Pfeffer & Salz & Senf (Kolumne)
Ein Volk ohne Vorbilder ist wie eine Pizza mit Analogkäse: Der Klage wert
Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 29. August 2009 um 17:19 Uhr Montag, den 17. August 2009 um 17:38 Uhr
Wirtschaftsführer, Banker und Politiker haben als Vorbilder der Verhaltenskultur fürs Volk weitgehend ausgedient. Es sei denn, der mittelständische Inhaber geht in seinem Alltag mit gutem Beispiel voran, hält trotz aller Krisen das Geld und die Belegschaft zusammen. Gibt es noch den Banker, der von seiner Ethik überzeugt in den Spiegel schauen und seinen Kindern erzählen mag, welchen Beruf er hat? Der Politiker, der im wahrsten Sinn des Wortes vorbildlich seinen Job macht und vor und nach den Wahlen den Menschen Orientierung gibt, den wird man möglicherweise noch finden. Was derweil bei den Leuten unausgesprochen ankommt, das sind Wort- und Bild-Botschaften wie „Die da oben: wenig Leader, manches Luder, viele Luschen“.
Die Leute in unserem Gute-Laune-Land freilich scheinen die weithin fehlende Kommunikation über das Gute und Schöne in Deutschland nicht zu vermissen. Von wegen Sozialverhalten: Die Masse hat ja sich selbst, was kümmert sie die anderen? Wo gesellschaftliche Aufmerksamkeit, Anspruch, Akkuratesse, Ansprache und Ansage fehlen, da kann man sich wohl rund um die Uhr öffentlich gehen lassen, sich asozial im Kreise drehen, anderen ohne Rücksicht auf die Füße treten, ihnen ohne Vorsicht den Weg abschneiden, die Vorfahrt nehmen oder die Tür vor der Nase zuknallen. Man kleidet sich - dieser späte Sommer fordert es wohl geradezu heraus - schamlos schlecht, belästigt andere mit Anblicken nackter Bäuche, weißer Socken und schlappigen Sandalen, Jeansoberkante runter bis auf die Symphyse.
Man schlingt im Schlendern Fastfood-Pizza mit Analogverdacht in sich rein, schlabbert und lungert herum. Nichtraucher trauen sich erst gar nicht mehr, sich draußen zu platzieren, weil vor den Geschäften und auf den Eisdielen-Bürgersteigen und Restaurantterrassen die Raucher im Wolken ihr Gift ablassen. Egoismen wie diese sind Symptome der bei nicht wenigen Bürgern durchgängigen LmaA-Haltung, die uns schon jetzt, und erst recht über die Generationen der Heranwachsenden hinweg, wohl teurer kommt als eine bankrottgegangene Bank. Den haltlosen Menschen um uns herum scheint zunehmend alles egal: Ohne Führung keine Contenance, kein Benehmen, keine Ziele, keine Richtung. Hoffentlich wird bald Winter, dann merkt man das alles nicht so.
Mathias Scheben, Kommunikationsberater, Andernach

geschrieben von Ralph Dalibor , August 18, 2009
geschrieben von Scheben , August 20, 2009
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