Themen der Zeit (Autoren-Beiträge)

Klaus Merten: Das Ende von Public Relations?

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Der Begriff „Public Relations“ ist – trotz mehr als 2.000 Definitionsversuchen (vgl. so Scharf 1971) – bis heute ebenso schillernd wie umstritten. Die einen verstehen ihn vollmundig als „jede Kommunikation mit Öffentlichkeiten“ (so Avenarius 1995: 3), also letztlich als jede Form adressierter Kommunikation, die zudem moralischen Prinzipien zu folgen habe, die anderen verstehen darunter Begriffe wie „Beschönigungssemantik“, oder„Rosstäuscherei“ (vgl. Kocks 2010) oder andere, meist negativ besetzte Begriffe.

Die Diskussion um einen wirklichkeitsnäheren, weniger realitätsfernen PR-Begriff nimmt derzeit einen neuen Anlauf. Der Vortrag von Klaus Kocks am 22. Januar 2010 in der Universität Münster (vgl. Redemanuskript, com+plus-Servicemail vom 03. Februar 2010) unter dem Titel „Spin-Doctors: Wahrnehmungsmanager für gesellschaftliche Relevanz oder Rosstäuscher der Mediengesellschaft?“ hat dafür weiteres Eis gebrochen, weil er einen notwendig komplexen kommunikativen Kontext hinzufügt, der auf Entwicklungen der Mediengesellschaft, insbesondere die Differenz von Fakt und Fiktion, eingeht und diese diskutiert. Es zeigt sich: der PR-Begriff wird abmustern.

Bitte hier weiterlesen und die entsprechenden Links auf der Service-Mail-Seite von com+plus, Münster nutzen.

Und hier noch das Resümee am Ende des Merten-Artikels:

IV. Resümee
Das Fehlen einer akzeptierten Definition von Public Relations hat offenbar drei Gründe: Zum einen stellen sich Public Relations immer mehr als spezifische Kommunikationsform hoher Komplexität heraus, deren Beschreibung mindestens ebenso anspruchsvoll ist wie die der zugrundeliegenden Kommunikation. Diese hat derzeit im Konstruktivismus eine beeindruckende systemische Aufwertung erfahren (vgl. Merten et al. 1994).

Diese Aufwertung findet zugleich weltweit in der Praxis statt, weil die Epoche der „Mediengesellschaft“ nicht nur völlig neue Formen und Kanäle der Kommunikation hervorgebracht, sondern Kommunikation mit einer generellen Stellvertreterfunktion für alles, was sich in Worte fassen lässt, ausgestattet hat – erkennbar z.B. daran, dass das relevanteste gesellschaftliche Teilsystem längst das Mediensystem ist, das mit einer eigenen, exklusiven Währung (Aufmerksamkeit) hantiert, für die in den Wechselstuben der Mediengesellschaft exorbitante Wechselkurse festgesetzt sind.

Zum Dritten verhindert die Ethik der PR durch ihre selbst gesetzte Verpflichtung auf Wahrheit ein effizientes Ethik-Handeln, das gerade jetzt eine besondere Bedeutung erfährt: Zumindest die deutsche PR-Ethik zerbricht an ihren selbst gesetzten, unauflösbaren Widersprüchen. Die Folge ist, dass die von der PR-Ethik ausgehende PR für PR ihre Glaubwürdigkeit völlig ruiniert hat und der Branche nicht dient, sondern ihr ganz im Gegenteil schadet.

All das wird dazu führen, dass der PR-Begriff, längst negativ besetzt, über kurz oder lang aus der öffentlichen Diskussion verschwinden wird. Stattdessen wird eine direkte Anbindung an den Kommunikationsbegriff erfolgen, die eine Diskussion auf einer anspruchsvolleren Ebene ermöglicht.

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12. Februar 2012 - 19:48

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