Pfeffer & Salz & Senf (Kolumne)

Salz: Die Bahn und ihre Krisenkommunikation: Stehen gelassen und dumm gelaufen

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(oder: Die gruseligsten Satiren schreibt das Leben selbst)

Fakt: Mutter mit zwei kleinen Kindern will am Bahnhof Andernach den Zug verlassen. Sie steigt aus und hebt eines der beiden Kleinen auf den Bahnsteig. Das andere Kleinkind steht, wartend auf Mamas Arme, in der offenen Tür. Die Türen des Zuges schließen sich, die Bahn fährt ab. Mutter und Kinder schreien, eine Frau im Innern des Zuges nimmt sich des mitgenommenen an. Mama alarmiert einen Bahnangestellten am „Service Point“ im Bahnhof, organisiert sich einen Pkw und rast dem Zug bis Remagen nach. Dort ist Wiedervereinigung. Die Lokalzeitung berichtet und zitiert:

Mutter Rachele Bassotto: „Einfach ungeheuerlich, es kann doch nicht sein, das innerhalb so kurzer Zeit die Türen einfach zugehen!“ (und der Zug losfährt).

Gerd Felser, Pressesprecher der Deutschen Bahn AG in NRW: „Wenn fünf Sekunden lang niemand aus- oder einsteigt, schließt sich die Tür an den Zügen automatisch. Sind alle Türen zu, erhält der Zugführer ein Zeichen, verriegelt die Türen und fährt los.“

Redakteurin Sabine Cibura: Reichen fünf Sekunden, für Gäste mit Kindern, Kinderwagen, Gepäck (oder Gehbehinderung)?
Pressesprecher: „Man muss das System kennen, die Türen bleiben einfach nicht ewig auf. Nur, wenn man sich in den Türeingang stellt oder diesen irgendwie blockiert, schließen sie nicht.“ Und: „Die Mutter hätte beispielsweise einen Fahrgast bitten können, die Tür für sie offen zu halten, sofern einer in der Nähe ist.“

Redakteurin: Es passiere aber, sagt der Pressesprecher, „immer mal wieder“, dass es zu solchen Zwischenfällen komme. Auch dass das Kind auf dem Bahnsteig, die Mutter aber noch im Zug stand, sei schon vorgekommen. Dennoch, das System an sich sei in Ordnung und auch nicht anders als in Straßenbahnen, so der Sprecher.

Mutter: „Der Zug hatte schon vier Minuten Verspätung. Meiner Meinung ein Grund mit dafür, dass der Fahrer so schnell wieder weiterfuhr.“

Pressesprecher: „Sicher, wenn die Bahn in Verzug ist, sieht der Zugführer schon zu, dass er schnell weiterkommt.“
Das mitgenommene Kind: „Mama, ich will nicht mehr mit der Bahn fahren.“

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , Andernach

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12. Februar 2012 - 22:50

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