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„Menschen sind im Internet wichtiger als Marken“

Am 20. Oktober findet an der FH Mainz das 1. Forschungscamp Marketing und Kommunikation statt. Unter dem Thema „Web 2.0 – Toolbox für Anwender“ zeigen Kommunikationsexperten von Unternehmen wie Daimler, Dell, Nestlé und PWC und Wissenschaftler, wie sich mit den neuen Kommunikations- und Beobachtungstools im Internet optimal arbeiten lässt. Weitere Informationen finden sich unter: www.forschungscamp.com.  Das "PR-Journal" sprach im Vorfeld mit Lothar Rolke, Hochschulprofessor in Mainz, einem der Initiatoren der Veranstaltung.

PR-Journal: Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für die Unternehmenskommunikation durch das Internet?

rolke_lothar_05-2010Lothar Rolke: Der Verlust an Kontrolle. In der Webgesellschaft kann jeder zum Kommunikator mit Massenwirkung werden. Insofern sind für Unternehmen die öffentlichen Kommunikationsströme nicht mehr kontrollierbar. Um das zu illustrieren ein paar Zahlen: Jeden Tag werden weltweit 50 Millionen Tweets versendet, 900 000 neue Blogs gepostet, eine Milliarde Videos bei Youtube angeschaut und zwei Milliarden Suchanfragen bei Google gestartet. Und immer kann das eigene Unternehmen Thema sein.

PRJ: Was also ist zu tun?

Rolke: Um in der Onlinewelt erfolgreich zu sein, brauchen Unternehmen mehr als je zuvor ihre Mitarbeiter und Kunden, die ihre guten Erfahrungen mit dem Produkt oder Service weitererzählen. In Communities, auf Blogs, per Twitter oder visuell auf Youtube, per Mail oder in Form eines bewertenden Kommentars. Mit Bannern und Adwords lässt sich die Web Society nicht überzeugen.

PRJ: Sondern?

Rolke: …indem Mitarbeiter zu Markenbotschaftern und Innovationsscouts werden, die ihren Unternehmen rechtzeitig sagen, worauf es künftig ankommt.  Und Kunden zu Partnern in der Produktoptimierung und zu Weiterempfehlern werden. Menschen sind im Internet eindeutig wichtiger als Marken.

PRJ: Kommunikation fände dann also ohne Steuerung durch die  Unternehmen statt?

Rolke: Im strengen Sinne ist das doch schon längst der Fall. Unternehmen können allenfalls Impulse geben. Viel wichtiger aber ist es durch Beobachtung zu lernen, was die verschiedenen Stakeholder wünschen. Was schafft Vertrauen und Akzeptanz, wann wird gekauft und weiterempfohlen. Internetbeobachtung oder neudeutsch Webmonitoring ist Basis, um die Onlinewelt zu verstehen und erfolgreich Impulse zu geben.

PRJ: Welche Tools stehen hier zur Verfügung?

Rolke: Interessanterweise generiert das Internet selbst eine ganze Reihe von neuartigen Beobachtungs- und  Auswertungstools, darunter auch kostenlose wie infonitor, alexa, seitwert, seittest, twittscoop, insight for searche oder statbrain u.v.a.m., die sich gut Benchmarks eigenen. Hinzu kommen derivate Tools, die eine bessere Fokussierung erlauben – wie die die „Google 100“-, Keyword- oder Werteprofilanalyse. Wir als Kommunikatoren haben in den nächsten Jahren einiges zu lernen, zumal sich das Netz höchst dynamisch weiterentwickelt.

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