Social Media

M. Kroker: Über soziale Netzwerke kann man Zielgruppen ansprechen, die auf herkömmlichem Wege schwer zu erreichen sind

Michael Kroker

Michael Kroker

Michael Kroker ist langjähriger Journalist bei der "WirtschaftsWoche", Düsseldorf und führt das Blog "Kroker’s Look @ IT". Nadja Amireh (Inhaberin der Agentur get noticed!, Düsseldorf/Köln) hat ihn u.a. dazu befragt, ob Blogger genauso wie Journalisten behandelt werden sollen.  

1. Sie sind Journalist und Blogger. Was halten Sie von der Fragestellung bzw. der wieder aktuellen Diskussion, ob Blogger genauso wie Journalisten behandelt werden sollten?
Ich finde diese Unterscheidung letztlich künstlich. Ob ich eine Story in der gedruckten „WirtschaftsWoche“, auf WiWo.de oder dem unter der WiWo-Homepage laufenden Blog „Kroker’s Look @ IT“ veröffentliche, ist für mich letztlich nur eine Frage des unterschiedlichen Distributionsweges. Manches eignet sich aufgrund der Länge oder den Hintergründen eher im Magazin, anderes aufgrund Geschwindigkeit oder Prägnanz eher im Blog. Davon abgesehen mache ich bei den Qualitätsmaßstäben oder dem journalistischen Handwerkszeug keine Unterschiede – egal, wo eine Story letztlich läuft. Sofern ein „reiner“ Blogger das beherzigt, sollte er daher meines Erachtens auch genauso behandelt werden wie ein Journalist.

Nebenbei bemerkt: Mich nerven die andauernden Scharmützel zwischen beiden Gruppen – hier die „neuen, innovativen Blogger“, dort die „langsamen, ewig gestrigen Totholz-Vollschreiber“. Denn irgendwie haben sich beide Fraktionen seit Jahren in ihren virtuellen Schützengräben eingebuddelt und liefern sich einen verbalen Stellungskampf, der letztlich zu keinerlei Erkenntnisgewinn führt. Oft denke ich dann: Leute, labert weniger, und macht einfach!

2. Wo sehen Sie die Chancen und Herausforderungen der neuen Medien für die Wirtschaftswoche?
Die große Chance für die WirtschaftsWoche – wie für jedes andere, nennen wir es mal Traditionsmedium: Über die sozialen Netzwerke kann man Zielgruppen ansprechen, die auf herkömmlichem Wege schwer zu erreichen sind. Und die schnellen und direkten Kommunikationsmöglichkeiten liefern Einblicke in die Wünsche von Lesern und Interessenten, die auch mit Marktforschung schwer zu erzielen sind.
Darin liegt aber gleichzeitig auch die große Herausforderung: Denn jeder Teilnehmer im Social Web muss begreifen, dass dort anders kommuniziert wird: Nicht mehr ex cathedra, sondern indem man andere Teilnehmer ernst nimmt und auf Augenhöhe interagiert. Das gilt für die WirtschaftsWoche als Medium, aber auch jeden einzelnen Journalisten, der sich mit einem beruflichen Anspruch in die sozialen Netzwerke begibt.

3. Welche Trends im Social-Media-Bereich finden Sie spannend?
Nachdem ich seit rund drei Jahren Bloggen und soziale Netzwerke eng in meinen beruflichen Tagesablauf integriert habe, finde ich es bemerkenswert, wie sehr ich davon mittlerweile profitiere. Während ich anfangs noch befürchtet habe, dass ich möglicherweise „zeitlich draufzahle“, gibt es mittlerweile Felder, auf denen ich durch soziale Netzwerke sogar schneller und effizienter bin, etwa wenn es um den Nachrichten-Bezug geht. Und natürlich geht’s bei sozialen Netzwerken letztlich um Menschen und die Kommunikation mit ihnen – da ist’s immer wieder spannend, wenn man einen ursprünglich rein virtuellen Bekannten dann auch mal im realen Leben trifft.

4. Wie sieht Ihr Tagesablauf als Journalist und Blogger aus?
Einen festen Tagesablauf habe ich ehrlich gesagt nicht – dafür passieren auch immer zu viele Dinge, auf die man reagieren muss, und da wäre ein allzu starres Korsett auch nur hinderlich. Ich nutze aber insbesondere den Kurznachrichtendienst Twitter seit Mitte 2009 als eine Art „Nachrichtenzentrale im Internet“. So heißen: Ich habe schon seit Jahren alle Newsletter etc. für mein Themengebiet ITK-/Internet-Unternehmen abbestellt und beziehe eigentlich alle News zentral über Twitter.
Entsprechend folge ich dort vor allem Wirtschafts- und IT-News-Organisationen, seien es traditionelle Medien wie „FAZ“, „Wall Street Journal“ oder „New York Times“, seien es High-Tech-Blogs wie „TechCrunch“, „The Verge“ oder „Business Insider“, um nur einige zu nennen. Aus diesem Grund läuft mein Twitter-Client Tweetdeck im Prinzip den ganzen Tag auf einem Zweibildschirm. Das heißt nicht, dass ich alle fünf Minuten da drauf starre – aber schon regelmäßig.

5. Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept für Social Media, von dem auch andere Journalisten und Blogger lernen können?
Ich möchte mich hier ehrlich gesagt ungern als Lehrmeister aufschwingen, schließlich hat jeder individuelle Bedürfnisse – und auch Fähigkeiten – in Sachen Kommunikation und Social Media. Eins kann ich aber aus meiner gut dreijährigen Erfahrung schon sagen: Wenn man sich in die sozialen Netzwerke begibt, sollte man es mit einem gewissen Ernst tun, also das Medium und dessen Protagonisten ernst nehmen. Letzteres ist vermutlich das Wichtigste: Ehrlich, offen und authentisch mit den Menschen bei Twitter, Facebook, Google+, im Blog oder sonst wo kommunizieren – alles andere kommt dann quasi von selbst… ;-)

Kommentare   

 
#1 Ali Yildirim 2012-07-04 14:41
Schade, hätte mir ein spannenderes Interview gewünscht.
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(nsb) Unser Fischgang stützt sich auf Zander, den größten der Flussbarsche. Der bisweilen über einen Meter lange Raubfisch lebt wild in den Gewässern vom Rhein bis zum Ural; heute kommen viele Exemplare aber aus Zuchtfarmen in Spanien. Der elegante Schwimmer hat viele Namen – in Niederbayern nennt man ihn Schill, die Oberbayern, Österreicher und Ungarn kennen ihn als Fogosch.
Der Zander erfreut sich zunehmender Beliebtheit in der gehobenen Küche, weil sein weißes, festes Fleisch vielerlei Zubereitungsarten duldet und relativ grätenarm ist.

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Lesehinweise

Abschied vom Champagner-Image

PR und Kommunikation erreichen die Vorstandsebene und werden immer strategischer. Lange hat es ja gedauert. Seit ich denken kann, war das Image von PR und die damit in Verbindung stehenden Aufgaben von Champagner schlürfenden, Parties feiernden Quasselstrippen geprägt, die angeblich nichts zum Unternehmenswert beitrugen. PR gehörte irgendwie dazu. Echten Mehrwert konnten die wirtschaftlich denkenden Unternehmensleiter oft nicht erkennen. Mussten Budgets gesenkt werden, ging es dann auch oft zuerst den PR-Verantwortlichen an den Kragen.

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Karrierebarometer

Karrierebarometer Juni 2013: Welches Image haben die Top-Ten-Agenturen in der Branche?

In der aktuellen Befragung des Karrierebarometers von "PR-Journal" und "PR Career Center" möchten wir wie schon 2012 wissen: Welches Image haben die Top-Ten-Agenturen in der Kommunikationsbranche? Dabei fragen wir die Teilnehmer, welche Attribute sie zehn führenden Agenturen in Deutschland zuordnen. Die Zusammenstellung der Top-Ten-Liste basiert dabei auf dem kürzlich vom "PR-Journal" veröffentlichten PR-Agentur-Ranking 2013.
Gefragt wird nach Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Gehalt, Aufstiegschancen, Arbeitsklima und Arbeitsplatzsicherheit. Jeder Teilnehmer hat darüber hinaus die Möglichkeit, seinen persönlichen Agentur-Favoriten – auch unabhängig von der Top-Ten-Auswahl – zu bewerten.
Hier geht’s zum Fragebogen: http://de.surveymonkey.com/s/YWCCRRL
Das Karrierebarometer ist ein gemeinsamer Service des PR Career Centers und des Internetportals „PR-Journal“. Der Anspruch ist nicht, repräsentative Ergebnisse zu liefern – die Erkenntnisse aus den Befragungen sollen vielmehr dazu beitragen, insbesondere Young Professionals in der PR-Branche bei ihrer beruflichen Weichenstellung zu unterstützen. Die Ergebnisse bisheriger Umfragen können hier eingesehen werden.

Bildung

Depak veröffentlicht E-Learning- und Studienprogramm 2013/14

Das Weiterbildungsprogramm 2013/14 der Deutschen Presseakademie (Depak), Berlin, ist erschienen. Die Möglichkeiten, sich praxisnahes PR-Wissen anzueignen, sind vielfältig. Die Deutsche Presseakademie hält seit zehn Jahren ein breites Fortbildungsangebot bereit. Mit über 60 Themen bietet das Seminarprogramm ein reichhaltiges Angebot aus praktisch allen Feldern der PR an. Flexible und ortsunabhängige Weiterbildungsmöglichkeiten stellt das E-Learning-Programm der Deutschen Presseakademie. Drei unterschiedliche PR-Studiengänge orientieren sich am Wissenstand der Teilnehmer und sind für PR-Neulinge und Quereinsteiger sowie für berufserfahrene PR-Praktiker geeignet. Weitere Informationen zum Weiterbildungsprogramm 2013/14 finden sich direkt auf der Website der Deutschen Presseakademie.

Studien

Studie zu Lobbyismus von Burson-Marsteller

Unterschiedliche Einschätzungen zu Lobbyismus: Während deutsche politische Entscheider Lobbying vergleichsweise kritisch sehen, empfindet hingegen europaweit eine große Mehrheit der Abgeordneten und Beamten eine gezielte Interessenvertretung als hilfreich; vorausgesetzt, sie ist transparent und erfolgt nach ethischen Maßstäben. Den größten Vorteil von Lobby-Aktivitäten sehen die Politiker darin, dass verschiedene gesellschaftliche und wirtschaftliche Perspektiven in den politischen Prozess einfließen können. Zugleich werden die meisten Lobbygruppen als relativ transparent wahrgenommen. Dennoch sollte Lobbying in Zukunft stärker reglementiert werden, so die Meinung der politischen Entscheider. Dies sind Ergebnisse einer europaweiten Studie, für die Burson-Marsteller, Berlin, mehr als 600 Abgeordnete und Beamte der Europäischen Union (EU) sowie Politiker auf nationaler Ebene in 19 Ländern Europas befragte. „Effective Lobbying in Europe – The View of Policy Makers“ ist bereits die fünfte Untersuchung zum Thema Lobbying der internationalen Agentur für Public Relations und Public Affairs. Weitere Einzelheiten zur Studie und das Download-Angebot finden sich in englischer Sprache auf einer Website zur Studie.

Tipps

BdP veröffentlicht Publikation mit neuen Aufgabenprofilen für Kommunikationsmanager

Wenn zunehmend alle Mitglieder einer Organisation nach außen kommunizieren, stellt das die Kommunikationsabteilungen vor neue Herausforderungen. Dies untersucht die frisch erschienene Publikation mit dem Titel „Befähigen, Beraten, Umsetzen“. Autorin Neele Franke analysiert darin neue Aufgabenprofile für Kommunikationsmanager in ganzheitlich kommunizierenden Organisationen. Neben ihren herkömmlichen Aufgaben müssten sie vermehrt auch andere Mitarbeiter mit Kommunikationskompetenzen ausstatten, so Franke. Damit wandelten sich die Fachabteilungen hin zu einer internen Beratungsinstanz. Das erfordere auch einen Wandel im Selbstverständnis von Kommunikationsverantwortlichen und eine Erweiterung des Aufgabenprofils, besonders um den Aspekt des Befähigens.

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Termine

Schreibkultur für Unternehmen

„Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen.“ Was Mark Twain nicht sagte: Wie bringe ich ein Unternehmen dazu, die richtigen Wörter zu verwenden? Diese Frage beantwortete Markus Ruppnig, Partner der Textfrische-Agentur wortwelt®, auf der Sitzung des DPRG/VRdS Arbeitskreises „Sprache und Unternehmenskultur“ am 6. Juni in den Räumlichkeiten von Hering Schuppener in Frankfurt am Main. In seinem Vortrag „Unternehmen Sprache – wie Sie eine Schreibkultur für Ihr Unternehmen entwickeln und langfristig verbessern“ hat Ruppnig die einzelnen Phasen erläutert, wie eine Markensprache entwickelt und implementiert wird. Weiterlesen auf der DPRG-Website.

STAMM Medien-News

Stamm Medien-Newsletter Juni 2013

Der Stamm-Verlag in Essen dokumentiert seit 1947 als einziger deutscher Verlag komplett alle Medien (ca. 24.000) in Deutschland (Print/zeitungen+Zeitschriftzen, Rundfunk/Radio+Fernsehen, Online (seit 2003)). Im Mai 2013 wurden 7.767 Medien aktualisiert, im letzten Quartal waren es insgesamt 13.931 Medien. Der monatliche "Stamm Medien-Newsletter" informiert über aktuelle Änderungen in der deutschsprachigen Medienlandschaft (Deutschland, Österreich, Schweiz). Mit freundlicher Genehmigung folgen hier einige Änderungen/Meldungen:

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