Pfeffer & Salz & Senf (Kolumne)

Ein Volk ohne Vorbilder ist wie eine Pizza mit Analogkäse: Der Klage wert

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Wirtschaftsführer, Banker und Politiker haben als Vorbilder der Verhaltenskultur fürs Volk weitgehend ausgedient. Es sei denn, der mittelständische Inhaber geht in seinem Alltag mit gutem Beispiel voran, hält trotz aller Krisen das Geld und die Belegschaft zusammen. Gibt es noch den Banker, der von seiner Ethik überzeugt in den Spiegel schauen und seinen Kindern erzählen mag, welchen Beruf er hat? Der Politiker, der im wahrsten Sinn des Wortes vorbildlich seinen Job macht und vor und nach den Wahlen den Menschen Orientierung gibt, den wird man möglicherweise noch finden. Was derweil bei den Leuten unausgesprochen ankommt, das sind Wort- und Bild-Botschaften wie „Die da oben: wenig Leader, manches Luder, viele Luschen“.

Die Leute in unserem Gute-Laune-Land freilich scheinen die weithin fehlende Kommunikation über das Gute und Schöne in Deutschland nicht zu vermissen. Von wegen Sozialverhalten: Die Masse hat ja sich selbst, was kümmert sie die anderen? Wo gesellschaftliche Aufmerksamkeit, Anspruch, Akkuratesse, Ansprache und Ansage fehlen, da kann man sich wohl rund um die Uhr öffentlich gehen lassen, sich asozial im Kreise drehen, anderen ohne Rücksicht auf die Füße treten, ihnen ohne Vorsicht den Weg abschneiden, die Vorfahrt nehmen oder die Tür vor der Nase zuknallen. Man kleidet sich - dieser späte Sommer fordert es wohl geradezu heraus - schamlos schlecht, belästigt andere mit Anblicken nackter Bäuche, weißer Socken und schlappigen Sandalen, Jeansoberkante runter bis auf die Symphyse.

Man schlingt im Schlendern Fastfood-Pizza mit Analogverdacht in sich rein, schlabbert und lungert herum. Nichtraucher trauen sich erst gar nicht mehr, sich  draußen zu platzieren, weil vor den Geschäften und auf den Eisdielen-Bürgersteigen und Restaurantterrassen die Raucher im Wolken ihr Gift ablassen. Egoismen wie diese sind Symptome der bei nicht wenigen Bürgern durchgängigen LmaA-Haltung, die uns schon jetzt, und erst recht über die Generationen der Heranwachsenden hinweg, wohl teurer kommt als eine bankrottgegangene Bank. Den haltlosen Menschen um uns herum scheint zunehmend alles egal: Ohne Führung keine Contenance, kein Benehmen, keine Ziele, keine Richtung. Hoffentlich wird bald Winter, dann merkt man das alles nicht so.

Mathias Scheben, Kommunikationsberater, Andernach

Kommentare (2)Add Comment
Und was machen wir mit diesen vielen Negationen?
geschrieben von Ralph Dalibor , August 18, 2009
Der Text liest sich leicht und locker - Dafür ein großes DANKE! Doch leider hört er an der Stelle auf, an der er beginnen sollte. Was und wem nützt eine nette Beschreibung von Zuständen, die jeder nach einem Blick in die Runde selbst schnell erkennt? Gar nichts! Welche Ziele sollen mit welchen Mitteln erreicht bzw. umgesetzt werden? Leider im Text keine Antwort zu finden. Damit reiht sich der Text ein, in eine lange Liste von Klagen über die ach so schlecht gewordene Zeit. Doch ohne Lösungsangebot unterscheidet sich der Text nicht grundsätzlich von den beschriebenen negativen Zuständen. Schade! Chance nicht genutzt und dem Leser die Zeit geraubt.
Aller Anfang ist schwer
geschrieben von Scheben , August 20, 2009
Danke für das Feedback. "Zeit geraubt" stimmt so sicher nicht, sonst hätten Sie sich nicht weitere Zeit genommen, zu antworten. Lösungsangebote? Da reicht der Rahmen einer Glosse nicht. Obendrein: Redakteure können die Welt nicht retten, das ist - auch wenns manchmal so versucht weird - auch nicht ihre Aufgabe. Aufgeben sollten wir aber dennoch nicht. Vielleicht hat ja ein weiterer Kommentator doch einen Lösungsansatz. Wäre schön.

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