Das PR-Interview

PR-Interview Nr. 65 - Matthias Bonjer + Gerald Schömbs: "Wir wollen Pitches transparenter machen"

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bonjer matthiasschoembs geraldInterview mit Matthias Bonjer und Gerald Schömbs zur Pitch-Kultur in Deutschland. Gemeinsam betreiben sie die Facebook-Seite „Pitch-Etiquette“: http://de-de.facebook.com/pitchetiquette

PR-Journal: Was wollen Sie mit der Seite Pitch-Etiquette erreichen?

Gerald Schömbs: Es geht vorrangig um die Möglichkeit eines Forums zum Thema. Wir wollen Transparenz schaffen unter Agenturen darüber, welche Haltungen es in Sachen Pitches gibt. Und wir wollen aufzeigen, dass die Beteiligung an kostenlosen oder aussichtslosen Pitches nicht der einzige und beste Weg ist, um zu partnerschaftlichen Kundenbeziehungen zu kommen. Mit knapp 2.500 Fans und einer regen Beteiligung haben wir innerhalb der letzten zwölf Monate dazu einiges in Bewegung gebracht. Vor allem aber vielen Agenturchefs gezeigt, dass sie mit dem Thema keineswegs alleine sind.

PR-Journal: Wie ist es um die Pitch-Kultur in Deutschland bestellt?

Matthias Bonjer: Ehrlich gesagt, geht es uns im Vergleich zu England oder Frankreich ganz gut. Wir haben in diesem Jahr nicht zuletzt über die Fanpage einiges an Aufmerksamkeit zum Thema geschaffen und viele andere Player zu eigenen Aktivitäten angeregt. Daher kann ich aus unserer Sicht eindeutig von einer Verbesserung der Pitchkultur sprechen. Daran hatten wir vielleicht einen Anteil – wie groß, kann ich natürlich nicht genau sagen.

PR-Journal: Welche „Anstandsregeln“ muss ein guter und fairer Pitch erfüllen?

Matthias Bonjer: Wenn uns ein Unternehmen zu einer Wettbewerbspräsentation einladen will, bitten wir darum, bestimmte Regeln zu respektieren. Dazu gehört, dass wir unseren Ansprechpartner persönlich kennenlernen wollen, bevor wir damit beginnen, ein Konzept zu erarbeiten. Wichtig ist für uns auch, dass wir unser Konzept persönlich vorstellen und in einem vernünftigen Zeitrahmen arbeiten können – mindestens drei Wochen ab dem Briefingtermin. Schließlich leisten wir uns kein Pitch-Team, das Stand-by zur ständigen Verfügung steht. An unbezahlten Pitches können wir leider nicht teilnehmen. Wir finden, das ist nicht standesgemäß. Außerdem unterstreicht ein Honorar die Ernsthaftigkeit des Ausschreibungs-Prozesses und beweist Respekt vor der Beratungs- und Kreativ-Leistung der Agentur.

PR-Journal: Worauf sollten Agenturen besonders achten, wenn sie sich an einem Pitch beteiligen?  

Gerald Schömbs: Letztlich muss jeder selbst entscheiden, wie er mit Anfragen umgeht. Aber einiges sollte auch von Agenturseite beachtet werden. So sind ehrliche Antworten ein Muss, zum Beispiel was Referenzen oder das Team der Agentur angeht, das den Kunden betreuen soll. Auch eventuelle Konflikte mit Bestandskunden sollten vorab geklärt werden. Der offene und ehrliche Kontakt mit dem Ausschreibenden ist von zentraler Bedeutung. Hier kann im Vorfeld viel für eine „Pitch-Hygiene“ auf beiden Seiten getan werden.

PR-Journal: Können professionelle Pitch-Berater im Unternehmen helfen, Ausschreibungen zu verbessern?

Matthias Bonjer: Das ist ein sehr differenziertes Thema. Es gibt hier kein generelles Ja oder Nein. Meine persönliche Meinung ist, dass Pitch-Berater nur in seltenen Fällen geeignet sind, Auswahlverfahren zu verbessern. Ein Marketing- oder PR-Leiter eines Unternehmens sollte selbst die Voraussetzungen mitbringen, einen guten Pitch durchzuführen. Wer dafür Berater braucht, kennt den Markt nicht und weist sich auch nicht unbedingt nach dem Pitch als kluger und besonnener Kopf aus, wenn es um die operative Arbeit geht. Dann ist der Berater meist weg, und hier zeigt sich dann oft eine „strukturelle" Schwäche. Denn: Wir Agenturen sind ja auch nach einem Pitch nicht in ruhigem Gewässer. Die Zusammenarbeit wird immer wieder auf die Probe gestellt, und es gibt auch danach viele Momente, in der man in einer ähnlichen Situation wie beim Pitch ist.

Matthias Bonjer ist Geschäftsführer der Zuckerkommunikation GmbH, Berlin; http://www.zucker-kommunikation.de. Gerald Schömbs ist Geschäftsführer der Schröder+Schömbs Public Relations GmbH, Berlin; http://www.schroederschoembs.com

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