Pfeffer & Salz & Senf (Kolumne)
Kleines Abendessen mit dem Bundeskabarett
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 06. September 2010 um 21:47 Uhr Freitag, den 27. August 2010 um 15:28 Uhr
Sie mögen sich das nicht vorstellen, aber stellen Sie sich vor, Sie gewinnen ohne Wollen das kleine Abendessen mit einem Mitglied des Bundeskabinetts. Was nun?
Erste Wahl, der Logik wegen, ist Ronald Pofalla, weil zuständig für besondere Aufgaben und tagsüber ganz nah bei Merkel. Ein interessanter Gesprächspartner also, falls Sie lange Vokale mögen und nicht zu Wort kommen wollen. Dirk Niebel leitet als BM für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung das Ministerium, das er abschaffen wollte. Nun darf er viel reisen, hat gerade im fernen Land streng riechende Milch geschluckt („Schmeckt im Abgang nach Stall“). Inzwischen ist er dermaßen an Exotisches gewohnt, dass eine Einladung in die „Nordsee“ reicht. Er soll aber bitte im Laden bei Tisch seine Sonnenbrille abnehmen. Bei Annette Schavan, das ist die von Bildung und Forschung, denken Sie bitte ans Tischgebet, sonst gibt’s charmanten Ärger.
Mit Norbert Röttgen, dem Dunkelgrünen von der CDU für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, reichen Sie kalte Platten, damit er sich auf das Deutschland ohne Strom schon mal vorbereiten kann. Verkehrs-, Bau und Stadtentwicklungsminister Peter Ramsauer wird zu spät kommen oder gar nicht, weil im ICE kollabiert. Für Gesundheitsminister Philipp Rösler reservieren Sie den Tisch in einer versteckten Ecke, damit ihn niemand anpöbelt. Legen Sie ihm Legosteine zum Spielen oder Werfen bereit. Der Kindertisch geht an Kristina Schröder, der jungen Frau für Familie und so. Lassen Sie das Mädchen plappern, wird eh nichts draus.
Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg fühlt sich im Sternerestaurant wohl wohl, und lässt auch für Sie den Zwischengang weg. Denn „weniger isst mehr“ und Sie können besser mitschreiben, was er sagt. Ilse Aigner vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bitten Sie am besten zunächst zum mediengerechten Marktrundgang vor Ort und kochen ihr dann was aus deutschen Landen zuhause. Promi-Dinner mit Homestory einmal anders. Ursula von der Leyen bringt ihre Rasselbande mit, denken Sie an die Kindersitze, Spielzeug und reservieren Sie wegen des Leyen-Lärms das Lokal am besten ganz für sich. Dann hat das Personal nicht so viel Arbeit.
Rainer Brüderle kennt sich als Schmecklecker in der Wirtschaft aus, fröhliches Schlotzen im Weinlokal reicht, dazu Käse und Volksmusik. Finanzminister Schäuble wird penibel auf einen ordnungsgemäßen Beleg achten, mehr Entertainment geht nicht. Justiz-Sabine mit dem langen Doppelnamen schwärmt von ihrem seinerzeitigen Rücktritt und dürfte die Fußfessel an Ihnen ausprobieren, Thomas de Maizière belässt es bei Innereien.
Guido Westerwelle, fürs Äußere zuständig, macht als Parteichef auf Abruf lieber sein Handy aus. Er bleibt an der Bar sitzen und starrt auf das für ihn unerreichbar Hochprozentige in den Flaschen rundum. Vorsicht vor der Chefin: Sie setzt sich mit dem Rücken zur Wand, schlägt den Koalitionsvertrag auf, merkelt am Text und bestellt ungebeten für Sie gleich mit. Am Ende bedankt sie sich für die Einladung und lässt Sie bezahlen. Wie immer.
Mathias Scheben, Kommunikationsberater, Rengsdorf, www.scheben-kom.de

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