Schweinegrippe und Kommunikation 2.0 - Das Schweigen der deutschen Kliniken
Erstellt am Montag, 16. November 2009 um 19:04 Uhr
Deutschland im Herbst 2009 - die Schweinegrippe geht um, die Nation hustet und sorgt sich, die Republik kennt nur ein Thema. Die ganze Republik? Nein, wer die Websites der großen deutschen Kliniken anklickt, erfährt dort vieles, doch zum Thema Schweinegrippe halten sich die meisten Gesundheitsdienstleister auffallend zurück. Dabei wären gerade sie es, die kompetent und aus allererster Hand informieren könnten.
Von 55 Kliniken informieren nur zwölf detailliert zur Neuen Grippe
Eine aktuelle Analyse der Internet-Präsenzen von mehr als 50 der größten deutschen Kliniken, durchgeführt von der auf Public Relations und Online-Kommunikation spezialisierten Heidelberger Neu:Kom, offenbart einigen Nachholbedarf in Sachen Online-Kommunikation: Von 55 der nach Bettenanzahl größten deutschen Kliniken nutzen ganze zwölf Häuser ihre Websites, um Besucher direkt und ohne Umwege über die Neue Grippe aufzuklären. Bei der Masse der Krankenhäuser herrscht dagegen das große Schweigen vor; eine Pressemitteilung zur Impfung des Klinikpersonals ist oft das einzige, was Besucher und Patienten erwarten dürfen.
Informationen der deutschen Gesundheitsdienstleister - viel Schatten, vereinzelt Licht
Die Schweinegrippe ist nicht nur eine medizinische Herausforderung. Selten war die Verunsicherung in der Bevölkerung größer - eigentlich eine Steilvorlage für die Kommunikationsarbeit von Deutschlands Gesundheitsdienstleistern, könnte man meinen. Doch ausgerechnet bei den Kliniken, in denen die Experten schließlich arbeiten, herrscht von wenigen Ausnahmen abgesehen unerklärliches Schweigen.
Immerhin: Eine kleine Anzahl von Krankenhäusern leistet teils vorbildliche Aufklärungsarbeit und informiert Patienten schon auf den Startseiten. Zu diesen Positiv-Beispielen zählen etwa die Berliner Charité (www.charite.de), die Medizinische Hochschule Hannover (www.mh-hannover.de), das Ortenau Klinikum (www.ortenau-klinikum.de) oder das Städtische Klinikum Karlsruhe (www.klinikum-karlsruhe.com). Sie alle bieten Informationen zur Grippe, zu Impfung und Ansteckungsrisiken. Und - auch das sei erwähnt - viele der deutschen Krankenkassen halten ebenfalls vorbildlich aufbereitete und gestaltete Informationen bereit (www.dak.de, www.aok.de).
Aufklärungsarbeit zu Kopfläusen - aber kein Wort zur Grippe
Bei den meisten anderen Akteuren herrscht dagegen das große Schweigen vor. Insbesondere viele Unikliniken scheinen keinen Anlass zu sehen, ihre verunsicherten Besucher im Internet detailliert über die aktuelle Situation und Hintergründe aufzuklären. Auf den Websites, sei es im Startbereich oder auch unter „Aktuelles", finden sich Pressemitteilungen zu teilweise bizarren Themen wie „Erfahren Sie, wie Flöhe und Läuse wohnen", „Halloween Blutspende Aktion" oder „Wenn Kindern das Kreuz weh tut" - aber kein Wort zur Neuen Grippe. Mal eine Verlautbarung zur Impfung des Klinikpersonals, im höchsten Falle ein versteckter Link zum Robert Koch Institut - das war´s. Das ist umso seltsamer, als viele Patienten und Ratsuchende sicher den Wunsch verspüren, sich ohne Umwege direkt bei den Experten zu informieren - sprich bei Klinikpersonal und Ärzten.
Informationspolitik 2.0 - Vorbild USA
Ein Blick in die USA zeigt, was in Sachen Aufklärungsarbeit über das Internet möglich ist: Kein einziger großer Klinikbetreiber lässt dort die Gelegenheit aus, Patienten umfassend zu informieren, direkt auf der eigenen Website und ohne den Umweg über die klassischen Massenmedien. Beispiele sind etwa
- Mayo Clinic (www.mayoclinic.com)
- Cleveland Clinic (cchealth.clevelandclinic.org)
- John Hopkins Hospital (www.hopkinsmedicine.org)
- oder Beth Israel Deaconess Medical Center (www.bidmc.org)

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