Medien

WAZ: PR-Schlacht in Duisburg - Stoppt die Rauswinder

Derzeit gibt es keine breite öffentliche Aufklärung über die Loveparade-Katastrophe in Duisburg. Stattdessen kommen nur häppchenweise Papiere ans Licht. Und es ist kaum verhüllt, welchem Zweck sie dienen. Etliche dieser Dokumente werden von Public-Relation-Managern in einschlägigen Medien lanciert, um zu vertuschen, wer wirklich Verantwortung trägt. Der zuständige Innenminister Ralf Jäger (SPD) steht dem Treiben hilflos gegenüber. Er weiß sich nicht zu wehren, wenn scheibchenweise lanciert wird, die Polizei sei der Buhmann.

Primitiv wird es, wenn fast gleichzeitig die Stadt Duisburg und der Veranstalter über eine Million Euro für die Opfer versprechen.Diese Weißwaschversuche müssen aufhören. Alle tragen sie ihren Anteil an der Schuld. Nur um auch die PR-Männer im Hintergrund daran zu erinnern, um was es wirklich geht: Menschen sind gestorben. Und ihre Mandanten tragen daran eine Mitschuld. Es geht darum, die Verantwortlichen zu benennen, nicht darum, anderen den Schwarzen Peter in die Schuhe zu schieben.

Es gibt nur einen Weg. Alles muss auf den Tisch. Die Opfer haben ein Recht darauf. Dies kann aber nur gelingen, wenn möglichst schnell ein Untersuchungsausschuss eingesetzt wird, um alle Unterlagen auszuwerten. Kommentar von David Schraven

Loveparade: Schönrednern keine Chance

Die Duisburger Stadtspitze engagiert einen ehemaligen Magazin-Journalisten als PR-Berater. Um die schlimmste Tragödie der Duisburger Nachkriegsgeschichte in ein milderes Licht zu rücken, scheint offenbar jede Ausgabe recht zu sein

Fast drei Wochen ist es her, dass auf dem Loveparade-Gelände in Duisburg 21 junge Menschen qualvoll starben. Auf die Berichterstattung darüber gab es unzählige Leserbriefe und E-Mails, eine davon ist bemerkenswert. Sie lautet: „Auch ich trage ein Stück Schuld, denn ich habe als Teilnehmerin der Loveparade im Tunnel gedrängt und geschubst.“ Diese Äußerung ist so besonders, weil sich hier jemand als Teil eines Chaos’ begreift. Als jemand, der nicht abwiegelt und sich windet, sondern ehrlich ein Stück Mitverantwortung zugibt. derwesten.de

Kommentare (1)Add Comment
Ja, ja, die bösen PR-Berater ...
geschrieben von Darko Kosic , August 18, 2010
... was erlauben sich diese PR-Fritzen eigentlich? Wie können diese Typen es nur wagen, Grautöne in eine heile (Boulevard-)Journalistenwelt einzubringen, in der es scheinbar nur "schwarz und weiß" gibt?

Dabei ist es doch so schön und auflagensteigernd, wenn man bekannte und zumindest teilweise verdiente Personen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft medial hinrichten und sozial entwürdigen kann - und dabei auch noch den geballten (inszenierten?) Volkszorn im Rücken hat. Die Sache scheint für einige Journalisten auch ein persönliches Vergnügen zu sein: Wann hat man schon mal die Chance, sich über einen öffentlichen Menschen und seine vermeintliche Inkompetenz so richtig auszulassen, der von seiner Ausbildung und Vita einem selber eigentlich deutlich überlegen ist...?

Ein bisschen scheinheilig klingt es schon, wenn die WAZ-Redakteure sich zu der Frage hinreißen lassen, wie man um alles in der Welt bloß so eine Veranstaltung wie die Loveparade überhaupt durchführen konnte - und das auch noch in Duisburg. Hier ist mal der Link zu einem hämisch anmutenden WAZ-Kommentar bezüglich der Loveparade-Absage in Bochum aus dem Vorjahr:

http://www.derwesten.de/nachrichten/waz/meinung/2009/1/15/news-105398413/detail.html

Vor diesem Hintergrund und dem daraus entstandenen öffentlichen Druck sollten sich die Herrschaften aus der WAZ-Redaktion mal selbst hinterfragen, wie hoch eigentlich IHR Anteil am späteren Unglück in Duisburg ist.

In einem demokratischen Rechtsstaat haben Beschuldigte das Recht, Ihre Sicht der Dinge einer interessierten Öffentlichkeit vorzutragen. Und es ist logisch und richtig, dafür ggf. auch die Hilfe professioneller Berater in Anspruch zu nehmen. Das gilt gerade dann, wenn einem selber die Fähigkeit fehlt, sein Anliegen der Öffentlichkeit nahezubringen. Das mag vielleicht dem einen oder anderen Journalisten nicht gefallen. Oft wird dadurch nämlich verhindert, dass man die Beschuldigten ungeschützt vor den medieninszenierten "Volksgerichtshof des Bürgerzorns" ziehen kann.

Denn seien wir doch mal ehrlich: Interessiert es die WAZ wirklich, wer in der Gemengelage (Polizei, Veranstalter, Verwaltung, Drängler etc.) wirklich die Verantwortung am Loveparade-Unglück trägt? Ich meine, das tut es! Aber nur insoweit, wie sich damit Volkszorn bedienen und Auflage steigern lässt. Die Wahrheit bleibt bei diesem Spiel oft auf der Strecke.

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12. Februar 2012 - 18:04

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