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Interview 6: Werben für eine differenzierte Betrachtung von Videospielen

"Das PR-Interview" wird realisiert von k1 gesellschaft für kommunikation

wolters_olaf_biuDas PR-Interview mit Olaf Wolters zur Debatte um ein Verbot gewaltverherrlichender Filme und Videospiele.

PR-Journal: Herr Wolters, wie beurteilen Sie die Aussagen von Bundespräsident Horst Köhler und der Eltern der in Winnenden getöteten Kinder in Bezug auf die Benutzung von so genannten Killerspielen?

Olaf Wolters: Die Betroffenheit und Ohnmacht, die eine solche Tragödie bei Hinterbliebenen und in der Gesellschaft hinterlässt, ist schwer fassbar. Grundsätzlich sind deshalb die unterschiedlichen Arten der Aufarbeitung durchaus zulässig. Auf der sachlichen Ebene gehen wir allerdings weiterhin davon aus, dass Computer- und Videospiele nicht ursächlich für solche Tragödien sind. Wieder einmal werden Computer- und Videospiele zum Sündenbock degradiert, obwohl die sehr komplexen Tatumstände Anhaltspunkte für eine differenzierte Betrachtung liefern könnten.

PR-Journal: Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund, dass die Galeria Kaufhof alle Computer- und Videospiele aus dem Verkauf nehmen will, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind?
 
Olaf Wolters: Grundsätzlich ist es jedem Händler selbst überlassen, welche Inhalte er im Sortiment haben möchte. Wir bedauern die Entscheidung und sehen hierin eine freiwillige und unnötige Einschränkung der Rechte von Erwachsenen auf erwachsene Unterhaltung. Aus Jugendschutzsicht gab es für so eine Entscheidung keine Notwendigkeit. Grundsätzlich muss der Handel die altersgerechte Abgabe von Spielen und Filmen sicherstellen – das gilt für 18er Titel genauso, wie für 16er – oder 12er Titel. Die Ironie an der Geschichte ist, dass Kaufhof trotzdem das umstrittenste aller so genannten "Killerspiele" Counter-Strike in den Regalen behält. Die Urversion des Ego-Shooters ist ab 16 Jahren erhältlich. Es wäre besser gewesen, die Anstrengungen im Bereich der Aufklärung und Kommunikation zu erhöhen statt einzelne Inhalte zu verbannen.

PR-Journal: Mit welchen konkreten PR-Maßnahmen reagiert Ihr Verband auf die bisherige Berichterstattung?

Olaf Wolters: Wir haben von Anfang an einen engen Dialog mit Politik, Medien und Industrie geführt. Wir werden weiterhin für eine differenzierte Betrachtung von Computer- und Videospielen in der Öffentlichkeit werben und dabei sowohl die Risiken als auch die Chancen herausstellen. Konkret unterstützen wir z. B. den jüngst verkündeten parlamentarischen Computerspielabend der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag am 17. Juni. Hiervon versprechen wir uns differenzierte und sachliche Diskussionen, auch in den Medien.

Olaf Wolters ist Geschäftsführer des BIU – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. in Berlin (www.biu-online.de)

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