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Deutscher PR-Rat missbilligt Aussagen von Professor Merten

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Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) hat sich auf seiner routinemäßigen Sitzung Anfang Oktober  mit den Äußerungen von Professor Dr. Klaus Merten anlässlich des "PR-Careers Day 2008" im Juni befasst und den folgenden Beschluss gefasst: "Der DRPR missbilligt scharf und einstimmig Aussagen von Professor Dr. Klaus Merten, Münster, in denen er behauptet, die Profession Public Relations habe insgesamt eine Lizenz zur Täuschung".

Hintergrundinformation: Diese Feststellung hatte Merten unter anderem in seiner Funktion als Gesellschafter des Weiterbildungsinstitutes com+plus am 19. Juni 2008 im Rahmen der Veranstaltung der Universität Münster geäußert. Ebenso in dem von ihm verfassten Papier: "Der gesellschaftliche Bedarf für Täuschung" (2008).  Äußerungen wie diese sind dazu geeignet, einer Rufschädigung für die ganze Branche Vorschub zu leisten (siehe Artikel 18 Code de Lisbonne).

Der Deutsche PR-Rat sieht in solchen falschen und verallgemeinernden Äußerungen einen eklatanten Widerspruch zu den wichtigen Berufskodizes Code d'Athènes (Punkt 10), Code de Lisbonne (Art. 3 und 4) sowie den "Sieben Selbstverpflichtungen der DPRG". Dort werden Lügen in der Ausübung von Öffentlichkeitsarbeit sowie die Täuschung von Öffentlichkeiten nachdrücklich ausgeschlossen.

Im vorliegenden Fall kommt erschwerend hinzu, dass Professor Dr. Merten als Mehrheitsgesellschafter und alleiniger Geschäftsführer eines zertifizierten Weiterbildungsinstituts aufgetreten ist. Seine Äußerungen wirken daher in die Ausbildungsinhalte des eigenen Unternehmens hinein und haben dadurch auch besondere Bedeutung für die Weiterbildung der gesamten Branche. Hierzu stellt der DRPR fest, dass Merten seine Thesen, falls seine Aussagen denn lediglich als Thesen in einem Diskussionszusammenhang  gemeint waren, nicht ausdrücklich als solche kenntlich gemacht bzw. auch im nachfolgenden, schriftlichen Anhörungsverfahren nicht relativiert hat.

Die scharfe Missbilligung des DRPR wird unanhängig von der vom Grundgesetz garantierten Wissenschaftsfreiheit (Art. 5, Abs. 3 GG) ausgesprochen, die Wissenschaftlern erlaubt, Berufsnormen in ihrer empirischen Wirklichkeit und ihrem normativen Sinn in Frage zu stellen und zu diskutieren.

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Auch im Blog "medienlese" wird das Themsa von Klaus Jarchow kritisch beleuchtet. Hier geht's zum Blog.

Kommentare (12)Add Comment
Deutscher PR-Rat missbilligt ...
geschrieben von Leser , Oktober 07, 2008
Professor Klaus Merten hat doch Recht!
Lizenz zur Täuschung
geschrieben von O. Jorzik , Oktober 10, 2008
Hat Herr Merten Recht? Ich glaube nicht. Denn über die Wirksamkeit von Täuschung entscheidet in der Regel ja nicht der Absender sondern der Rezipient. In einem digitalisierten und vernetzten Zeitalter scheint es doch ein wenig weltfremd zu behaupten, wir PR-Leute seien die Wirklichkeitskonstrukteure, denen es dauerhaft erfolgreich gelingen kann, die Unternehmens- und Produktwelt mit bunten Farben zu malen, wenn diese überhöhten Selbstbauptungen nicht an die unternehmerische Wirklichkeit und die Wirklichkeit des Marktes angebunden sind. Das Geflecht der Beobachter ist doch etwas zu dicht gestrickt (Mitarbeiter, Medien, Shareholder, Analysten, Kunden ...), als dass sich ein Täuschungsgebilde dauerhaft aufrechterhalten ließe, so wünschenswert es sich aus Unternehmens- und PR-Sicht auch immer darstellen möge.

Und eine nicht wahrheitsgemäße Kommunikation führt letztlich immer zu Akzeptanz- und Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit. Damit wirkt sich so ein berufständisches Selbstverständnis auch schnell negativ auf das Geschäftsmodell eines Unternehmens zurück, denn welcher aufgeklärte Kunde will wirklich Waren von diesem Unternehmen kaufen? Meiner Meinung nach kann sich ein PR-Mensch, der das Täuschen und Tarnen zum Kommunikationsprinzip erklärt, nicht dauerhaft halten. Denn woher bezieht er seine Glaubwürdigkeit, wenn nicht aus nachvollziehbaren und belegbaren Argumenten? Von daher ist der Wahrheitsanspruch an Kommunikation weit weniger weltfremd als die Angriffe auf die PR-Kodizes es vermuten lassen. Und wer es nicht glaubt, kann ja einmal den letzten Geschäftsbericht der Hypo Real Estate durchlesen. Da zeigt sich doch wunderbar, was passiert, wenn wünschenswerte und reale Wirklichkeit nicht mehr zusammenpassen.
Schade
geschrieben von anderer Leser , Oktober 10, 2008
Schade ist, dass Prof. Mertens Aussage völlig aus dem Zusmmenhang gerissen kommentiert wird. Mich hätte der Kontext interessiert, denn nur so kann man sich hierzu eine konkrete Meinung bilden und unterliegt nicht einer - versuchten Täuschung?
Erschreckend einfältig
geschrieben von Sascha Stoltenow , Oktober 13, 2008
"Gebt mir einen festen Punkt und ich werde die Erde aus den Angeln heben." (Archimedes, vermutlich)
Ooops
geschrieben von Sascha Stoltenow , Oktober 13, 2008
da fehlt doch was. Die Stellungnahme des DRPR ist nicht nur eine Täuschung über die Aussagen von Professor Merten, sie offenbart auch in erschreckender Weise, dass die Akteure offenbar nicht willens - oder schlimmer noch: in der Lage - sind, sich substantiell mit diesen Fragen zu beschäftigen. Vielleicht sind sie aber auch gewiefte Taktiker. Sie stellen sich dumm und bieten durch diese Einfalt den Thesen von Merten keinen festen Angriffspunkt. Damit verhindern sie für den Moment, dass "ihre Welt" aus den Angeln gehoben wird. Ob das für die Zukunft reicht?
...
geschrieben von Chat Atkins , Oktober 14, 2008
Meine Damen und Herren - bei aller Empörung erinnere ich Sie doch noch einmal an das gesellschaftliche Lügengebäude des 'Neoliberalismus', und daran, wie lange das mit Hilfe von allerlei publizistischen Wirklichkeitsklempnern vermögenswirksam aufrecht erhalten werden konnte.
Ach so ...
geschrieben von Chat Atkins , Oktober 14, 2008
... dass der gewiefte Lügner seine Lügen auch selbst glaubt, ist ja wohl das Mindeste, was der Kunde dabei erwarten kann.
Besonders laute Nebelmaschine
geschrieben von O. Jorzik , Oktober 15, 2008
Herr Stoltenow bemängelt in der Diskussion um den Vortrag von Klaus Merten mangelnde Substanz, ein sich Dummstellen der Kritker, bloßes Taktieren und Einfältigkeit der Argumente. Das ist ja eine richtig schöne laute Nebelmaschine, die da angeworfen wird.

Der selbtsernannte Normenkritiker sollte sich aber schon die Frage gefallen lassen, welche Normensystem und berufliche Selbstverständnis da zum Ausdruck kommt - vom gewöhnungsbedürftigen Kommunikationsstil einmal abgesehen.

Ich empfehle PR-Beratern, die ihren eigenen Kodizes nicht mehr glauben, zur Entspannung einmal die Lektüre der Landespressegesetze, des Pressekodex oder einzelner Redaktionsstatute. Man kommt recht schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn man sich einmal informiert, wie andere Kommunikationszünfte so arbeiten.
Die Nebel von Avalon
geschrieben von Sascha Stoltenow , Oktober 16, 2008
Cui bono? Oder, was sollte den hinter dem Nebel verborgen sein. Als ausgebildeter Fallschirmjägeroffizier weiß ich sehr wohl, wann und wozu ich Nebel einsetze oder eine entsprechende Anforderung an die Artillerie stelle - und was ich dann dahinter zu tun beabsichtige. Nichts dergleichen habe ich hier im Sinn. Ich will mich auf der Vorderbühne streiten. Aus Lust an der Provokation und weil mir in der Tat die bestehenden Codizes nicht mehr ausreichen - vom Glauben ganz zu schweigen.

Was ich mich frage ist aber unter anderem, warum die Äußerungen eines Professor derzeit zum zentralen Arbeitsinhalt des DRPR wird? Beide aktuellen Meldungen des Rats sind diesen gewidmet. Sie scheinen also wichtig zu sein. Warum? Weil es in der Tat um eine grundsätzliche Verständigung über das berufliche Selbstverständnis geht. Genau hier aber reicht mir das Angebot der Verbände nicht aus, und ich begrüße Mertens Initiative, denn im Kern fordert er die Aufklärung der Öffentlichkeit darüber das PR, ebenso wie alle anderen Medienberufe, unter bestimmten Umständen täuschen können, die Rezipienten also nicht alle “für wahr” nehmen sollen.

Das ist eine Aufforderung zu einer tiefergehenden, grundlegenden Diskussion. Dass einige berufsständische Akteure nicht bereit sind, sich darauf einzulassen, sondern stattdessen mit einer Mißbilligung die Diskussion beenden wollen, wirft Fragen auf.

Sind sie dazu intellektuell nicht in der Lage?, Verfolgen sie mit den Angriffen gegen Merten andere Ziele?, oder sind sie tatsächlich überzeugt, die bestehenden Codizes reichten aus, um unter den gegebenen Bedingungen professionell zu kommunizieren?

Gerade letzteres ist mehr als fraglich, und es ist auch nicht weiter verwunderlich, dass sich bislang niemand, der in aktiver Verantwortung für die Kommunikation eines Unternehmens oder einer Organisation steht, hier exponiert hat.

In der Praxis ist nämlich sehr häufig ein Differenzmanagement im Sinne Mertens erforderlich, und man kann es niemandem in verantwortlicher Position raten, sich hierzu anders zu äußern als mit Verweis auf die bestehenden Codizes. Und vielleicht ist genau das der Schlüssel: Weil jeder weiß, dass die Praxis anders ist, sind diese Codizes die eigentliche Lizenz der PR zur Täuschung. Und genau an dieser rüttelt Merten mit aufklärerischem Idealismus.

Er will die Nebel von Avalon teilen und nicht immer nur in die Abtei von Glastonbury reiten (http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Nebel_von_Avalon) - und ich auch nicht.
Mehrere Aufgaben
geschrieben von O. Jorzik , Oktober 16, 2008
Zum Abschluss von meinser Seite noch ein, zwei Anmerkungen.

-Gerade für jüngere Kollegen, die eine PR-Ausbildung absolvieren und noch am Anfang ihre Berufsweges stehen, haben die Kodizes eine wichtige Orientierungsfunktion, besonders wenn es um das eigene berufliche Selbstverständnis geht. Die Diskussionen, die in der Folge der Täuschungsäußerungen aktuell an PR-Ausbildungsinstituten geführt werden, bewegen sich nach eigener Erfahrung irgendwo zwischen abenteuerlich und hanebüchend. Die Verunsicherung der jungen Kollegen, ist jedenfalls groß.

- Das Negativ-Image unseres Berufsstandes bei Journalisten hat viel mit der Täuschungsabsicht zu tun, die uns PR-Leuten regelmäßig unterstellt wird. Was bedeutet das für uns? Es gibt sicher genug Kollegen, die Irreführung und Täuschung als Teil des Spiels betrachten. Es gibt aber auch Kollegen, für die "Walk as you talk" etwas wichtiger ist. Gerade wenn die Kommunikations- und Organisationsprozesse komplexer werden, ist das „Walk as you talk“ meiner Ansicht nach immer noch die sicherste Basis, um auf glattem Parkett nicht unfreiwillig umzufallen - oder von Medienseite umgestoßen zu werden.

-Im Zeitalter von Web 2.0 wächst die öffentliche Kontrolle von Unternehmen. Die vielfältigen CSR-Bemühungen der Unternehmen zeugen von dem Versuch, nach innen und außen möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten und der gesellschaftlichen Anforderung an Unternehmen Rechnung zu tragen. CSR aus Marketinginteressen oder aus Gründen der Imagekosmetik, d.h. CSR, die nicht an die Unternehmenswirklichkeit und die eigenen Geschäftsmodelle angebunden ist, bringt jedoch langfristig nichts. Gerade hier sind Täuschungsversuche oder wie es schön heißt, Differenzmanagement, völlig kontraproduktiv und – im Gegenteil - imagebedrohend.

- Das führt zum letzten Punkt. Seit 20 Jahren wird allerorten gepredigt, dass Imageaufbau und Imagepflege eine der wichtigsten Aufgaben der PR sei. Imageaufbau ohne Vertrauensaufbau ist jedoch schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt. Leider wird diese enge Verbindungslinie zwischen Image und Vertrauen in vielen Fachdiskussionen immer wieder vernachlässigt. Vertrauensaufbau braucht jedoch glaubwürdige Vertrauensabsender. Ob man diese Glaubwürdigkeit als professioneller Differenzmanager wirklich hinkriegt, möchte ich doch noch einmal in Frage stellen. Wenn es einen direkten Weg in die Kommunikationskrise gibt, dann durch das professionelle Vorgaukeln von Wunschwelten jenseits der Faktenlage. Ich weiß, das viele Auftraggeber das gerne anders sehen würden. Aber als verantwortlicher PR-Mensch muss man doch auf das Risiko von falschen Imagewünschen und -ansprüchen hinweisen. Sie sind es, die letztlich die Fallhöhe bestimmen.
Wenn der PR-Berater erzählt ...
geschrieben von Chat Atkins , Oktober 16, 2008
Vorgaukeln, Täuschen, Irreführen - diese Wörter allein sind doch der Sachlage schon nicht mehr angemessen. Wer - in welcher Funktion auch immer - spricht oder schreibt, der begibt sich auf die Ebene der 'Narration' oder der 'Erzählung'. Es entsteht immer eine mehr oder minder gute 'Geschichte'. Selbst die Bibel, selbst Kants 'Kritiken', selbst ein 'Spanien-Reiseführer', selbst ein mathematisches Lehrbuch oder ein Kochbuch - alles lässt sich ebenso gut auch falsifizieren, anders gewichten oder neu strukturieren - zumindest aber ganz anders erzählen, wenn der Verfasser sich nur an einen anderen Standort im gegebenen Kontext begibt und vielleicht auch neue Überzeugungen vertritt. Eine Erzählung, auch jeder PR-Text, ist daher nie schlichthin 'wahr' oder 'falsch', das sind überhaupt keine Kategorien, die an einen Text anzulegen wären, sobald er die Ebene der Banalitäten überschreitet: dass also bspw. Fensterglas normalerweise durchsichtig oder dass es draußen Herbst sei. Schon bei einem Verkehrsunfall unterscheiden sich die Aussagen zweier beliebiger Zeugen fundamental, weil alle Wahrnehmung durch ein höchst subjektives und unvorhersagbares Gehirn hindurch muss. Es gibt allein schon aus diesem Grund niemals nur eine Geschichte: Drei PR-Eleven - drei verschiedene PR-Texte. Probieren Sie's aus! Eine bestimmte Version einer Geschichte kann dann aber sehr wohl 'glaubwürdiger' oder 'besser erzählt', 'einsichtiger', 'dramaturgischer aufgebaut', 'strategisch erfolgversprechender' und noch so allerlei Ästhetisch-Literarisches mehr sein. So wie das hochverehrte Publikum die Erzählung dann wiederum 'wahr'-nimmt, jedenfalls solange das vorhält, so ist sie dann auch 'wahr' in einem Alltagssinne - doch niemals in jenem absoluten Sinne, dass es nur eine Version geben könne. Auch eine Presseerklärung oder eine Kommunikationsstrategie wird daher niemals 'wahrer' sein als diejenige der Kontrahenten, bestenfalls ist sie besser oder schlüssiger, sonst eben 'anders'. Wenn ich auf diese Art einem Unternehmen eine tragfähige 'Geschichte' oder meinethalben auch ein 'Image' gebe, in dem Sinne, dass das gewünschte Publikum im erwarteten Sinne anderen die Story meines Kunden 'erzählt', dann ist diese Leistung in meinen Augen höher zu bewerten, als wenn ich den lahmen Zossen der kommunikativen Wahrheitstheorien vom Gnadenhof hole und den trotz seiner lahmen Theoriegelenke zur hohen Schule quälen will ...
Vielleicht ist die PR ist zu banal, ...
geschrieben von Sascha Stoltenow , Oktober 18, 2008
... um eine Frage anders zu beantworten, als dies der Philosophie möglich ist. Oder anders gesagt: Man kann nicht nicht täuschen. Wer etwas anderes behauptet, täuscht - sich und andere.

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