Themen der Zeit (Autoren-Beiträge)
Blogger und Communities Die neue Internet-Publizistik
Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 25. März 2006 um 01:17 Uhr Donnerstag, den 09. März 2006 um 15:59 Uhr
Abstract aus "Public Relations: Die besten Tricks der Medienprofis“ von Hajo Neu / Jochen Breitwieser; Businessvillage-Verlag, September 20054. Blogger und Communities – Die neue Internet-Publizistik
Noch vor wenigen Jahren bestand die „Internet-Medienlandschaft“ aus nicht viel mehr als den Netz-Ablegern bekannter (und unbekannter) Magazine und semiprofessionell betriebenen Hobby-Seiten. Viele Marketing-Auguren und PR-Agenturen behaupteten damals, ein neues Zeitalter werde anbrechen; das Internet werde nicht nur die Welt im allgemeinen, sondern auch die PR gewaltig beeinflussen und verändern. Alles, was sich jedoch veränderte, war die Möglichkeit, Pressemitteilungen via E-Mail zu verschicken und Journalisten die Möglichkeit zu geben, sich Infos von den Websites der Unternehmen zu laden. Nicht gerade die ganz große Umwälzung. Damit schien das Thema „Internet-PR“ dann auch für viele erledigt.
Doch die eigentliche Revolution fand und findet schleichend statt – in einer publizistischen Form, die man früher altmodisch als Tagebuch bezeichnete. Die Rede ist von Blogs und Bloggern – von jener auch in Deutschland rasant steigenden Zahl an Menschen, die Online-Journale führen. Sicher: Die Mehrzahl der Blogs – schätzungsweise zwischen 99 und 99,8 Prozent – sind nicht mehr als das ausschließlich private und oftmals bizarre Vergnügen ihrer Betreiber und haben keinerlei publizistische Außenwirkung. Doch selbst dann bleiben rein statistisch gesehen immer noch einige hundert, wenn nicht gar tausend übrig, die massenhaft gelesen, beachtet und zitiert werden. Einige tausend Blogs, die über Ihr Business schreiben, über Ihr Unternehmen, die Angestellten darin und möglicherweise sogar über Deals und Dinge, von denen Sie hofften, dass sie möglichst unerwähnt bleiben.
Insbesondere ein Punkt macht Blogs für PR-Leute so wichtig. Es ist ein verblüffend einfaches Nachrichtensammelsystem namens RSS oder „Really Simple Syndication“. Mit einem Klick auf den RSS-Button können User die Meldungen von Blogs abonnieren und finden sie anschließend auf ihrem personalisierten Info-Portal (wie zum Beispiel my.yahoo) wieder – gleichberechtigt neben AP, Reuters, der FAZ oder Spiegel-Online. Der umständliche Weg zu den einzelnen Websites entfällt. Und ein Blog, den Sie (oder die für Sie wichtigen Journalisten) lesen, hat de Facto auf einmal die gleiche Authentizität und Glaubwürdigkeit, wie all jene alt-ehrwürdigen Medien, die das Geschäft jahrzehntelang beherrschten. Was die Pressearbeit mit und für Blogs betrifft, macht es allerdings wenig Sinn, einen Blog mit jeder News zu überschütten, mit der man auch an die “normalen” Medien herantritt. Warum? Weil Blogs sich von Natur aus der klassischen Medien als Quelle bedienen.
Wenn Sie (unternehmensintern) die Frage gestellt bekommen, ob Blogs in Sachen PR und Kommunikation überhaupt von Relevanz sind – hier sind einige gute Antworten:
1. Die traditionellen Medien nutzen Blogs zunehmend als unabhängige Informationsquelle.
2. Mehr und mehr Blogs werden von Vordenkern betrieben, die mittels Blogging Einblicke in ihre Arbeit gewähren.
3. Blogs sind ideale Messinstrumente, an denen sich die Reaktionen auf bestimmte News ablesen lassen.
4. Blogs sind extrem zielgruppenspezifisch – mit fast keinem anderen Medium lassen sich bestimmte Zielgruppen so exakt treffen.
5. Blogs sind kein Direktmarketing-Instrument – aber ein Instrument, mit dem sich die öffentliche Meinung gezielt beeinflussen lässt.
6. Und schließlich: Es die ureigenste Aufgabe der PR, alles zu beobachten und zu nutzen, was sich zur Kommunikation mit der Öffentlichkeit eignet.

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