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Reisejournalisten sind die Bergleute des 21. Jahrhunderts

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Facebook, Twitter, YouTube, LinkedIn, Blogs, Tumblr, Xing, LinkedIn – auch auf der diesjährigen ITB in Berlin entkommt niemand der boomenden Social Media Welt. Nicht überraschend also, dass die Tourismus-Messe gleich zur passenden Podiumsdiskussion einlud: „Wie wir uns in Zukunft informieren. Machen Blogs, Facebook & Co. die Touristikpresse überflüssig“, hieß dieser Media Summit .

Kritik an Verlagen und Politik
Der Raum völlig überfüllt, die Besucher gespannt – und der Keynote-Sprecher prominent: „Digital Immigrant“ Wolfgang Clement wies auf die grundsätzlichen Veränderungen in unserer Gesellschaft hin als „größte Medienrevolution seit Erfindung des Buchdrucks“. Gerade klassische Medien würden in den nächsten zehn Jahren erheblich im Medienkanon an Bedeutung verlieren, deren Zielgruppen langsam aussterben werden.

Gerade den Verlagen hielt der angriffslustige Clement – vorgestellt als Freier Geist, Innovator und Impulsgeber - ihre Versäumnisse und Fehler vor. Diese täten sich schwer, ihre Marke ins Internet zu übertragen. „Verlage haben nicht die Power, mit anderen gemeinsam zu kooperieren.“ Auch gegenüber der Politik teilte er kräftig aus: „Wo ist eigentlich in Deutschland die Medienpolitik, die zu gestalten versucht? Setzt sich die deutsche Politik überhaupt mit den Fragen der veränderten Mediennutzung auseinander?“ Kein Widerspruch, keine Antworten im Saal.

Touristischer Nachholbedarf bei Social Media
Auch wenn viele von Clements Zukunftsvisionen bereits heute der Realität entsprechen, boten seine Denkanstöße Potenzial für die folgende Podiumsdiskussion. Auf dem Podium: ADAC-Chefredakteur Michael Ramstetter als Vertreter der traditionellen Medien, Benjamin Jost vom Bewertungs-StartUp „TrustYou“ als Vertreter der Digital Natives, Romanus Otte von "Welt Online", der Unternehmenskommunikator Tobias Jüngert von REWE-Touristik und ein gut gelaunter Hajo Schumacher als Moderator, der die Reisejournalisten gleich als „Bergleute des 21. Jahrhunderts“ bezeichnete.

Weder Otte noch Ramstetter wollten den generellen Abgesang auf die Zeitung teilen: „Auch in zehn Jahren wird es kein Sterben der Zeitungen geben“, so die mutige Aussage des ADAC-Chefredakteurs. Und auch wenn alle Social Media diskutieren, so ist der Einsatz der vielfältigen Instrumente in der Tourismus-Welt noch begrenzt. Laut der Diskutanten spielten beispielsweise Blogger sowohl für den ADAC als auch für REWE keine wirkliche Bedeutung. „Verärgerte Kunden wenden sich eher direkt an RTL“, so Tobias Jüngert. Gleichzeitig war er sich der wachsenden Bedeutung durchaus bewusst: „Es ist für uns höchste Zeit, ein professionelles Social Media Monitoring aufzubauen und die
Informationen aus Facebook & Co. systematisch in den Kundendialog einzubinden“, steckte er die nächsten Schritte ab.

Die Suche nach dem Vertrauen der Nutzer
Eine weitere Kernfrage im Panel: Wie schafft man es, das Vertrauen von Nutzern aufzubauen und zu halten, da dies doch gerade die Voraussetzung für eine Bindung an das Medium sowie den Kauf von
Produkten sei. Auf jeden Fall nicht durch eine Vermischung von Redaktion und Anzeigen, wie der Branche oftmals vorgeworfen wird: Verantwortungsvoller Journalismus mit hohem Berufsethos, so Otte, ein Journalismus der vom reinen Reisejournalismus immer stärker weggeht, so Ramstetter; zahlreiche Meinungen von Nutzern auf Bewertungsportalen als Hilfestellung, so Benjamin Jost. Und am Besten gleich eine Kombination – ganz nach dem Beispiele: „Fünf Freunde von dir haben dieses Hotel auch positiv bewertet.“

Nur: Wie könnte das Geschäftsmodell dazu aussehen? Man müsse auf jeden Fall Synergien zwischen Experten, Journalisten und User Generated Content schaffen, waren sich die Diskutanten wieder einig. Nur wie dies genau geschehen soll, da blieb das kurzweilige Panel noch eine Antwort schuldig.

Dominik Ruisinger, PRJ-Korrespondent, Berlin, www.add-pr.de

Kommentare (2)Add Comment
Pah...
geschrieben von Reisejournalist , März 14, 2010
Vor drei Tagen im Pressekaffee auf der ITB: Vertreterin eines Medienbeobachters stellt PR-Frau die Services ihres Unternehmens vor. Die erste Rückfrage der PR-Frau: "Weisen Sie auch den Anzeigenäquivalenzwert aus?".

Solange PR in der Touristik so verstanden und betrieben wird, möge sich doch bitte niemand über die enge Verknüpfung von Anzeigen und Redaktion in dieser Branche beschweren.
@Pah ....
geschrieben von Dominik R. , März 15, 2010
Als langjährigem Reisejournalist kommen mir diese Erfahrungen nicht ganz unbekannt vor. Nur wurde in der Diskussion dieser Verbindung zwischen Redaktion und Anzeigen klar widersprochen - zumindest was die anwesenden Blätter betrifft.

Gleichzeitig gilt aber auch: Das Ausweisen von Anzeigenäquivalenzwerten - gerne fälschlicherweise mit dem Begriff PR value gleichgesetzt - gehört nunmal zum PR-Geschäft fest hinzu. Kaum eine PR-Agentur, kaum eine Kampagne, die nicht regelmäßig nach diesem Wert bemessen wird. Ob man das jetzt richtig findet oder nicht, spielt keine Rolle. Leider.

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