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Kerlikowskys Kommentar über ... Gekaufte Politiker? Viel Lärm um Nichts

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kerlikowsky1Guten Tag! Es herrscht eine große Aufregung in den Medien, nachdem bekannt geworden war, dass Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und sein Kollege in Sachsen, Stanislaw Tillich, bei Veranstaltungen sich für Gespräche mit Sponsoren zur Verfügung gestellt haben sollen, die dafür Geld bezahlt haben. Die Aufregung ist nur mit dem Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen zu erklären. In Berlin gehört es zur Regel, dass beispielsweise bei sogenannten Parlamentarischen Abenden der verschiedenen Branchen Sponsoren tief in die Tasche greifen, damit sich die Gäste aus der Politik bei vorzüglicher Bewirtung wohl fühlen und zu Gesprächen zur Verfügung stehen.

Als Journalist, der öfter Gast bei solchen Parlamentarischen Abenden und ähnlichen Veranstaltungen ist, kann ich die Aufregung um Rüttgers und Tillich nicht verstehen. Viel ärgerlicher ist es doch, dass Parlamentarier Nebenjobs haben und dafür Geld kassieren. Dass ihre Einnahmen veröffentlicht werden, ist eine positive Sache; doch eigentlich müsste veröffentlicht werden, wofür und von wem sie das Geld bekommen haben. Die Parlamentarier werden schließlich so hoch bezahlt, dass sie ihre ganze Arbeitskraft im Parlament einsetzen und nicht durchs Land tingeln und Nebenbeschäftigungen haben sollten.

Zu ihrer Ehre: sie lassen sich eigentlich nie mit Geld zu Vorträgen bei Verbands- oder sonstigen Veranstaltungen locken. Sie lassen höchstens die Bemerkung fallen, sie wären in einer wohltätigen Stiftung engagiert, die Spenden schon gebrauchen könnte.

Mich ärgert es, dass Parlamentarier und Regierungsmitglieder ihre Diskussionen über Medien austragen. Talkshows, Interviews in Zeitungen und Zeitschriften (die ohnehin meist nur vom Pressesprecher geschrieben sind) sollten eine Ausnahme bleiben. Ich träume davon, dass die gewählten Vertreter des Volkes ihre Diskussionen nur dort führen, wo sie hingehören, nämlich im Reichstag. Das würde auch das Vertrauen in die Volksvertreter stärken und der Bevölkerung viele Gerede der Politiker ersparen,
Ihr

Dr. Horst Kerlikowsky
Berlin, den 4. März 2010

Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus: ETAGE Media Selection (Copyright: Dr. Horst Kerlikowsky). Als Leser vom "PR-Journal"/"agenturcafé" können Sie kostenlos zum Kennenlernen drei Ausgaben von ETAGE MediaSelection über die E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. direkt formlos bestellen. Weitere Infos über ETAGE Publikationen und Kunst; Berlin, Telefon: (030) 3 27 52 10 oder (089) 39 02 12; Telefax: (030) 3 27 53 67; http://www.etage-info.de/ E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

In dieser Woche außerdem in "Etage Media Selection":

Konjunktur: Das durchschnittliche Arbeitseinkommen ist erstmals gesunken. Der Einzelhandel ist der Leidtragende

Steuern: Für Steuersünder sind Fristen ein ganz wesentlicher Punkt, damit sie einigermaßen ungeschoren davon kommen

Kommentare (1)Add Comment
Politiksponsoring a la Rüttgers und Tillich
geschrieben von Eberhard Wühle , März 09, 2010
Der Kommentar rückt Vieles richtig und stellt die Scheinheiligkeit zu Schau. Aber: er schiebt sich an den Kernpunkten der Aufregung vorbei. Politsponsoring ist (nicht nur im Wahlkampf NRW)etabliert, ob man es gut findet oder nicht. Das ist das eine. Es geht aber um das WIE. Hier ist nicht nur die Vertragsgrundlage für diese Form des Politsponsorings grenzwertig, sondern Partei- und Staatsfunktion wurden hübsch miteinander verwischt. Vieles spricht dafür, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Ist diese Trennung von Staats- und Parteifunktion ohnehin schwer genug, darf sie durch solche Aktionen nicht noch erschwert werden. Der politische Eintopf bekommt keinem parlamentarischen Abend gut.
Eberhard Wühle

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