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9. Mail aus Manhattan: Die USA im Vorwahlkampf - PR drückt auf die Tube

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von unserer USA-Korrespondentin Frauke Scheben, New York, Deussen Global Communications

Nur in einem sind sich die Demokraten einig: So ziemlich jeder wäre besser als der jetzige…Präsident. Amerika ist schon mittendrin im Wahlfieber, obwohl die Entscheidung erst 2008 getroffen wird. Die Kandidaten sammeln eifrig Geld: Bisher liegt Barack Obama knapp in Führung vor Hillary Clinton, beide mit über 30 Millionen Dollar auf der Bank für die kommende Wahl. Mit groβem Abstand ist John Edwards auf Platz drei, gefolgt von den restlichen fünf Kandidaten, von denen der ein oder andere in Deutschland vielleicht noch nicht gehört hat: Joe Biden, Chris Dodd, Mike Gravel, Dennis Kucinich und Bill Richardson.

Noch beeindruckender als die Unmengen Geld, die erbeten und gespendet werden, ist die einzigartige Berichterstattung im amerikanischen Fernsehen. Seit April debattieren die acht Kandidaten in zahlreichen „live“ übertragenen Debatten. Die groβen Fernsehsender wechseln sich ab: CNN, MSNBC, PBS, Logo (ein LGBT Sender, kurz fuer Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender), ABC, NBC und CBS.

Die aktuellste Debatte auf CNN bezieht die amerikanische Öffentlichkeit ein wie nie zuvor und bedient sich eines Phänomens des 21. Jahrhunderts: YouTube, der viertbeliebtesten Website im Internet. Unter dem Motto “It’s your country and your presidential debate!” wurde das amerikanische Volk gebeten, Fragen per Video über die Website YouTube einzusenden. Was als Ehe zwischen alten und neuen Medien gilt, war ein relativ groβer Erfolg: Über 3.000 Einsendung konnte die Website verzeichnen. Die Fragen wurden dann von CNN ausgewählt und von Moderator Anderson Cooper präsentiert. Am meisten beschäftigt die Amerikaner der Krieg im Irak, Krankversicherung, homosexuelle Ehe, die Trennung von Staat und Kirche und das Gewicht, das ein jeder Kandidat seinem persönlichen Glauben schenkt, aber auch Fragen ueber Auβenpolitik, Darfur und die Wirtschaft wurden an YouTube gesendet.

Einen Lacher brachte die letzte Frage der Debatte, in der ein junger Mann jeden Kandidaten bat, sich den Mitstreiter zur linken anzuschauen und je einen Punkt zu nennen, der ge- und missfällt. Dies gab den Demokraten die Gelegenheit, die zu Zeiten sehr ernsthafte Debatte auf leichtem Fuss zu beenden. John Edwards sagte, ihm gefalle, wie Clinton ihrem Land diene, aber er war sich nicht ganz so sicher über die pinke Jacke, die Clinton trug. Joe Biden scherzte, dass er Kucinich zwar zu schätzen wisse, aber ihm dessen Frau doch am besten gefalle.

Eine der Fragen, die Amerika beschäftigt und derer sich CNN recht leichtfüβig angenommen hat mit dem Untertitel “Black enough? Woman enough?”, widmet sich der Sensation, dass sowohl eine Frau als auch ein schwarzer Amerikaner um die Kandidatur werben. Barack Obama sagte lachend, dass er sich seiner Hautfarbe sicherlich bewusst sei, wenn er in Manhattan ein Taxi herbei winke. Hillary Clinton antwortete, sie könne ja schlieβlich nur als Frau am Rennen teilnehmen.

Die Kritiker sind sich natürlich nicht immer einig, wer als Gewinner aus den Debatten hervorgeht, aber Hillary Clinton gilt doch weitesgehend als sehr erfolgreich und kompetent, während Obama trotz seines Charmes und hellen Köpfchens manchmal als ein wenig jung herüberkommt.

Ach so, republikanische Debatten und Kandidaten gibt es auch – aber das ist ein anderes und weit weniger interessantes Kapitel.

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12. Februar 2012 - 20:07

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