Das PR-Interview

Interview Nr. 31: Die Reputation des Mandanten schützen

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Interview mit Jens Nordlohne über Litigation-PR, Öffentlichkeitsarbeit im Umfeld von juristischen Verfahren.

PR-Journal: Herr Nordlohne, was versteht man eigentlich unter Litigation-PR? 

nordlohne-jensJens Nordlohne: Es geht um Kommunikationsarbeit und Wahrnehmungsmanagement für einen Mandanten, der aufgrund einer - auch potenziellen - juristischen Auseinandersetzung damit rechnen muss, dass seine Reputation gefährdet wird. 

PR-Journal: Was bezweckt diese Form der Öffentlichkeitsarbeit? Gibt es auch Risiken?

Jens Nordlohne: Wir verfolgen sechs Ziele: negativer Publicity entgegenwirken, den Standpunkt des Mandanten darstellen, auf die Wahrung ausgewogener Medienberichterstattung hinwirken, der Öffentlichkeit die komplexen juristischen Sachverhalte erklären, Angriffe der Gegenseite entschärfen, schließlich helfen, den Konflikt zu beseitigen und den Gegner zu einer vorteilhaften außergerichtlichen Einigung zu bewegen. Die größte Chance liegt darin, die Reputation eines Mandanten zu schützen oder auszubauen, und das unabhängig vom juristischen Ergebnis. Risiken sind auf jeden Fall vorhanden: Das größte Risiko gehen Kommunikationsexperten ein, wenn sie glauben, das Gericht per Medien unter Druck setzen zu können, um ein bestimmtes Urteil zu erzwingen.

PR-Journal: Was unterscheidet Litigation-PR von „normaler" PR?

Jens Nordlohne: Wir bedienen uns bei Litigation-PR im Prinzip des klassischen Kommunikations-Werkzeugkastens: vom Hintergrundgespräch bis zur Pressemitteilung. Die Herausforderung besteht jedoch darin, dass all diese Instrumente hundertprozentig mit der juristischen Vorgehensweise orchestriert werden müssen, um einen positiven Effekt zu erzielen. So kann eine Pressemitteilung zum falschen Zeitpunkt nicht nur in der Öffentlichkeit schlecht ankommen, sondern auch von der Gegenseite vor Gericht genutzt werden - zum Schaden des Mandanten.

PR-Journal: In welchem Umfang ist Litigation-PR in Deutschland üblich?

Jens Nordlohne: Dass Unternehmen vor - und während - gerichtlicher Auseinandersetzungen in Kommunikationsfragen beraten werden, ist nichts Neues. Wir selbst unterstützen seit fast zehn Jahren Mandanten, deren Ansehen durch juristische Aktionen gefährdet werden könnte. Neu ist eine vermehrte Spezialisierung und Professionalisierung in dieser Kommunikationsdisziplin. Und das hat meiner Meinung nach zwei Gründe: Juristische Auseinandersetzungen erfahren immer größere mediale Aufmerksamkeit, und Unternehmen sehen ein, dass eine positive Reputation die Grundlage für eine erfolgreiche Marktteilnahme ist. Recht haben und Recht bekommen ist wichtig - recht gut dazustehen mindestens genauso. 

Jens Nordlohne ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung Victrix Causa in Oederquart bei Hamburg und Autor eines Blogs zum Thema Litigation-PR.

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05. Februar 2012 - 14:28

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