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Nolte: Der Kampf um Aufmerksamkeit

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Rezensent: Thomas Mavridis, PR-Verantwortlicher der Geberit Vertriebsorganisation Deutschland, Lehrbeauftragter für PR an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Homepage www.mavridis.de, E-Mail mail@mavridis

Tag für Tag werden unzählige Offerten in den Massenmedien gemacht: Nachrichten, Unterhaltung, Kaufaufforderungen. Doch der Informationsflut steht eine knappe Ressource in der von einem Überangebot potenzieller Informationen geprägten Gesellschaft gegenüber: Aufmerksamkeit. Um sie buhlen Medien, Wirtschaft und Politik. Wer oder was öffentlich beachtet wird, erfährt eine Aufwertung und damit einen Zuwachs an Macht. So lautet die zentrale These der PR-Beraterin Kristina Nolte in ihrem Buch, mit dem sie das mediale Ringen um Aufmerksamkeit beleuchten will.

Auf 174 Seiten zeigt Kristina Nolte mit vielen Anmerkungen, Zitaten und Querverweisen, dass sie einen sehr ernsten und um Vollständigkeit bemühten Diskurs wagt. Ihr Buch besteht aus vier Teilen. In Teil 1 stellt sie diverse Theorien der Aufmerksamkeit vor, die in Gründzügen bereits einen Kampf um gesellschaftliche Anerkennung sichtbar machen: Wer wahrgenommen wird, den gibt es.

Im zweiten Teil stellt die Autorin das Konzept der „Ökonomie der Aufmerksamkeit“ von Georg Franck vor und erörtert Aufmerksamkeit in kognitiver Hinsicht. Im Mittelpunkt der Diskussion steht das Problem der Komplexität, der Knappheit und der begrenzten Rationalität sowie Konzepte zur Komplexitätsreduktion.

Im dritten Teil diskutiert Nolte, wie Reize konstruiert sein müssen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Dabei zeigt sie, wie Mechanismen zur Aufmerksamkeitsattraktion funktionieren, welche Rolle die Medien spielen, wie Wirtschaft und Politik davon beeinflusst werden und welche Strategien die Akteure anwenden. Schnell wird deutlich, dass das Kommunikationsmanagement immer auch Aufmerksamkeitsmanagement ist, mittels dessen versucht wird, eine Organisation oder eine Person, deren Standpunkte und Leistungen in öffentliche Diskurse einzubringen.

In Teil 4 widmet sich Nolte in einer Fallanalyse dem politischen Wirken des 2003 verstorbenen Politikers Jürgen W. Möllemann, der besonders stark auf der Klaviatur der Medien um Aufmerksamkeit gebuhlt hat. Die Autorin untersucht die Chronik seiner Karriere, insbesondere den dramatischen Zeitraum von 2000 bis 2003, mit den Schwerpunkten Landtagswahlen in Nordrhein-Westfallen, „Strategie 18“ und Flugblatt-Affäre.

Kristina Nolte ist nicht wirklich genau im Detail. Ihre Belege reichen fast immer nur bis zur Plausibilität. Sie interessiert sich eben für den großen Bogen. Das mag man an manchen Stellen bedauern, es kommt aber mehr oder minder der Lesbarkeit zugute. Gerade die Breite der Thematik macht das Buch auch für Leser anregend und spannend, die nicht aus der Kommunikationswissenschaft oder Soziologie kommen. Für sie ist das Buch ein guter Einstieg in eine anregende Deutung gesellschaftlicher Vorgänge.

Spannend, gehaltvoll und erkenntnisreich ist Kristina Noltes Buch zum Kampf um Aufmerksamkeit, den sich Medien, Wirtschaft und Politik täglich liefern. Die Lektüre ist für alle, die sich mit dem Thema auseinander setzen wollen oder müssen, sehr lohnenswert.

Kristina Nolte: Der Kampf um Aufmerksamkeit - Wie Medien, Wirtschaft und Politik um eine knappe Ressource ringen; Campus Verlag, Frankfurt am Main; 2005; 188 Seiten; Preis: 24,90 €. ISBN: 3-593-37904-X.

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05. Februar 2012 - 15:54

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