Rezensionen + Buch-Tipps

Ebersbach/Glaser/Heigl: Social Web

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Ebersbach, Anja; Glaser, Markus; Heigl, Richard (2008): Social Web. Verlag: UTB/UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz. 278 Seiten. Preis: 19,90 Euro. ISBN: 978-3-8252-3065-4.
Rezension von Katja Fürstenau, PR Plus GmbH, Heidelberg

Wieso schreibe ich eine Rezension zu einem Buch, das bereits 1 ½ Jahre alt ist? Und dann noch zu einem Buch über das "Social Web", von dem man meinen könnte, dass es veraltet ist, kaum ist es publiziert? Ganz einfach: "Social Web" von Anja Ebersbach, Markus Glaser und Richard Heigl war in den letzten 18 Monaten bei meinen Recherchen zur Online-PR mein ständiger Begleiter, doch habe ich es erst jetzt geschafft, es von vorne bis hinten zu lesen.

Und: "Social Web" ist immer noch aktuell, auch wenn Programme sich weiter entwickelt, bestimmte Anwendungen an Dominanz gewonnen, andere dahinter zurück getreten sind. In weiten Teilen hat das Buch etwas zeitloses, da es Strukturen, Prinzipien, Prozesse und mehr erklärt.

So ist "Social Web" es allemal wert, dass ich auch 1 ½ Jahren nach Erscheinungstermin noch eine Rezension darüber schreibe, um den Titel weiterzuempfehlen. Und damit nehme ich das Fazit eigentlich schon vorweg.

Ebersbach et al. wagen sich an einen Spagat zwischen Theorie und Praxis, zwischen Strategie und Technik, der meist, aber nicht immer gelingt – in manchen der Kapitel besser, in manchen weniger gut. Manchmal 'scheitern' die Autoren in der selbst eingeforderten Wissenschaftlichkeit schon daran, dass sich noch keine festen sprachlichen Übereinkünfte herausgebildet haben – und so fragen sie sich auch selber: "Warum heißt das Buch eigentlich nicht 'Web 2.0'"? Dem Buch tut dies jedoch keinerlei Abbruch, denn Begriffe kann man erklären – und dies machen die Autoren in vier Hauptkapiteln und einem Glossar am Ende:

Das erste Kapitel gibt einen schönen Überblick über die Geschichte des Internets, das wir alle zwar mit der größten Selbstverständlichkeit nutzen, über dessen Entstehung sich vermutlich aber kaum einmal jemand Gedanken gemacht hat. In diesem Kapitel wird vor allem eines klar: das Social Web, Communities, Web 2.0 - welches der modernen Schlagworte man auch verwenden möchte – ist keinesfalls neu, sondern immer schon in der Grundidee des Internet und des World Wide Web angelegt. Der Blick in die Vergangenheit stellt diese Bezüge anschaulich her.

Das zweite Kapitel – "Praxis des Social Web" – stellt unterschiedliche Anwendungen und deren Einsatzmöglichkeiten vor. Schwerpunkte sind "Wikis", "Blogs", "Social Networks" und "Social Sharing". Dass Twitter zu kurz kommt, liegt allein daran, dass der Microblogging-Dienst damals noch nicht besonders populär war. Dieses Kapitel ist lesenswert und verständlich für Themenneulinge; aber auch aktive Online-Kommunikatoren finden sicherlich Hinweise auf bislang unbekannte Tools oder interessante Anwenderbeispiele.

Problematisch ist der Abschnitt zur "Technik des Social Webs", der für den Laien in Teilen wohl sehr schwer verständlich sein dürfte, für die 'Techies' hingegen langweilig. Und das tolle am Social Web ist ja gerade, dass man über AJAX und APIs, Programmiersprachen, Frameworks und Mikroformate eben nicht Bescheid wissen muss, um selber aktiv zu werden; da kann man nachwievor Dienstleister hinzuziehen. – Dies ist ein Spagat, der nicht so gut gelingt.

Sehr gute Einsichten und Denkanstöße liefert wiederum das dritte Kapitel: "Theorie des Social Web". Zwar stoßen die Autoren hier als auch in den voranstehenden Kapiteln immer wieder einmal an theoretische Grenzen, weil es, wie sie selber schreiben, noch wenig Forschung in dem Bereich gibt: fundiert wissenschaftliche Untersuchungen zu Social Media-Nutzern und -Nutzung fehlten zum Veröffentlichungszeitpunkt noch weitgehend, inzwischen gibt es schon mehr Publikationen und Studien. Interessant sind jedoch die eigenen Überlegungen des Trios zu "Gruppenprozessen" und "Gesellschaftlicher Bedeutung" des Social Web, das ja bekanntlich seine ganz eigene Dynamik hat.

Etwas irreführend ist die Überschrift des Kapitels, denn es geht auch hier in weiten Teilen sehr praxisbezogen zu: es geht um die eigene, persönliche Online-Präsenz, die Etablierung einer Community, um rechtliche Dinge, die es zu beachten gilt und Gefahren, die das Social Web durch zu viel Offenheit oder den zu sorglo-sen Umgang mit Daten birgt, seien es die eigenen oder gar fremde, die unter Urheber- oder Persönlichkeits-rechte fallen.

Einige Seiten sollten im Rahmen der Diskussion um Datenschutz und Medienerziehung von Kindern und Jugendlichen zur Pflichtlektüre werden, da sie so anschaulich die Spuren beschreiben, die wir alle im Netz hinterlassen: so die Geschichte des Nutzers "SorgenFrei", dessen Identität "Herr Neugier" bis zu Wohn- und Arbeitsort weiterverfolgen kann, ausgehend von einer Rezension auf Amazon.

Ein sehr kurzes Abschlusskapitel liefert einen Blick in die Zukunft und stellt die Frage nach der Entwicklung von Web 3.0. Das ist vom Gesamtaufbau des Buches her konsequent und hat daher auch seine Berechtigung. Allerdings wird das "semantische Web" sicherlich seine eigenen Erklärungsansätze und Publikationen mit sich bringen. Auf lediglich vier Seiten lässt sich hierzu nicht wirklich viel sagen.

Fazit: Alles in allem bietet "Social Web" zwar einige theoretische Hintergründe, ist vor allem aber doch ein sehr praxisnahes Buch und daher jedem zu empfehlen, der in diesem Bereich beraterisch und operativ tätig ist. Die Bandbreite der Informationen, der besprochenen Anwendungen und Webseiten ist so vielfältig, dass "Social Web" vermutlich noch eine Weile mein ständiger Begleiter bleiben wird.


Die Rezensentin:
Katja Fürstenau studierte Anglistik, Germanistik und Deutsch-als-Fremdsprache (DaF) an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Diverse Lehrtätigkeiten im Bereich DaF und Kommunikation, aktuell bei oef-fentlichkeitsarbeit.de zum Thema Online-PR. Parallel zu einer mehrjährigen Tätigkeit in einer PR-Agentur absolvierte sie das PR Plus-Fernstudium zur PR-Beraterin (DPRG). Sie ist außerdem ausgebildete Tele-Tutorin und Expertin für neue Lerntechnologien und Co-Autorin des Standardwerks "Die PR- und Pressefibel" von Norbert Schulz-Bruhdoel (F.A.Z-Buch). Seit 2001 arbeitet sie bei PR Plus und verantwortet die Online-Redaktion inkl. E-Learning, die wissenschaftliche Redaktion und die PR- und Medienarbeit mit Schwerpunkt Presse und Online-Kommunikation.

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12. Februar 2012 - 08:21

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