Das PR-Interview

Interview Nr. 14: Verdeckte PR und ihre Folgen für die Branche

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Das PR-Interview mit Heidi Klein zum Bahn-PR-Skandal und den Folgen

PR-Journal: Welche Folgen hat der Bahn-PR-Skandal für die Glaubwürdigkeit der Public Relations in Deutschland?

klein_heidi lobbycontrolHeidi Klein: Die Skandale um die verdeckte PR bei der Deutschen Bahn und beim Biokraftstoff-Verband zeigen, dass die freiwillige Selbstkontrolle der PR-Branche solche Methoden nicht verhindert. Daran ändern auch die nachträglichen Rügen des PR-Rates nichts. Der PR-Rat ist auf die freiwillige Mitarbeit der Akteure angewiesen, die eines Regelverstoßes verdächtigt werden. Wenn sie dazu nicht bereit sind, wie etwa die von der Bahn beauftragte Agentur EPPA GmbH, hat der Rat kaum Möglichkeiten, eine Aufklärung zu erzwingen. Der zweite Fall von Öffentlichkeitstäuschung durch die gleiche Agentur, diesmal im Auftrag des Biokraftstoff-Verbandes VDB, kam daher auch nicht durch die laufende Untersuchung des PR-Rates zum Bahn-Fall ans Licht, sondern durch hartnäckige Recherchen unsererseits. Insofern müssen jetzt schnellstmöglich umfassende verpflichtende Transparenzregeln geschaffen werden.

PR-Journal: Was kann die PR-Branche tun, um ihr angeschlagenes Image zu verbessern?

Heidi Klein: PR-Agenturen könnten mit gutem Beispiel voran gehen und ihre Kunden und Budgets offen legen. Das reicht allerdings nicht - sie müssten sich auch glaubwürdig für ein umfassendes und mit sinnvollen Finanzangaben ausgestattetes verpflichtendes Lobbyisten-Register einsetzen, das sanktionsbewehrt für Transparenz sorgt. Das Register muss dann für alle Lobbyakteure gleichermaßen gelten, egal ob Unternehmen, Verbände und Organisationen, Agenturen, Lobby-Kanzleien oder Denkfabriken.

PR-Journal: Neben der verdeckten PR-Arbeit hat sich die Bahn in den letzten Jahren ein Netz ehemaliger Politiker als Bahnlobbyisten aufgebaut. Was kann ein in diesem Zusammenhang von Ihnen gefordertes Lobbyregister bringen?

Heidi Klein: Ein Lobbyisten-Register ist kein Allheilmittel. Es würde jedoch Informationen darüber liefern, wer für wen mit wie viel Geld und zu welchen Themen Lobbyarbeit betreibt. Wichtig ist dafür, dass die Lobbyisten namentlich erfasst werden. Dies ist in den USA längst gängige Praxis und ermöglicht, Interessenkonflikte zu früheren oder gleichzeitigen anderen Tätigkeiten zu erkennen. Um zu verhindern, dass Politiker fliegend in Lobbytätigkeiten wechseln, fordern wir außerdem verpflichtende Karenzzeiten. Diese würden es erschweren, dass finanzstarke Interessengruppen über solche Seitenwechsel brandaktuelles Insiderwissen und Insiderkontakte einkaufen können.

Heidi Klein ist Politikwissenschaftlerin und Vorstandsmitglied von LobbyControl in Köln. Der gemeinnützige Verein setzt sich für Transparenz und Schranken im Lobbying ein. Zur Zeit sammelt LobbyControl Unterschriften für einen Appell an den Bundestag zu einem verpflichtenden Lobbyisten-Register: www.lobbycontrol.de/blog/index.php/lobby-appell/

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12. Februar 2012 - 22:14

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