Vorgesetzen wohl "veranlasst" worden war. Bei Leienbach steht allerdings unrichtig, dass er auch erklärt habe, die Unterschrift sei nicht gefälscht. Zudem wurde der (persönliche) Brief, wohl von der Debeka, der dpa zugespielt.
Anstatt schneidig und rechthaberisch zu erklären, der Protest der Privatversicherten sei authentisch (was ist das eigentlich im Leienbachschen Verständnis?), und dass sich die SPD in Vorwürfen gegen die Form des Protests ergeht, möge als Indiz dafür gelten, wie sehr er im Inhalt zuträfe, sollten sich der PKV-Direktor und seine Pressesprecherin lieber für ihre unseriösen und dilettantischen Aktionen entschuldigen. Denn der Sache selbst haben sie damit einen Bärendienst erwiesen: die CDU-Abgeordneten sind sowieso ihre Freunde und die SPD-Vertreter haben sie ob der Briefflut verärgert. Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte: "Die Aktion ist denkbar dämlich." Auch der seriösen Profession Public Relations/Public Affairs wurde mit dieser Verbandsmachenschaft nicht gedient. Fortsetzung folgt? - Gerhard A. Pfeffer -

geschrieben von einem Gast , November 14, 2006
geschrieben von einem Gast , November 14, 2006
geschrieben von einem Gast , November 15, 2006
geschrieben von einem Gast , November 15, 2006
Ich schrieb im ersten Beitrag zur PKV-Briefflutaktion, dass sich die Bundesregierung gemeldet h
geschrieben von einem Gast , November 15, 2006
Der eine kommentiert anynym, ein anderer gibt eine Emailadresse ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) an, die falsch ist. Eine dritte Person schreibt v
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