Medien
Marienhof-Skandal muss Umdenken der Sender bewirken
- Details
- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Donnerstag, 02. Juni 2005 02:00
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
"Endlich durfte dieser offensichtliche Verstoß gegen alle rechtlichen und ethischen Vorgaben publik gemacht werden. Die Sender - allen voran die ARD - müssen aus diesem Skandal dringend Konsequenzen ziehen", forderte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken im Hinblick auf die in der ARD über Jahre hinweg praktizierte Schleichwerbung.
epd-Medien-Redakteur Volker Lilienthal hatte herausgefunden, dass Werbekunden über eine Münchner Beratungsagentur (H.+S.Unternehmensberatung/Kultur+Werbung) die Präsentation ihrer Produkte in den ARD-Serien "Marienhof" und "In aller Freundschaft" buchen konnten. Nach langen gerichtlichen Auseinandersetzungen hatte das Oberlandesgericht München im Sinne der "journalist"- und der "epd-Medien"-Redaktion geurteilt und die Veröffentlichung der Rechercheergebnisse erlaubt. Die ARD hatte die Berichterstattung über die aufgedeckte Schleichwerbung unterbinden wollen, weil Redakteur Lilienthal verdeckt recherchiert und mitgeschnittene O-Töne verwendet hatte.
Der DJV hatte das Verfahren in den letzten Jahren materiell wie auch mit juristischem Sachverstand intensiv unterstützt. Konken: "Unser Einsatz stand nie in Frage, denn es war ein Einsatz für den kritischen Journalismus." Die von Lilienthal praktizierte Art der Recherche müsse gerade in einem solch eklatanten Fall, bei einem klaren Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag, erlaubt sein. "Jedes andere Urteil wäre ein vernichtender Schlag gegen den investigativen Journalismus gewesen."
Der DJV-Vorsitzende forderte die Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf, ihre Sendungen kritisch unter die Lupe zu nehmen und die Werbefreiheit der Sendungen zu garantieren. "Wichtig ist, dass auch die Beiträge externer Produzenten kontrolliert werden. Alles was auch nur den Anschein von Product Placement oder Schleichwerbung hat, gehört gestrichen."
Quelle: DJV
Am letzten Wochenende erschien die neue Ausgabe des Medienmagazins "journalist" Nr. 6/Juni 2005. Darin wird auf den Seiten 10 - 21 ausführlich über den Fall berichtet: "Ein Herz für Schleichwerber", "Ein Maulkorb ohne Bestand" und "Schleichwerber sind nicht schutzwürdig". Es ist abenteuerlich, was dort steht - unbedingt lesen - auch alle PR-Menschen!!! Interessant sind auch entsdprechende Meldungen in "epd - medien", dem Branchendienst des evangelischen pressedienstes. Hier geht's zu den Berichten.



