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Kerlikowskys Kommentar über... den griechischen Patienten

kerlikowsky1Guten Tag! Der jährlich stattfindende BDI-Tag der Deutschen Industrie in Berlin ist nicht nur ein Treffpunkt der Unternehmer aus ganz Deutschland. Die Attraktivität besteht darin, dass traditionsgemäß die Spitzenpolitiker (fast) aller Parteien hintereinander Reden halten und sich positionieren. Diesmal hatte ein ausländischer Gast die Möglichkeit, für sein Land zu punkten: S.E. George A. Papandreou, der Ministerpräsident Griechenlands. Mit lang anhaltendem Beifall wurde er von den Funktionären des BDI und seiner Mitgliedsverbände sowie von Gästen aus der Industrie begrüßt, und nach seiner Rede mit genauso lang anhaltendem Beifall verabschiedet. Das lag vielleicht daran, daß Papandreou seine Rede in fließendem Englisch hielt, und viele erfolgreiche Unternehmer wenig verstanden haben. Eine Simultanübersetzung gab es nicht. Hätte sie es gegeben, wäre der Beifall wohl geringer gewesen. Über Probleme hatte er wenig gesagt.

Papandreou punktete mit Barack Obamas "yes, we can". Er wies auf das große Potential Griechenlands hin. Leider hätte sein Land aber seit zwei Jahren gegen eine Vertrauenskrise zu kämpfen. Griechenland betrachtet er nicht als ein armes Land, sondern es wäre ein "mismanaged country" gewesen; was natürlich an seinen Vorgängern lag. Die EU habe zum Niedergang ebenfalls beigetragen. Einst habe man Agrarprodukte exportiert, als EU-Mitgliedsland aber wegen der Brüsseler Agrarpolitik importiert. Anscheinend hat das Land zu hohe Subventionen erhalten; doch das sagt er natürlich nicht. Aber er verspricht, weil man ohnehin bereits in der finanziellen Konsolidierung sei, dass man alles liefern werde, was man versprochen habe.

Von Papandreou wurde nicht erwähnt, was am Samstag davor in der englischen Financial Times zu lesen war. Der Finanzminister Evangelos Venizelos hatte Abgeordneten der Sozialisten gesagt, eine geordnete Zahlungseinstellung und ein Schuldenerlaß von 50% für Griechenland wäre das Beste. So hatte die Zeitung Ta Nea berichtet. Naturgemäß dementierte Venizelos seine Worte. Man wäre den Bedingungen der EU und des Internationalen Währungsfonds verpflichtet. Natürlich sprang ihm Papandreou bei. Er dürfte beim abendlichen Gespräch mit Angela Merkel, falls sie über die Worte von Venizelos informiert war, alles dementiert haben; denn am nächsten Tag, Donnerstag, war im Parlament die Abstimmung über den Rettungsschirm. Dafür hatten sich der BDI und die anderen Wirtschaftsverbände eingesetzt.

BDI-Präsident Hans-Peter Keitel, sprach dennoch in Gegenwart von Merkel teilweise Klartext. Er erinnerte daran, dass wir keine Euro-Krise haben, sondern eine Verschuldungskrise. Er wünsche sich Banken, die vor allem die Finanzierung der Realwirtschaft sicherstellen. Und an die Bundeskanzlerin appellierte er: "Lassen Sie uns Unternehmer in Ruhe an der Zukunft arbeiten". Ob das möglich ist, scheint zweifelhaft zu sein, und zwar nicht nur wegen der Euro-Krise und Griechenland. Kurz zuvor hatte es schließlich die "Breslauer Erklärung" der EU gegeben, nach der Länder mit Exportüberschüssen gemaßregelt werden können. Das wäre im Zweifel Deutschland. Keidel erhielt lauten und langen Beifall.

Ihr
Dr. Horst Kerlikowsky
Berlin, den 30. September 2011

Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus: ETAGE Media Selection (Copyright: Dr. Horst Kerlikowsky). Als Leser vom "PR-Journal"/"agenturcafé" können Sie kostenlos zum Kennenlernen drei Ausgaben von ETAGE MediaSelection über die E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! direkt formlos bestellen. Weitere Infos über ETAGE Publikationen und Kunst; Berlin, Telefon: (030) 3 27 52 10 oder (089) 39 02 12; Telefax: (030) 3 27 53 67; etage-info.de E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

In dieser Woche außerdem in "Etage Media Selection":

Eurokrise: Auf der BDI-Jahrestagung präsentierte sich Griechenlands Ministerpräsident Papandreou eloquent und optimistisch; doch die Fakten sprechen dagegen.

EU: Exportieren Mitgliedsländer zuviel, sollen sie nach einer EU-Vorlage mit Sanktionen gebremst werden. Das trifft natürlich hauptsächlich Deutschland.

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