Norbert: Gerüchte+Gerichte
Gerücht: Totgesagte (Hinterhertelefonierer) leben länger
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Montag, 26. April 2010 15:41
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
(nsb) - Manchmal stehen sie plötzlich da, quicklebendig, obwohl die Sicherheit groß war, die seien doch längst tot. Das gilt für fast vergessene Berühmtheiten, Stars aus großen UfA-Zeiten etwa, genauso wie für Graupensuppe und Hosen mit Schlag. Eine ganz besonders lästige Abart von Untoten begegnet mir immer aufs Neue. Diese Zombies tummeln sich in PR-Agenturen, Pressestellen und in meinen Seminaren.
Es sind die Hinterhertelefonierer, die Apologeten der Nachfassaktion. Immer wieder spiegelt sich in einem Gesicht ungläubiges Staunen, wenn ich davor warne, der Abdruckquote einer Pressenotiz durch Nachhaken in den Redaktionen auf die Beine helfen zu wollen.
Aber wen erreiche ich, wenn ich einer Pressemitteilung hinterher telefoniere? Im Zweifel einen völlig überforderten Redakteur, der sich nach drei, vier Tagen beim besten Willen nicht daran erinnern kann, was mit der Information geschehen ist. Oder einen Kollegen, der sich gerade mit einem vertrackten Text abmüht und den die Telefongeräusche aus der Konzentration reißen. Oder den Journalisten, der mitten in einer Recherche steckt und dringend einen Rückruf erwartet – und dann flötet ein junges Ding irgendwas von einer irre wichtigen PM ins Mikro. Oh, oh, oh – das kann zu lauten Reaktionen führen. Und zu Missmut gegenüber all diesen ahnungslosen PR-Tussis und -Fuzzis.
Viele Journalisten sind froh, dass sie in den Pressestellen, in den Agenturen und Beratern kompetente Ansprechpartner für ihre Neugier haben. Wenn durch unsinnige Aktionen aber der Verdacht genährt wird, dass jemand von redaktionellen Abläufen, personellen Engpässen, Terminnöten und Effizienzdruck entweder keinen Schimmer hat oder all dem völlig gleichgültig gegenüber steht: Dann sind alle Bemühungen der Öffentlichkeitsarbeiter nur noch lästig.
Das steht übrigens seit Jahrzehnten in jedem ernst zu nehmenden Lehr- und Ratgeberbuch für gute Medienarbeit. Das wissen auch alle, die diese Arbeit machen. Aber immer wieder knicken Agentur-Geschäftsführer ein, wenn der Kunde solche Telefonaktionen fordert; wird ja bezahlt. Und immer wieder herrscht über die Medienarbeit eines Unternehmens ein weitgehend fachfremder Hierarch – weiß alles über Marketing und Verkaufsförderung, hat aber nie eine Redaktion von innen gesehen.
Muss ja niemand – steht alles längst und X-fach wiederholt auf Papier. Könnte sich jemand auch angelesen haben. Aber die Untoten haben ja etwas autistisches, zumindest hat man noch niemand von denen lesen gesehen, jedenfalls in den entsprechenden Horrorfilmen. Machen einfach weiter auf lebendig, bis man Hackepeter aus ihnen macht. Ich habe mir sagen lassen, genau über diese Methode hat schon mancher Journalist nachgesonnen, wenn wieder einmal solche Anrufe zu ihm gedrungen waren …



