Das PR-Interview

PR-Interview Nr. 62 - Holger Schmidt: "Google+ hat noch einen weiten Weg vor sich"

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Interview mit Holger Schmidt über die Chancen von Google+ gegen Facebook. Schmidt, von Haus aus Volkswirt, schreibt seit 1997 für die "Frankfurter Allgemeine" (F.A.Z.) über Internetthemen, inzwischen auch als "Netzökonom" im F.A.Z.-Blog.

PR-Journal: Herr Schmidt, als Google+ vor einigen Monaten an den Start ging, hieß es zunächst, es handele sich nur um eine Facebook-Kopie. Stimmt das?

Holger Schmidt: Google+ ist eine Reaktion auf Facebook, aber sicher keine Kopie. Ein wesentlicher Unterschied: Facebook basiert auf gegenseitigen "Freundschaften", Google+ auf einem asymmetrischen Prinzip, ähnlich wie bei Twitter.

PR-Journal: Was kann Google+ tatsächlich besser als Facebook. Wo hapert es noch?

Holger Schmidt: Die "Circles", also die direkte Einteilung in Nutzergruppen, ist deutlich besser gelöst als auf Facebook. Google+ vom Start weg mit guten Kommunikationstools wie Chat und Hangout auszustatten, war ein geschickter Schachzug. Denn Kommunikation ist die Stärke von Facebook; Heute kommunizieren viele Nutzer ausschließlich per Facebook. Hier anzugreifen war clever von Google. Allerdings müssen mehr Funktionen zugefügt werden. Firmenprofile/Fanseiten und APIs sind nur zwei Beispiele, die Facebooks Wachstum enorm angefacht haben.

PR-Journal: Was macht Google+ für das Social-Media-Marketing von Unternehmen interessant?

Holger Schmidt: Mit den Circles können Unternehmen Zielgruppen präzise ansprechen. Auch die Qualität der Diskussionen ist außergewöhnlich hoch. Aber noch ist die Nutzung von Google+ viel zu gering, um Facebook ernsthaft Konkurrenz zu machen.

PR-Journal: Wie haben sich die Nutzerzahlen seit der ersten Euphorie entwickelt?

Holger Schmidt: Die jüngste Zahl waren rund eine Million Nutzer in Deutschland, während Facebook 22 Millionen Nutzer hat. Google+ hat also noch einen weiten Weg vor sich.

PR-Journal: Wie schätzen Sie die Zukunftschancen von Google+ ein?

Holger Schmidt: Der Vorsprung von Facebook ist gewaltig. Die Nutzer in großem Stil zum Überlaufen zu bewegen, wird nicht einfach werden. Google profitiert von seiner Größe und der Verknüpfung mit anderen Diensten. Zum Beispiel könnte es ein großer Hebel werden, wenn Google die Aktivität auf Google+ als Signal in seinem Suchmaschinenranking stärker berücksichtigt. Zudem muss Google das Innovationstempo hoch halten. Der Anfang ist gemacht – mehr aber noch nicht.

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